Ein Jahr spanische Auszubildende im Upland · Hoteldirektorin Stephanie Göbel zieht positive Bilanz

Probleme mit Sprache und Willinger Wetter

Willingen - Vor einem Jahr kamen 23 junge Spanier nach Willingen, um dort eine Ausbildung zu beginnen. 13 sind noch da – und auch die haben ihre Schwierigkeiten.

Eine Ausbildung in einem deutschen Hotel – darum kamen vor einem Jahr knapp zwei Dutzend junge Spanier nach Willingen. Auch wenn der Start holprig war, das Projekt sei erfolgreich, sagt Dieter Pollack von der Wirtschaftsförderung. Er hat die Idee mit auf den Weg gebracht. Doch einige Schwierigkeiten dauern an. „Die Sprache ist immer noch ein Problem, vor allem bei der Vermittlung fachtheoretischer Kenntnisse. Wenn sie heute Prüfung hätten, hätten sie es schwer“, sagt er. 20 spanische Azubis hatten ihre Ausbildung zum 1. September 2013 begonnen, 13 von ihnen sind noch da. Gründe für einen Abbruch seien Heimweh gewesen oder aber Notfälle in der Heimat. Ein Pärchen habe sich nach Berlin verabschiedet, um dort in anderen Berufen zu arbeiten. Nicht aber Sara Balenchana Martin, die aus Madrid kam und bei Göbels Landhotel zur Köchin ausgebildet wird. „Für mich und meinen spanischen Freund Alvaro sehe ich unsere Zukunft in Deutschland. Ich weiß nicht, ob und wann sich die wirtschaftliche Situation in Spanien verändern und verbessern wird.“ Sie hatte in Spanien als Krankenpflege-Assistentin gearbeitet, dort aber ihren Job verloren. Vor allem das Wetter sei eine Herausforderung. „Oft ist der Himmel dunkel, das drückt zuerst ein bisschen auf die Stimmung. Der lange Winter mit den kurzen Tagen ist für mich auch ungewohnt.“ Die Sprache im Alltag sei kein Problem mehr, wohl aber in der Berufsschule bei bestimmten Fächern wie Politik wegen vieler langer Fachbegriffe, „die ich erst im Wörterbuch nachschlagen, verstehen und behalten muss“. Ihre Chefin, Hoteldirektorin Stephanie Göbel, zieht ein positives Fazit: „Es war wie eine Geburt, nur eben ohne Vorbereitung. Unser Engagement war zwar anfangs für uns mit einem gewissen Aufwand verbunden, rechnet sich aber inzwischen für alle Beteiligten.“ Gleich mehrere Gastronomiebetriebe aus dem 3000-Einwohner-Ort beteiligen sich an dem bundesweiten Projekt „Job of my life“. Und warum? „Wir hatten keine Bewerbungen“, sagt Göbel. Derzeit laufen die Praktika für das neue Ausbildungsjahr, das im September beginnt. Die „neuen Spanier“ hätten es einfacher, sagt Pollack. „Wir haben aus dem ersten Jahr gelernt.“ Sie seien in punkto Sprache besser vorgebildet, denn es gab vor der Abreise einen dreimonatigen Sprachunterricht. Betreut werden die Arbeitskräfte auch vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. „Wir bieten den Auszubildenden Unterstützung in den Bereichen sozialpädagogische Begleitung, Sprachunterricht und berufsfachliche Begleitung“, erzählt Peter Müller. Das geht von Fragen bei gesundheitlichen Anliegen über Geldsorgen bis hin zur Hilfe beim Ausfüllen von Formularen. Auch Göbel will wieder spanische Azubis einstellen. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht und wollen daran festhalten“, sagt die Hoteldirektorin. Sie erwartet, dass es einfacher wird als bei den ersten Spaniern. „Wir haben den Vorteil, dass unsere Auszubildende Sara, die inzwischen gut deutsch spricht, ihnen mit Sicherheit bei Problemchen weiterhelfen kann.“

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