Fotograf Guido Karp stellt noch bis Donnerstag seine Bilder im Möbelkreis in Meineringhausen aus

Der von Robbie Williams und AC/DC

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Fotograf Guido Karp (rechts) führt durch seine Ausstellung, im Hintergrund ist ein Bild von Marie Fredriksson zu sehen. Auch Robbie Williams hat Karp schon auf der Bühne abgelichtet.

Korbach-Meineringhausen - Er ist einer der ganz Großen - und doch auf dem Teppich geblieben: Fotograf Guido Karp hatte schon viele Stars vor der Linse. Derzeit stellt er seine Bilder im Möbelkreis in Meineringhausen aus.

Freitagabend, 18 Uhr. Guido Karp begrüßt seine Gäste, jeden einzelnen mit Handschlag. Die ausgeschnittene Ankündigung zur Veranstaltung ist Eintrittskarte und der Schlüssel zur Verlosung am Ende des Abends zugleich. Zunächst sind es gut 20 Interessierte, die den Weg zur Ausstellung „Singvögel“ gefunden haben. Am Ende des Abends sind es mehr als doppelt so viele.

Alles begann im Möbelhaus

Aber warum stellt ein Fotograf, der Stars und Bands wie Take That, Robbie Williams oder AC/DC vor der Linse hatte, in einem Möbelhaus aus? „Als ich begonnen habe, hatte ich kein Geld für ein Studio. Also habe ich mir oft den Eingang zu Möbelhäusern erbettelt - da gibt es einfach so viele tolle Möglichkeiten zum fotografieren“, erklärt Karp seine Verbindung. Und heute geht er auf Tournee und macht an Stationen halt, die ihn an seine Geschichte erinnern.

Karp wollte seine Tour zunächst „Der von“ nennen. Schließlich war er immer ein Teil des jeweiligen Künstlers: der von Phil Collins, der von Sarah Connor, der von Rammstein. Letztendlich nannte er sie dann aber doch „Singvögel“. In zwei Jahren wird er 100 Ausstellungstage absolvieren. Der Abend in Meineringhausen ist die 30. Veranstaltung. Die Ausstellungs-Tour ist sein Geburtstagsgeschenk an sich.

Bilder sind Geschichten

Teilweise hat Guido Karp bis zu 250 Shows in einem Jahr fotografiert, fast mehr Zeit im Flugzeug als im Bett verbracht. Viele Künstler buchen ihn direkt für eine ganze Tournee, mit den Backstreet Boys war er sechs Jahre unterwegs. Bei so vielen Künstlern mit ihren kleinen Eigenheiten, Shows und Orten, die Karp gesehen und fotografiert hat, entstehen Geschichten, die nur das Leben schreiben kann.

Und so hat Karp zu jedem der ausgestellten Bilder eine persönliche Verbindung. Er sagt, er wolle keine Trophäen à la „Seht her, wen ich schon fotografiert habe“ ausstellen. Für ihn seien seine Bilder vor allem eines: Geschichten.

Und die teilt er mit den Besuchern von nah und fern, er plaudert auch mal aus dem sogenannten Nähkästchen. Wie er mit Robbie Williams immer als Erster in die Hotelzimmer gegangen ist, nachdem er ihm einmal die Starallüre durch einen einfachen sarkastischen Spruch ausgetrieben habe. Oder wie er bei einem Konzert mit den „sehr netten Jungs von AC/DC“ zu brennen begonnen hat, weil die Pyrotechniker nicht informiert wurden. Er hing in einem Käfig unter der Bühnendecke, als die Spezialeffekte zündeten. „Das Leben auf Tour ist abwechslungsreich, täglich passieren andere Dinge“, erinnert er sich lachend. „Aber merkt euch eins: Das Leben ist schön!“, rät er seinen Zuhörern.

Respekt vor den Menschen

Wenn er auf Tour ist, probiert Karp sich immer wieder aus, wechselt die Perspektive, das Objektiv. Manchmal steht er mitten in der Menge, zoomt ganz nah heran, macht eine Reihe von Bildern. Wenn das eine, perfekte dabei ist, hat sich die Arbeit schon mehr als gelohnt. „Ich möchte Momente aus dem Leben festhalten. Das ist womöglich manchmal die größte Herausforderung; das reale Geschehen, die Atmosphäre einfangen.“ Aber das mache eben auch die Begeisterung für den Beruf aus.

Da kam es auch mal vor, dass er Heiligabend nicht mit der Familie verbracht hat, sondern bei einem Konzert der Kelly Family. Mit den Besonderheiten des Berufs umzugehen könne auch manchmal eine Herausforderung sein.

Eine Anekdote kommt Karp sofort in den Kopf, während die Gruppe vor einem Bild von Phil Collins steht. Kurz nachdem er seine Frau kennengelernt hatte, nahm sie ein Gespräch für ihn entgegen - es war ein Anruf des Musikers. Sie wusste damals nicht um die freundschaftliche Verbindung zwischen den beiden Männern und legte schnell auf, als sich der Anrufer als Phil Collins vorstellte. Danach rief Karp „Phil, den Riesen-Typ“ lachend zurück.

Guido Karp sieht in den Stars und Sternchen auch den einfachen Menschen, der Respekt verdiene. Das sei ein ganz wichtiger Teil seiner Arbeit. „Auf der Bühne dreht sich alles um diesen winzigen Orbit: den Star.“

Plakat geschenkt

Am Ende der Führung verlost Karp eines seiner Exponate. Die Bilder sind in einer Auflage von jeweils fünf auf Leinwände gedruckt und mit insgesamt zehn Schichten Lack überzogen. Pro Quadratmeter berechnet Karp 3000 Euro. Eines davon darf sich die glückliche Gewinnerin nun aussuchen.

Die Ausstellung ist noch bis Donnerstag im Möbelkreis zu sehen. Wer sie mit diesem Artikel besucht, bekommt ein signiertes Plakat zur Ausstellung geschenkt.

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