Bündnis gegen Kinderlähmung ruft zu Polio-Impfung auf

Rotarier sammeln 2500 Euro

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Die „symbolische Schluckimpfung“ der Rotarier auf dem Mittelalterlichen Markt ermöglicht echte Schluckimpfungen gegen Kinderlähmung.Foto: pr

Korbach - Dienstag ist Welt-Polio-Tag. Ein von Rotariern, Unicef und WHO geführtes Bündnis strebt die Ausrottung der Krankheit bis 2018 an - ein ehrgeiziges Ziel, das nur durch konsequente weltweite Impfung erreichbar ist.

Am Welt-Polio-Tag wird weltweit für die Impfung gegen Kinderlähmung geworben, um die Krankheit zu besiegen - ein Anliegen, das auch der Rotary Club Korbach-Bad Arolsen teilt.

Zucker naschen, um in ärmsten Ländern zu helfen

Beim Mittelalterlichen Markt in der Hansestadt boten die Mitglieder eine „symbolische Schluckimpfung“ an: Zuckerwürfel, je nach Alter des „Geimpften“ mit Calvados oder Apfelsaft beträufelt. „Gekostet haben sie 50 Cent - den Preis einer Portion Impfstoff“, erklärt Club-Präsident Heinrich Göbel. Zusammen mit dem Verkauf von Curbecki-Talern sowie historischen Karten Waldecks und Hessens kamen so mehr als 2500 Euro für den in den ärmsten Ländern der Welt dringend benötigten Impfstoff zusammen. Göbels Landhotel, die Druckerei Sprenger, die Bäckerei Plücker, Automaten Schäfer und die Freilichtbühne Twiste förderten die Aktion. „Nur mit Unterstützung ist es möglich, das Geld vollständig weiterzugeben“, erklärt Heinrich Göbel.

Der Kampf gegen Polio ist bereits seit 1979 ein Anliegen von Rotary International: Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Kinderlähmung bis 2018 auszurotten. In der „Global Polio Eradication Initiative“ arbeitet die Serviceorganisation dabei mit der Weltgesundheitsorganisation WHO, Unicef und der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung zusammen. Impfteams, in denen Rotarier aus betroffenen Ländern direkt als Ärzte und Helfer tätig sind, verteilen auch in Krisengebieten Schluckimpfungen.

Appell gegen „Impfmüdigkeit“

Den Rotariern ist die Aufklärung über die Krankheit sehr wichtig, sie warnen vor „Impfmüdigkeit“. Gerade wo Krieg und Konflikte wüten, kommt die Krankheit wieder vor: In Syrien galt Polio 1999 als ausgerottet, wegen der im Bürgerkrieg nachlassenden Impfquote gab es 2013 35 Fälle. Im selben Jahr gab es einen sprunghaften Anstieg in Somalia: Wo es 2012 keine Fälle gab, erkrankten 174 Menschen.

In Deutschland kam es zuletzt 1990 zu einer Ansteckung. Die Impfrate von Schulanfängern ist inzwischen jedoch unter 95 Prozent gesunken. „Das Beispiel Syrien zeigt, dass die Polio bei nachlassenden Impfquoten auch in Ländern wieder auftreten kann, wo sie bereits ausgerottet war“, warnte Reinhard Burger, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) im vergangenen Jahr. Kinderlähmung könne durch internationale Reisen und Flucht wieder eingeschleppt werden. „Auch Erwachsene sollten ihre Impfung auffrischen lassen - vor allem, wenn sie ins Ausland reisen“, stellt Heinrich Göbel klar.

Auch wenn das Bündnis gegen Polio der Ausrottung der Krankheit schon näher war als heute, bleibt sein Ziel bestehen: „Wir wollen und dürfen nicht nachlassen“, sagt Heinrich Göbel.(wf/r)

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