Hygiene im Haushalt Hauptthema bei DHB-Informationstag

Richtiges Maß für Umwelt und Gesundheit

Korbach - Sauberkeit und Nachhaltigkeit finden beim Waschen nicht immer die richtige Balance. Wie viel Kraft, Chemie, Zeit und Wasser eigentlich nötig ist, haben interessierte Frauen bei einem Vortrag des DHB-Ortsverbands erfahren.

„Was bedeutet Hygiene?“, fragt Liane Reichhart. „Keimfrei“, lautet die knappe Erwiderung aus dem Publikum. Unerwartet ist die Antwort, aber auch unzutreffend: Hygiene sei die Lehre von der Verhütung der Krankheiten und der Festigung der Gesundheit. „Viele junge Familien denken, ihr Haushalt müsste komplett keimfrei sein – sonst kriegen sie gleich ein schlechtes Gewissen“, erklärt Reichhart. Wenn auch bei Kleinkindern, Senioren, Schwangeren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem Vorsicht gelte sollte: Bei gesunden Frauen und Männern würden normale Umweltkeime die Gesundheit sogar stärken.

Nicht jedes Mittel ist nötig

Das richtige Maß beim Putzen ist Thema Informationstages, den das „Forum Waschen“ bundesweit initiiert hat. Es gelte lediglich, die Grundlage zur rapiden Vermehrung von Keime zu zerstören, nicht, sie auszurotten, erklärt Liane Reichhart vom DHB – ehemals „Deutscher Hausfrauen Bund“, mittlerweile mit größerer Zielgruppe.

Ein „Zuviel“ an Wasch- und Reinigungsmitteln schade der Umwelt, dem Geldbeutel und dem Immunsystem: „Wichtig sind Spülmittel, Allzweckreiniger, vielleicht noch Zitronenreiniger und eventuell Sanitärreiniger“, erklärt sie. Die Rolle von Scheuermitteln übernähmen verstärkt Putzsteine und Waschsoda.

Der wichtigste Schritt gegen gefährliche Keime sei das häufige Waschen der Hände: sie trügen das höchste Risiko, gesundheitsschädliche Erreger zu verbreiten. Von durch sie berührten Oberflächen würde eine gleichhohe Gefahr darstellen wie Reinigungswerkzeug. Sanitäranlagen, Spülen und Wäsche bergen ein mittelgroßes Risiko, Böden, Wände und Möbel nur ein geringes.

„Sinnerschen Kreis“ beachten

Beim Reinigen komme es auf die Dosis an: Im „sinnerschen Kreis“ – dem Zusammenspiel von Wasser, Temperatur, Chemie und Mechanik – könne die Stärkung eines Faktors Schwächen bei einer anderen Komponente ausgleichen. Beim Spülen dauere es bei 47 Grad Celsius eine Stunde um 99,9 Prozent der Bakterien abzutöten. Höhere Hitze beschleunigt ihr Ende, schmerzt aber an den Händen – Reichhart rät zur Spülmaschine. Mittel zum Wischen seien stark genug, Hitze sei unnötig und hinterlasse einem Schmierfilm.

Auch beim Waschen sei das Zusammenspiel der Faktoren zu beachten: Vollwaschmittel würden Haut- und Darmbakterien schon bei einer 15-minütigen Wäsche bei 20 Grad Celsius entfernen – Colorpulver erst bei 50 beziehungsweise 45 Grad. „Ganz schlimm sind Fußpilze, da wirken selbst Vollwaschmittel so schnell nicht“, erklärt Liane Reichhart. Bei einem 90-minütigem Waschgang werde es bei 20 Grad aber mit allen genannten Mikroben fertig, auch das Colorpulver wirke stärker.

Eine längere Wäsche bei niedriger Temperatur schone den Energieverbrauch. „Dann müssen Sie sich fragen, was Sie sparen wollen: Strom oder Zeit“, sagt Liane Reichhart. Die Entwicklung zu längeren und kälteren Wäschen schlage sich auch bei Waschmitteln und -maschinen nieder. Deren immer größere Trommeln würden aber oft nicht voll genutzt. Würde jeder Deutsche im Jahr nur einen Waschgang sparen, würde das laut Reichhart 24 Millionen Kilowattstunden Strom, knapp vier Millionen Kubikmeter Wasser und 5250 Tonnen Waschmittel sparen. (wf)

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