Irina Gebel baut Pflanzen aus Glasperlen · Hobby beim Projekt „Migration, Integration, Teilhabe“ vorgestellt

Regale voller gläserner Blüten

Korbach - Hunderte Glasperlen reiht Irina Gebel aneinander, bis schließlich bunte Blumen entstehen. Ihr hierzulande wenig verbreitetes Hobby hat die Korbacherin aus Weißrussland mitgebracht.

Irina Gebel ist die Begeisterung anzumerken: „Mein Mann sagt, kein Mensch brauche Glasperlen, aber ich...“ Sie bringt den Satz nicht zu Ende, sondern seufzt zufrieden. „Sie kann ohne ihre Glasperlen nicht leben“, sagt ihre Tochter Jana – eine Zuspitzung, aber Irina Gebel widerspricht nicht. Seit drei Jahren baut die Korbacherin aus Glasperlen Pflanzen nach – über 100 Exemplare sind in stunden- bis tagelanger Arbeit entstanden. Entdeckt hat sie ihr Hobby bei einem Familienbesuch in Weißrussland. „Das war völlig neu für mich“, erinnert sie sich. Sie brauche immer etwas zu tun, an Strick-, Häkel- und Näharbeiten gebe es aber kaum Bedarf: „Mützen und Socken hat jeder.“ Die Perlen seien genau richtig. Während ihre Schwägerin aus ihnen Schmuck herstellt und auch Tiere daraus in Osteuropa populär sind, spezialisiert sich Irina Gebel auf Pflanzen. „Ich nehme gerne Muster aus der Natur“, erklärt sie. Auch Bücher und Internet seien hilfreich. Je nachdem, was sie bauen möchte, nutzt sie verschiedene Techniken, bringt die Perlen in einer Reihe oder als Gitter an. Während als Fundament und Gerüst Alltagsgegenstände herhalten, ist an die Perlen schwieriger heranzukommen. Da es für den Preis einer Tüte in Russland hierzulande grade einige Teelöffel gibt, importiert sie – schon knapp 13 Kilogramm hat sie sich schicken lassen. Nicht nur Materialien, auch Erfahrungen habe sie sammeln müssen: „Mein erstes Stück habe ich noch auf Wachs gebaut – da war nachher alles schief“, erinnert sie sich. Mittlerweile verkauft sie einige Werke, um die Materialkosten zu decken. Ihr Zuhause ist dennoch voll mit gläsernen Blüten. Sie sucht aber auch Gleichgesinnte: Deshalb hat sie ihr Hobby bei einem Nachmittag des Korbacher Projekts „Migration, Integration, Teilhabe“ vorgestellt – sehr zur Freude von Projektmitglied Natalja Schens: „Viele Russlanddeutsche beschäftigen sich gerne handwerklich. Sie verstehen, wie viel Kraft und Mühe in so einem Stück steckt.“ Es wird sich zeigen, ob das Knüpfen von Kontakten so gut geklappt hat wie das Verketten von Draht und Perlen.

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