Kammerkonzert im neuen Musikraum der Alten Landesschule · Schüler vertonen Lyrik

Premiere für frisch komponierte Werke

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Kammerchor und Streichorchester der Alten Landesschule, dirigiert von Johanna Mecke.

Korbach - Eigenwillig auf den Spuren alter Meister oder hochgradig individuell vertonten die Schüler des Leistungskurses „Qd“ unter Leitung von Silvia Grebe Lyrik nach Wahl.

Beim Kammerkonzert der ALS in den neuen Räumen der Fachschaft Musik erklangen die frisch komponierten Werke zukünftiger Meister in den unterschiedlichsten Besetzungen erstmals vor Publikum. Das größte Aufgebot dirigierte dabei Johanna Mecke, die für ihre Hymne an die Trinität neben dem Kammerchor und dem Streichorchester der ALS auch noch etliche Gäste aufgeboten hatte. Die musikalische Nähe zu Taizée war dabei unüberhörbar.

Brillant und eigenwillig

Christoph Gavel spannte dagegen die Zuhörer in Sachen Wiedererkennen bis zur eindeutig Bach‘schen Schlusswendung im Stil von „Wie soll ich dich empfangen“ doch ziemlich auf die Folter. Schließlich hatte der junge Komponist im Text des auch vom Thomaskantor vertonten Seelenheilliedes gleich sechs Affekte auf kürzestem Raum gefunden und sämtliche gemäß den Traditionen mit entsprechenden Harmonien unterlegt und dabei einen ebenso brillanten wie eigenwilligen musikalischen Schnelldurchlauf durch die Klang-sprache des Barock absolviert.

Auch außerhalb seiner Komposition legte der junge Musiker und Komponist die größte Wegstrecke zurück, aus den Reihen des Kammerchors zum Klavier, von dort in Dirigierposition und den gesamten Weg wieder zurück über die Tasten in die Reihen des Chores.

Den größten Beifallssturm gab es für den von zahlreichen Überkreuzläufen und einem grandiosen Accelerando geprägten Solopart von George Gershwins Meisterstück. Seine Klavierlehrerin Tatjana Kuper, die am Keyboard den Orchesterpart übernommen hatte, durfte sich gewissermaßen gleich dop-pelt über den Applaus freuen.

Nicht anders dürfte es Leistungskursleiterin Silvia Grebe bei jedem Beifall für ihre Schü-ler gegangen sein. Sie selbst gab die Einsätze beim musikalischen Auftakt zum Kammerkonzert: „Swing the Prelude“. Die Eröffnungsfanfare von Charpentiers „Te Deum“ in Swing gesetzt von H.O. Molsby. Der 1956 geborene Komponist fungierte gewissermaßen als Alterspräsident, in Sachen Chor waren die frischen Kompositionen, mit einer bezeichnenden, aber stilechten Ausnahme, von Werken eingerahmt, die allenfalls eine Generation zurücklagen.

In Sachen Textauswahl gingen die jungen Komponistinnen und Komponisten gern in die Romantik und den Barock zurück, bedienten sich aber nicht in jedem Fall der Stilmittel früherer Jahrhunderte. Lena Schirmer vertonte „Menschliches Elend“ von Johannes Gryphius im Stil einer melancholischen Popballade, die sie als Solisten in ihrem eigenwilligen, in seiner Gebrochenheit aber dem Textgehalt angemessen Vokalstil interpretierte.

Romantik pur atmete dagegen die empfindsame Vertonung und Interpretation von Joseph von Eichendorffs „Vorbei“ durch Carolin Mühlberger, die mit ihrer klaren Stimme die Stimmung des traurigen Rückblicks gestaltete. Mit ihrer Vertonung der „Wünschelrute“ für ein Vokalquartett machte sich Mona Ashauer auf die Suche nach dem „Zauberwort“ und brachte mit ihrer Melodie vier schöne Stimmen zum Klingen.

Bänkelsang und Tango

Die dritte Eichendorff-Vertonung stammte von Christoph Gavel, der die Interpretation seiner musikalischen Hommage an Robert Schumann Isabell Thamm anvertraut hatte, die in ihrer Interpretation die Überwältigung des Wanderers überzeugend gestaltete, bis zum Umschlagen der Gefühle in Angst und eilige Schritte. Letztere, gewissermaßen die in Töne gesetzte romantische Ironie machte der Komponist auf dem Klavier nachvollziehbar. Mit der Volksliedvertonung „Erlaube mir, feines Mädchen“ von Johannes Brahms hatte der Kammerchor ein schwungvoll-wiegendes Originalwerk der Romantik beigesteuert.

Dass Bänkelsang und Tango einen reizvollen Mix ergeben können, bewies Isabell Thamm bei ihrer Komposition des Limericks „Es war einmal ein Minnesänger“. Yannick Enderlein ließ sich beim Besuch des Leistungskurses im Händelhaus dagegen von Hinrich Barthold Brockes „Singe, Seele, Gott zum Preise“ dagegen seinerseits zu einer Melodie inspirieren, deren schlichte Anmut auch schon wieder ein Alleinstellungsmerkmal war. Mit dem überaus eingängigen „Abend wird es wieder“ verbreitete der Kammerchor schon einen Hauch Abschiedsstimmung, ehe er die Zuhörer schließlich mit den besten musikalischen Wünschen von „All Night, All day“ auf den Heimweg schickte. (ahi)

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