Woolworth-Gebäude: Ein heimischer Eigentümer gibt Einblick in die Verträge

Die Rechnung ohne den Wirt

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„Herzlich willkommen“ prangt über dem früheren Restaurant neben Woolworth. Am Wochenende eröffnet dort eine neue Disco, andere Flächen im Gebäude bleiben vorerst leer.

Korbach. - Im Keller unter Woolworth eröffnet am Freitag das „Bierdorf“ mit Disco- und Partyspaß. Viele Flächen des Gebäudeblocks in Korbachs Top-Lage stehen aber weiterhin leer. Von überhöhten Forderungen könne jedoch keine Rede sein, betont ein Grundbesitzer.

Brache Geschäfte und Büros im Herzen der Einkaufsmeile - wer kann sich das leisten? Passanten registrieren den Leerstand rund um Woolworth seit über zwei Jahren nur noch mit Verwunderung.

Nicht nur im früheren Greko-Laden herrscht auf zwei Etagen mit insgesamt rund 800 Quadratmetern gähnende Leere. Auch die früheren Arztpraxen und Wohnungen über Woolworth sind ungenutzt.

Immerhin soll im früheren „Kartoffelkeller“ und der dahinter liegenden verwaisten Diskothek (früher „Almrausch“) zur Arolser Landstraße ab Freitag wieder Leben einziehen. Das neue „Bierdorf“ erwartet Gäste zu Partyspaß, Essen und Trinken auf 500 Quadratmetern.

Über dem großen Rest der leeren Geschäfts- und Büroflächen schwebt indes weiter eindickes Fragezeichen. Zwar gibt es für den Standort namhafte Filialisten als Interessenten, erklärt Anne Mertke (Berlin). Doch die zuvor nötige Investition ins Gebäude sei wirtschaftlich nicht sinnvoll. Begründung: Die Zahlungen an die heimischen Grundbesitzer seien zu kostspielig. Die Investition rechne sich nur, wenn die Eigentümer ihre Forderungen herunterschraubten (wir berichteten).

Anne Mertke arbeitet für die ACREST Property Group, die von Berlin aus ein Füllhorn früherer Woolworth-Immobilien vermarktet. In der finanziellen Krise hatte der Kaufhaus-Konzern die Gebäude oder Nutzungsrechte übertragen. So ist Woolworth in Korbach seit 2007 Mieter bei dem amerikanischen Finanzinvestor Cerberus.

Die Investmentgruppe wiederum zahlt für das Woolworth-Hauptgebäude (insgesamt rund 3000 Quadratmeter) eine „Dauernutzungsentschädigung“ an die Eigentümer der Immobilie. Das sind heimische Investoren, die das Gebäude in den 1960er- und 70er-Jahren erstellt hatten. Mit der Dauernutzung konnte Woolworth über das Gebäude frei verfügen - aber auf 50 Jahre befristet.

Der benachbarte Greko-Laden und Gebäudeteile nach hinten zur Arolser Landstraße sind zwar Eigentum von Cerberus, aber für den Grund und Boden ist Erbbauzins an die Korbacher Besitzer fällig - ebenfalls mit Laufzeit von 50 Jahren.

Aus Sicht der heimischen Grundbesitzer geht Mertkes Rechnung nicht auf. Woolworth habe vor 40 Jahren einen wahren „Knebelungsvertrag“ diktiert, betont einer der Eigentümer: Die jährliche Entschädigung „liegt an der untersten Grenze dessen, was an Mieten in der Bahnhofstraße gezahlt wird“, macht einer der Besitzer des Woolworth-Hauptgebäudes deutlich. Im WLZ-Gespräch gibt er Einblick in die Zahlen: „Von zu hohen Kosten kann also keine Rede sein.“

Vielmehr sei es unverständlich, dass die Cerberus-Gruppe auf weit über 100 000 Euro pro Jahr verzichte, weil sie Flächen im Zentrum leer stehen lasse.

Aus Sicht des Eigentümers gibt es dafür nur eine Erklärung: Die auf 50 Jahre fixierten Verträge mit den heimischen Grundbesitzern laufen 2022 aus. Derweil hat Cerberus offenbar an Woolworth bis mindestens 2026 vermietet - mit Option für insgesamt 15 Jahre Verlängerung.

Läuft der Vertrag mit den Grundbesitzern 2022 aus, hat Cerberus zwei Möglichkeiten: entweder Aufgabe des Gebäudes oder Kauf. Und dieser Kaufpreis bemisst sich laut Vertrag an der bis dahin laufenden jährlichen Entschädigung.

Rechnung des Eigentümers: Will Cerberus den Vertrag mit Woolworth bis 2026 erfüllen, müssen sie das Gebäude erwerben. - Kein Wunder also, dass sie die jährliche Entschädigung und damit auch den späteren Kaufpreis senken möchten.(jk)

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