Arno verfolgt Suche nach der Wahrheit · 500 Euro Geldbuße für Halter

Prozess mit Jagdhund im Gerichtssaal

Korbach/Willingen - Lässt sich ein Jagdhund vom Steuer eines Geländewagens aus führen? Ist dies im wahrsten Sinne des Wortes fahrlässig oder eine unter Waidmännern gängige Art der Hundeausbildung? Um Fragen wie diese ging es gestern bei einer ungewöhnlichen Verhandlung vor dem Korbacher Amtsgericht.

Denn der Angeklagte, ein 62 Jahre alter Jagdpächter aus dem Upland, hatte Arno zur Verhandlung mitgebracht. Wohl um zu zeigen, wie gehorsam und friedlich sich der rotbraune Jagdhund Menschen gegenüber verhält.

Von schmerzhaften Erfahrungen mit dem Tier berichtete im Zeugenstand allerdings ein 75-jähriger Mann aus Willingen. Der Rentner war im Dezember 2011 bei einem Spaziergang im Haselnussweg, auf einem Teilstück des Uplandsteigs, von Arno erst angebellt, dann angesprungen und schließlich gebissen worden, so seine Schilderung. Der Hund sei frei herumgelaufen, eine Begleitperson nicht zu sehen gewesen. Im Hintergrund habe er jedoch einen Geländewagen bemerkt, der anschließend rasch abbog und verschwand. Das Nummernschild habe er nicht erkennen können.

Zu Hause angekommen, versuchte der 75-Jährige vergeblich, die Blutung der Bisswunde in seiner linken Wade zu stillen. Dies gelang erst später dem behandelnden Arzt in der Notaufnahme des Briloner Krankenhauses. Am nächsten Tag unterrichtete der Mann die Polizei von dem Vorfall. Die Ordnungshüter suchten daraufhin mithilfe einer Pressenotiz nach Zeugen. Nach Angaben eines Korbacher Polizeibeamten meldeten sich dann sowohl Spaziergänger, die in der Beschreibung eindeutig Hund und Wagen wiedererkannten, als auch der Angeklagte. So wurde der Kontakt zum gebissenen Spaziergänger hergestellt. Dem gegenüber bekannte er, dass Arno von seinen Zähnen durchaus Gebrauch mache. Es sei kein Problem für ihn, die Arztrechnung zu übernehmen.

Auf Schmerzensgeldforderungen wie auf einen Strafantrag habe er ganz bewusst verzichtet, betonte der Rentner im Zeugenstand. Als paradox habe er es allerdings empfunden, dass die Gemeinde Willingen einerseits für ihre Wanderwege wirbt, aber gleichzeitig ihrem Jagdpächter erlaubt, den Hund frei laufen zu lassen.

Dies sei keineswegs erlaubt, stellte Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling fest. Die Straßenverkehrsordnung besage eindeutig, dass im öffentlichen Straßenverkehr ein Hund nicht von einem Fahrzeug aus geführt werden darf. Die Staatsanwältin warf dem 62-Jährigen vor, seine Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. Der Angeklagte vertrat eine andere Auffassung: Als Jagdpächter müsse es ihm möglich sein, seinen Hund auf diese Weise für die sogenannte Nachsuche auszubilden.

Am Ende des streckenweise lautstarken und vom Angeklagten mit Kraftausdrücken begleiteten Prozesses stand kein Urteil, sondern eine Vereinbarung: Das Verfahren wird eingestellt, wenn der Jagdpächter bis zum 1. März 500 Euro Geldbuße an eine als gemeinnützig anerkannte Organisation zahlt. In diesem Fall erhält das Geld - die Waldeckische Jägerschaft.(tk)

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