Korbach

Reine Rock-Magie in der Kulturfabrik

- Korbach. „Purist-Magic“ lautete der Titel der Tournee von 
Bobby Kimball und 
Ian Cussick, die mit ihrem ebenso virtuosen wie energischen Auftritt in der Kulturfabrik sicherlich neue Fans hinzugewonnen haben.

Die beiden Rock-Legenden gingen mit unbändiger Spielfreude und unübersehbarem Spaß an der Musik zu Werke. Vielleicht auch deshalb, weil sie sich nicht auf das Abspulen ihrer Hits beschränkten, sondern ausführlich ihren eigenen Idole huldigen und zugleich ihre Stärken in die Waagschale werfen konnten. Etwa beim Opener „Taking it to the Streets“, wobei Ian Cussick am Bass dem Doobie-Brothers-Klassiker mit einer bezeichnenden Spur mehr Funk auf die Sprünge hilft, die auch „Wonderlove“, seine Hommage an Stevie Wonder, auszeichnet. Bei der melancholischen Ballade „Meet me by the water“, die auf eine spektakuläre Drum-Show folgt, zeigt sich der Schotte von seiner sanften Seite. Sein Langnese-Hit „Like Ice in the Sunshine“ fiel allerdings zu sehr aus dem musikalischen Rahmen und wurde mit keinem Takt angespielt. Bobby Kimball, der sich bei dieser Gelegenheit selbst begleitet und seinen Mitmusikern eine kleine Verschnaufpause gönnt, würdigt seine musikalischen Wurzeln mit einer leidenschaftlichen Interpretation von „Burn down the Mission“. Befürchtungen oder gar Hoffnungen, das obligatorische Schlagzeugsolo könnte einer ausführlichen Huldigung von Elton John zum Opfer fallen, werden im Anschluss daran überwältigend zerstreut: beim Percussion-Duo oder gar Trio zwischen Drummer Frank Alpers und Ian Cussick, der mit seinen Sticks nicht nur die große Trommel am Bühnenrand, sondern auch die Sprudelflasche bearbeitet, die ihm der übermütige Bobby Kimball vors Mikro hält, das zuletzt auch noch als Resonanzkörper herhalten muss. Dergleichen magische Momente zeichnen die Show aus, die nicht zu unrecht ihren Titel trägt, aber auch nie sämtliche Hits von Toto versprochen hat, sondern eben jene drei bietet, die auch auf dem Plakat stehen. „Afrika“ zum Beispiel, bei dem Nick Oosterhuis am Keyboard den 7:30-Flight ins musikalische Geflecht einschreibt, während die Lichtshow das Publikum in ein stimmungsvolles Dschungelmuster taucht. „Ally the Fiddle“ hatten mit Folk-Metal auf höchstem Niveau den Abend eröffnet – und einer spektakulären Show, bei der Frontfrau Ally als unwiderstehliche Kreuzung zwischen Elfe und Hexe erscheint, wenn sie den Bogen tanzen lässt oder ihre knielange Mähne schwingt und beim stürmischen Kurzprogramm zugleich die Messlatte für die Headliner ziemlich hoch legt. Allerdings haben Bobby Kimball und Ian Cussick einen Backkatalog im Rücken, aus dem sich endlos nachlegen lässt. Mit „Roseanna“ zünden die beiden die nächste Stimmungsstufe vor dem offiziellen Ende. Von „Hold the line“ hatten die Fans noch keinen Ton gehört und bleiben dran beim Beifall-Klatschen und Zugabe rufen. Sie werden dafür mit einem weiteren Miniset, einem brillanten Bass-Solo von Ian Cussick und dem ersten Hit von Toto, belohnt und selbst mit einbezogen. Denn Bobby Kimball hält das Mikro nun regelmäßig ins Publikum. Im Anschluss daran begeben sich die Musiker unverzüglich ins Foyer, um mit den Fans zu reden oder Alben und andere Gegenstände zu unterschreiben. Gut aufgelegte Stars auf Augenhöhe gehören in der Kulturfabrik einfach dazu. „Purist Magic“ war der letzte große Act vor dem Jahreswechsel. Die nächste Jack-Daniels-Night mit Bands aus der Region steht am 19. November auf dem Programm mit „Firecake“ aus Bad Wildungen. Mit Hits aus den Achtzigern gaben „Flash-Bat-on-the-Roof“ aus Mandern als zweite Vorgruppe eine appetitanregende Kostprobe ihres großen Auftritts im Januar in der Kulturfabrik. (ahi)

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