Probenwochenende der evangelischen Kantorei zur Aufführung des Elias-Oratoriums

Dem Propheten Kontur gegeben

„Dem Frommen geht ein Licht auf in der Finsternis“: Momentaufnahme vom großen Probenwochenende der evangelischen Kantorei in den Räumen der Freien Evangelischen Gemeinde. Foto: Hennig

Korbach - Die Aufführung des „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartoldy soll der krönende Abschluss der Korbacher Orgelwoche werden.

Die Erarbeitung des Gesamtkonzepts des Oratoriums und damit verbundene Feinabstimmung der einzelnen Chornummern standen beim Probenwochenende der Evangelischen Kantorei in den Räumen der Freien Evangelischen Gemeinde auf dem Programm. In den vier Tagen konnte Stadtkantor Eberhard Jung dem seit anderthalb Jahren geprobten musikalischen Großwerk von Felix Mendelssohn-Bartoldy seinen musikalischen Stempel aufdrücken und die Konturen des Propheten wie die wechselnden Charaktere des Chores herausarbeiten.

„Mit dem Verlauf und den Ergebnissen bin ich unbedingt zufrieden. Wir haben ab dem Sommer mit dem musikalischen Feinschliff begonnen und am Wochenende einen Riesensprung nach vorn gemacht, jetzt trägt die Interpretation meine eigene Handschrift, am Sonntag haben wir den ersten kompletten Durchlauf mit markierten Stimmen geschafft“, zieht Jung eine rundweg positive Bilanz, ehe er ins Detail geht.

„Das dramaturgische Konzept ist nun klar herausgearbeitet, die nahtlosen Übergänge funktionieren. Und die sind ja gerade die große Herausforderung im Vergleich zum Weihnachtsoratorium oder den Passionen von Johann Sebastian Bach, wo Evangelist, Solisten und Chor in der geforderten Reihenfolge einfach ihren Beitrag beisteuern. Mendelsohns dramatisches Konzept zeichnet ein ganz großes Bild. Damit die Zusammenhänge erfahrbar werden, ist ein viel höheres Maß an Stringenz als in anderen geistlichen Werken gefordert“, beschreibt der Kirchenmusikdirektor die musikalische Herausforderung für ihn und seine Sänger, die als leidendes Volk Israel, als Heilsverkünder, die einen Ausblick auf den Messias eröffnen, aber auch als Baalspriester gefordert sind.

Große Spannungsbögen

Der Stimmungswandel im Duell mit Elias ist für Eberhard Jung ein gutes Beispiel für die Feinarbeit: „Die Baalspriester haben sich ja mit allerlei Substanzen in Ekstase gebracht, entsprechend tranig klingt der Chor bei ihrem Einzug, man hört sie regelrecht bedröhnt um den Altar hinken. Später kommt dann die Ernüchterung und Panik, wenn sie merken, dass sie von Elias vorgeführt worden sind, das ist eine enorme emotionale Steigerung, das geht nicht nur über Lautstärke.“

Nicht minder entscheidend für ein gelungenes Gesamtkonzept ist das Verständnis der Hauptfigur und der Wandlungen, die Elias durchmacht: Im ersten Teil ist Elias ein polternder Prophet, eine dominante Figur, ein rotzfrecher Mann Gottes, der in seiner Gewissheit erst die Baalspriester verspottet und in der Bibel sogar selbst an dem Gemetzel beteiligt ist, das auf seinen Triumph über die Götzendiener folgt. Im zweiten Teil hat er keine großen öffentlichen Auftritte mehr, vielmehr ist er auf einmal selbst ein Verfolgter und bewertet sein Tun ganz anders und zieht alles in Zweifel. „Es gibt kein großes Spektakel mehr, sondern auch Momente der Schwäche bis zur Lebensmüdigkeit, ehe ihn die Engel aus seinem emotionalen Loch holen. Sein Weg aus dem Tief bis zur Himmelfahrt umfasst noch einmal einen Riesenspannungsbogen, mit dem für Mendelssohn eigentlich Schluss sein sollte“, erklärt Jung. „Aber der Librettist, der Dessauer Pfarrer Julius Schubring, wollte die Perspektive auf Christus nicht aus dem Blick verlieren, insofern setzt noch einmal eine musikalische Spannungskurve ein. Sie beginnt mit dem Chor ,Aber einer erwacht nach Mitternacht und er kommt vom Aufgang der Sonne‘ und reicht bis zum großartigen Schlusschor ,Herr unser Herrscher‘, der bei mir immer wieder für Gänsehaut sorgt.“

„Lust auf Elias“

Die Religiösität in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die in „Elias“ ihren Ausdruck findet und auch das Konzept des Oratoriums prägt, ist inzwischen historisch und auch nicht immer deckungsgleich mit heutigen Glaubensvorstellungen. Unter dem Motto „Lust auf Elias“ stellt Stadtkantor Eberhard Jung am 7. Oktober die musikalischen Zusammenhänge und gelegentlich auch biblischen beziehungsweise theologischen Hintergründe vor, damit die Zuhörer „auf Anhieb im Oratorium drin sind“. Vom abschreckend klingenden Titel „Einführung“ will der Stadtkantor nichts wissen, er verspricht vielmehr einen spannenden Abend mit dem Propheten Elias und der Musik von Felix Mendelssohn-Bartoldy. Veranstaltungsort ist die evangelische Johanneskirche in der Schlesischen Straße, Beginn ist um 19.30 Uhr.

Für die Aufführung am Sonntag, 12. Oktober, um 17 Uhr in der Kilianskirche mit insgesamt 130 Mitwirkenden gibt es noch Karten in der Buchhandlung Urspruch zu 18, 20 und 22 Euro.

Von Armin Hennig

Kommentare