Diemelsee: Maschinenring Waldeck-Frankenberg prüft Standort „Feld Ittlar“

Radar durchkreuzt Windparkpläne

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Die Gegner des Windparks auf dem Feld Ittlar verweisen auf den großen Wert der Feldflur, die im Naturpark Diemelsee liegt. In einem alten Bergwerk seien Fledermäuse zu Hause.

Diemelsee - Wiesen und Felder so weit das Auge reicht, dazu eine geschichtsträchtige Vergangenheit: Das Feld Ittlar ist ein besonderes Fleckchen Erde, auf dem sich zunächst keine Windräder drehen werden.

„Seit einiger Zeit verfolgen wir intensiv die Berichterstattung über den entstandenen Windpark in Adorf sowie den geplanten Park in Rhenegge“, heißt es in einem Brief an die WLZ-Redaktion. Die Verfasser weisen darauf hin, dass auf dem Feld Ittlar ebenfalls ein Park mit „zehn Mega-Mühlen mit einer Höhe von 300 Metern“ geplant sei, der bei Genehmigung ebenso wie der Park bei Rhenegge im Naturpark Diemelsee liegen würde.

Eigentümer bilden Pool

Diemelsees Erster Beigeordneter Eckhard Köster (Sudeck), der in der hübschen und geschichtsträchtigen Feldflur zwischen Benkhausen, Schweinsbühl, Deisfeld, Giebringhausen und Sudeck (siehe Hintergrund) selbst Flächen besitzt, bestätigt Überlegungen, dort einen Windpark zu errichten. Knapp 40 Grundstücksbesitzer, darunter auch die Gemeinde und die Kirche, hätten sich vor einiger Zeit zusammengetan und den Maschinenring Waldeck-Frankenberg (Viermünden) mit der Prüfung beauftragt.

Der Maschinenring versteht sich als Dienstleistungsunternehmen, das die heimische Landwirt und die Regionalentwicklung im Landkreis fördert. Zu den Mitgliedern gehören rund 1200 landwirtschaftliche Betriebe, 18 Kommunen und mehr als 20 Unternehmen. Zusammen mit Kooperationspartnern erzeugt der Maschinenring auch Energie aus alternativen Quellen (www.mr-wa-fkb.de).

„Wir betreuen die Grundstückseigentümer, die einen Pool gebildet haben“, berichtet Walter Dersch vom Maschinenring. Dieses Modell ist bereits aus Lichtenfels bekannt: Der Maschinenring verhandelt dort im Namen der Grundstückseigentümer mit der Firma Abo Wind, die einen Windpark „Am Böhlen“ bei Goddelsheim errichten will.

Kein Antrag gestellt

So weit sind die Planungen auf dem idyllisch gelegenen Feld Ittlar laut Dersch längst nicht: „Wir sind im kleinsten Bereich der Prüfung, aber eins will ich gleich klarstellen: 300 Meter hohe Anlagen gibt es noch nicht“, betont er auf WLZ-Anfrage. Warum das Projekt noch nicht weiter forciert wurde, begründen Dersch und Köster mit der Regionalplanung des Regierungspräsidiums Kassel. Nach Derschs Angaben war die Fläche im Rahmen der Regionalplanung als Suchraum ausgewiesen. Als die Planer Mitte Dezember den Entwurf des Teilregionalplans Windenergie erstmals präsentierten (wir berichteten), fand sie sich dort jedoch nicht als Vorranggebiet wieder. Ausschlusskriterium ist die Nähe zum Wetterradar auf der Deponie bei Flechtdorf. Der Deutsche Wetterdienst, der als Träger öffentlicher Belange bei Genehmigungsverfahren grundsätzlich einbezogen werden muss, schließt Windräder im Umkreis von fünf Kilometern aus. Im Umkreis von 15 Kilometern gelten Höhenbeschränkungen (wir berichteten).

„Durch das Wetterradar können wir nicht bauen“, betrachtet Köster das Projekt für tot. Ein Antrag an die Gemeinde oder den Kreis sei nicht gestellt und solle mangels Aussicht auf Erfolg auch nicht gestellt werden. „Eine offizielle Anfrage liegt der Gemeindeverwaltung nicht vor“, bestätigt Hauptamtsleiter Rainer Fischer.

Prüfung läuft weiter

Den Auftrag, das Projekt fallen zu lassen, hat der Maschinenring trotz allem nicht. Dersch: „Wir prüfen, ob sich das Wetterradar versetzen lässt und ob es alternative Flächen gibt.“ 2004 war das Radar bereits vom Gelände der Nato-Raketenstellung auf die Deponie umgezogen - „auf Initiative der Abo Wind“, ergänzt Fischer.

Für Dersch hängt der Erfolg bei den Verhandlungen mit dem Wetterdienst von zwei Faktoren ab: dem geeigneten Standort und der Übernahme der Kosten. Diese schätzt Eckhard Köster auf 3,5 Millionen Euro. Noch deutlicher gegen einen Windpark auf dem Feld Ittlar spricht für den Vize-Bürgermeister jedoch, dass ein Großteil der Diemelseer keine weiteren Mühlen mehr wolle.

Hintergrund

„Genau zwischen den Ortschaften Benkhausen, Schweinsbühl, Deisfeld, Giebringhausen und Sudeck liegt auf einer Hochfläche eine der schönsten und von Geheimnissen umwitterten Fluren unserer Heimat: das Feld Ittlar“, schreibt der Mengeringhäuser Heimatforscher Alfred Emde in den Siebzigerjahren in der WLZ-Beilage „Mein Waldeck“.

Erwähnt wird die kleine Siedlung erstmals 952 in einer Urkunde des Klosters Geseke. 1537 bewirtschaften Sudecker und Schweinsbühler auf dem Feld Ittlar mehrere Höfe. Allerdings ist es im frühen Mittelalter auf dem Feld Ittlar keineswegs so einsam, wie die stille Schönheit der Feldflur heute vermuten lässt. Über die Hochebene führt seinerzeit ein Abzweig der „Heidestraße“, einer wichtigen Handelsstraße von Köln nach Leipzig. Er kommt vom Hoppernkopf (bei Küstelberg), führt an Usseln vorbei, verläuft weiter über die Höhen des Hermannsberges bis nach Deisfeld und von dort empor zum Feld Ittlar.

Der Abzweig mündet in Adorf auf die von Frankfurt nach Bremen führende „Heerstraße“. An die Siedlung erinnern heute eine Schutzhütte und ein Wegweiser, von dem es zu jedem Ort 2,5 Kilometer sind. Der Hinweis steht damit auf einem Kreuzweg, an dem es traditionell nicht geheuer ist. So ranken sich bis heute um das Feld Ittlar zahlreiche Sagen, zum Beispiel die des Reiters ohne Kopf.

Das Flair der Geschichte und die Schönheit der Natur genießen Einheimische und Gäste alle zwei Jahre beim Feld-Ittlar-Fest, zu dem die Heimat- und Verkehrsvereine Benkhausen, Schweinsbühl, Deisfeld, Giebringhausen und Sudeck einladen. 2014 ist es wieder so weit.

Um auch Wanderern und Radfahrern die Geschichte näherzubringen, installierten die Gastgeber bereits 2007 eine Informationstafel in der Schutzhütte. Eine Zeichnung, die Wilhelm Köster auf Basis einer Sudecker Flurkarte aus dem 18. Jahrhundert erstellte, gehört dazu. (nv)

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