Zwei Stars kommen in die Korbacher Stadthalle

Der pure Tango strotzt vor Lebenslust

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Korbach - Mit purem Tango Argentino wollen Nicole Nau und Luis Pereyra das Korbacher Publikum verzaubern. „Der Klang meiner Erde“ heißt die Bühnenshow, die am 1. November in der Stadthalle (20 Uhr) zu sehen ist.

Die gebürtige Düsseldorferin gilt als weltbeste „Tanguera“. Ihr Ehemann und Bühnenpartner verbindet als Choreograf den Tango, den er als markanten Teil der argentinischen Folklore auffasst, mit der breitgefächerten Musiktradition seines Heimatlandes zu einer Einheit. Beide besuchten am Dienstag Korbach, um ihren Auftrittsort zu inspizieren und ihre Produktion vorzustellen. Außerdem präsentierte und signierte Nicole Nau in der Buchhandlung Schreiber ihr Buch „Tanze Tango mit dem Leben“.

„El Sonido de mi Tierra - Der Klang meiner Erde“ heißt die neue Bühnenshow, mit der das Ensemble um Nicole Nau (50) und Luis Pereyra (48) im Zuge ihrer Europatournee in Korbach auftritt. „In unserem aktuellen Veranstaltungsprogramm zweifellos ein herausragendes Ereignis“, freut sich Klaus Stockhausen, Vorsitzender des vhs-Kulturforums.

Ein lächelnder Mann mit Borsalino-Hut: Carlos Gardel hat dem Tango Argentino vor knapp 100 Jahren Gesicht und Stimme gegeben. Fotos des 1935 bei einem Unfall getöteten Sängers sind vor allem in der Hauptstadt Buenos Aires allgegenwärtig. Als nationales Idol rangiert Gardel auf einer Stufe mit Eva Peron und Diego Maradona.

Argentiniens Musik bietet jedoch viel mehr als Tango. Vor allem mehr, als kommerzialisierte und romantisch verklärte Darstellungen ahnen lassen. „Wir wollen Klischees vermeiden und arbeiten deshalb mit der Essenz dieser Tanztradition“, stellt Luis Pereyra fest. Als Zutaten für seine Revue verwendet der künstlerische Leiter volkstümliche Elemente wie Milongas und Chacareras, die im Gegensatz zum Tango in den ländlichen Regionen entstanden. Dieses Rezept sei einzigartig: „Die Energie dieser Aufführung gleicht der eines Rockkonzertes“, verspricht Nicole Nau, „gleichgültig verlässt keiner diese Vorstellung“.

Was es zu erleben gibt? Paare, die wie Magneten aneinander haften und in aufeinander abgestimmten Bewegungen zu ergreifenden Bandoneon- und Gitarrenklängen mit raumgreifenden Wiegeschritten die Bühne durchmessen, deren Füße sich mit „Ganchos“ (Haken) und „Giros“ (Drehungen) „unterhalten“ und deren Oberkörper den Rhythmus der Musik aufnehmen. „Wir tanzen, um unserem Publikum Einblicke in die argentinische Seele zu geben, die geprägt ist von tiefer Melancholie, Poesie, Leidenschaft, Kraft und großer Lebenslust“, beschreiben Nicole Nau und Luis Pereyra ihren künstlerischen Auftrag, den sie mit weiteren vier Tänzern und drei Musikern ausführen.

Während der 48-jährige Argentinier bereits mit elf Jahren zum ersten Mal auf der Bühne des legendären Caño 14 stand, änderte der Tango das Leben der gebürtigen Düsseldorferin Nicole Nau erst später, dafür umso grundlegender.

Wie, das erzählt sie in ihrem Buch, dessen Titel sie als Aufforderung verstanden wissen will: „Habe Mut zum Leben und dazu, es zu verändern, wenn Du wirklich willst.“ „Wenn man alles gibt, kann man auch alles bekommen“, fasst Nicole Nau im Gespräch am Büchertisch ihre Tango-Lebenserfahrungen zusammen. Von einem Tag auf den anderen wirft die Grafik-Designerin ihre bürgerliche Existenz in Düsseldorf über den Haufen. Fasziniert vom Lebensgefühl, das der Tango ihr verhieß, fliegt sie 1989 an den Rio de la Plata. Zuvor war sie ihrem späteren Ehemann in München zum ersten Mal begegnet. Pereyra war der Startänzer der legendären Shows „Tango Pasión“ und „Tango Argentino“, die vor allem in Deutschland einen anhaltenden Boom auslösten.

Hartnäckig und ohne sich von anfänglichen Schwierigkeiten entmutigen zu lassen, folgt Nicole Nau ihrem Traum. Wie er sich erfüllt, mag sie heute noch kaum glauben. „Mit kindlichem Erstaunen blicke ich immer wieder zurück“, verrät sie: Auf einen Lebensweg, der aus der Reihe 3 im Zuschauerraum auf die Bühne an die Seite Pereyras führte. Und vom Carlos-Gardel-Status trennt sie in dem Land, das sie seit fast 25 Jahren als ihr Zuhause betrachtet, nicht mehr viel: Eine Briefmarke der Correo Argentino, die an den 100. Geburtstag des Tanzes erinnert, trägt ihr Konterfei.

Karten für „Der Klang meiner Erde“ gibt es im Bürgerbüro im Rathaus, bei der WLZ und im Internet (www.kulturforum-korbach.de). Im Vorverkauf kosten die Tickets je nach Sitzplatzkategorie 30,70 oder 27,40 Euro, an der Abendkasse 33 oder 30 Euro.

Nicole Nau: Tanze Tango mit dem Leben, Bastei-Lübbe 2013, 9,99 Euro.

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