Bei der Aktion „Junge Fahrer“ der Verkehrswacht gibt es für die Schüler der ALS viel auszuprobieren

Rausch, Überschlag und Aufprall

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Ausprobieren wird bei der Aktion „Junge Fahrer“ großgeschrieben. Henri Mütze steigt aus dem Überschlagsimulator, links kämpfen seine Mitschüler mit den Effekten der Rauschbrillen.

Korbach - Es rummst und es dreht sich auf dem Schulhof der Alten Landesschule. Zur Aktion „Junge Fahrer“ hat die Verkehrswacht Waldeck-Frankenberg nicht nur Informationen mitgebracht, sondern auch viele Möglichkeiten, um den Ernstfall zu simulieren.

Die Führerscheinprüfung frisch bestanden und die große Freiheit vor Augen: fast alle der 150 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q3 der Alten Landesschule dürfen schon Auto fahren. Dabei sind die Risiken aber nicht zu unterschätzen, mahnen oftmals die Fahrlehrer und Eltern. Um zu erfahren, was das wirklich bedeutet, ist die Aktion „Junge Fahrer“ für die Abiturjahrgänge schon zur Tradition geworden.

Nicole Stoppa (17) sitzt noch ganz entspannt im Sitz des Gurtschlittens. Die Anfahrt erscheint langsam, das Gerät beschleunigt ja nur auf fünf bis sechs Stundenkilometer. Dann gibt es einen Schlag, sie schreit kurz auf. Der Aufprall ist überraschend heftig. Ohne Knautschzone wirkt es wie eine Vollbremsung mit circa zwölf Stundenkilometern - und selbst bei der Geschwindigkeit schmerzt es schon etwas. Der Gurt drückt auf Becken und Schlüsselbein. Und noch eine halbe Stunde später merkt sie die Stelle.

Es ist eindrucksvoll für die Schüler, die möglichen Folgen im Straßenverkehr hautnah mitzuerleben. Neben dem Gurtschlitten ist der Pkw-Überschlagsimulator auf dem Schulhof aufgebaut. „Oftmals überleben Unfallopfer dank des Sicherheitsgurtes den Aufprall. Dann schnallen sie sich aber verfrüht oder falsch ab, fallen auf den Kopf und erleiden einen Genickbruch“, erklären die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Verkehrswacht. Deshalb simulieren die Schüler den Ernstfall. Unter Anleitung schnallen sie sich im überschlagenen Auto ab - eine Übung, die ihnen vielleicht mal das Leben retten kann.

Probieren vor studieren

Elf Helfer sind es, die die Aktionstage an den Schulen im Landkreis durchführen. Sie wollen den Fahranfängern die Risiken zeigen und Tipps geben. Warum sollte ich auch tagsüber Licht einschalten? Macht eine geringere Reifenprofiltiefe wirklich so viel aus? Diese Fragen erläutern die Verkehrswächter anschaulich.

„Es erstaunt die Schüler immer wieder, wenn ich ihnen erzähle, dass zum Beispiel 17 Stunden ohne Schlaf wie 0,5 Promille wirken“, erzählt Günter Langendorf. Oder wenn er ihnen vorrechnet, dass ein Mann mit einem Gewicht von 80 Kilo nach fünf Bier und zwei Korn schon einen Blutalkoholwert von 2,5 Promille hat. Schon ab 1,5 Promille sinke die Hemmschwelle und die Risikobereitschaft steige. „Diese genauen Beispiele bleiben im Gedächtnis - mit purer Theorie kämen wir nicht weit“, weiß Ferdinand Hagenbach, der die Aktion leitet.

Seine Station ist direkt neben dem Rauschbrillen-Parcours zur Simulation der Fähigkeiten unter Alkoholeinfluss. Einige Meter weiter steht ein Fahrsimulator, ein Seh- und Reaktionstest wartet einen Raum daneben. Es gibt viel zu erfahren, zu entdecken und auszuprobieren. Hagenbach ist sicher, dass gerade aufgrund des hohen Praxisanteils einiges hängenbleibe. Er verweist auf die Unfallstatistiken der vergangenen Jahre. Immer weniger Verkehrstote seien zu verzeichnen. Und auch jetzt schon mache sich die Möglichkeit des begleiteten Fahrens ab 17 bemerkbar. In der Altersklasse seien die Zahlen stark zurückgegangen. „Unsere Straßen werden immer sicherer“, freut sich Hagenbach. Und auch die Fahranfänger werden jetzt wohl mit geschärftem Blick die Situationen im Straßenverkehr angehen. (nsch)

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