39-Jähriger erhält Geldstrafe wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung

Randale im Wodkarausch

Korbach. - Manchmal ist es schwer, Gäste wieder loszuwerden. Selten aber werfen sie sich zu Boden, klammern sich an der Heizung fest und reißen dem Gastgeber schließlich Haarbüschel aus.

Im Oktober vergangenen Jahres machte eine 50 Jahre alte Korbacherin diese Erfahrung, als ein Bekannter aus der Gemeinde Diemelsee sie besuchte. Wegen Körperverletzung in zwei Fällen und Sachbeschädigung musste er sich am Dienstag vor dem Korbacher Amtsgericht verantworten. Er sagte aus, sich an nichts mehr erinnern zu können – bei der Tat war er zu betrunken. Ob eine oder zwei Literflaschen Wodka im Spiel waren, wie viel davon die Frau getrunken hatte und wie lange der Besuch dauerte, wurde nicht klar. Ein Alkoholtest am Abend ergab aber einen Wert von rund zwei Promille beim Angeklagten. Die Korbacherin hatte den 39-Jährigen schon zuvor zu Gast, es habe oft Probleme gegeben, wenn er gehen sollte. So wurden am Abend der Tat ältere Verletzungen bei ihr festgestellt, ihre vorherige Wohnung habe sie seinetwegen verloren. „Er wollte wohl ‚mehr‘ von mir“, so die Mieterin. Als sie ihn am Tatabend aus der Wohnung führen wollte, widersetzte er sich: „Er warf sich auf den Boden wie eine Schildkröte“, erläuterte sie. Sie schob ihn in Richtung Tür. Als er sich wehrte, schlug sie ihm mit der flachen Hand ins Gesicht – einfache Gewalt ist zur Wahrung des Hausrechts erlaubt, erklärte die Staatsanwältin. Daraufhin wurde der 39-Jährige aggressiv und zog die Frau an den Haaren über den Boden: „Dabei hat sich mehr als ein Haarbüschel in der Wohnung verteilt“, sagte sie aus. Er legte sie in die Badewanne und versuchte sie zu küssen. Als sie schrie, verpasste er ihr einen Kopfstoß, sie trug Blutergüsse am Auge und Ellbogen davon.Nachbarn waren mittlerweile auf das Geschehen aufmerksam geworden. Als ein Rentner auf den Hausflur zwischen den beiden Wohnungen trat, kam die Geschädigte ihm bereits entgegen und stellte sich hinter ihn. Der Zeuge eines vorherigen Streits forderte den Angeklagten auf, die Frau in Ruhe zu lassen, worauf dieser ihn gegen den Türrahmen stieß. Der Rentner erlitt eine Platzwunde und eine Schädelprellung. An Brille und Hemd entstand ein Sachschaden von mehr als 600 Euro. Der Angeklagte und die Mieterin gingen zurück in die Wohnung, wo die von anderen Hausbewohnern gerufenen Polizeibeamten sie vorfanden – der Mann lag auf dem Boden. „Wir haben ihn geweckt und er war zahm“, so der eine der Polizisten, er sei „ruhig und kooperativ“ gewesen, so der andere. Er sei zu friedlich für die Ausnüchterungszelle gewesen, sie brachten ihn nach Hause. Der Beschuldigte hat begonnen, den Schaden beim Nachbarn zu begleichen. 400 Euro sind indes noch offen. Er entschuldigte sich mehrmals bei ihm. Gegenüber der Frau zeigte er sich weniger entgegenkommend und beschuldigte sie, nicht die volle Wahrheit über ihre Rolle am Abend zu sagen. Die Frau sagte aus, den Kontakt zu dem Mann abgebrochen zu haben, da sie Angst vor ihm habe. Er habe noch bei ihr angerufen und geklingelt. Der Angeklagte war nicht einschlägig vorbestraft, zwei Verurteilungen wegen Diebstählen liegen sieben Jahre zurück. Die Staatsanwältin hielt ihm eine schwierige persönliche Vergangenheit zugute: „Ohne den Alkoholeinfluss und eine lange Zeit in Betreuung kämen wir aber nicht um eine Haftstrafe herum.“Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling folgte ihrem Vorschlag von 60 Tagessätzen zu zehn Euro. Der Mann, der auf einen Verteidiger verzichtet hatte, akzeptierte das Urteil.

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