Gemeindevertretung Diemelsee will keine neuen Windvorrangflächen

Ruhe in der Debatte um Windkraft?

Diemelsee - Das Thema Windkraft spaltet die Bürger der Gemeinde Diemelsee. Der Beschluss der Gemeindevertretung, keine neuen Windvorrangflächen auszuschreiben, bringt wohl vorerst Ruhe in die Debatte, bedeutet aber nicht das Ende der Diskussionen.

Die Gemeindevertretung hat sich am Freitagabend dem Vorschlag des Gemeindevorstandes sowie des Bau- und Landwirtschaftsausschusses angeschlossen: Es sollen keine neuen Windvorrangflächen in den Regionalplan Windenergie aufgenommen werden. Dieser Entschluss geht so nun an das Regierungspräsidium in Kassel. Konkret heißt das, dass vier Flächen, die im bisherigen Entwurf enthalten sind, nach Wunsch der Gemeinde im künftigen Plan nicht mehr auftauchen. Das sind die Flächen nördlich von Rhenegge, östlich von Adorf, östlich der Landesstraße 3297 in der Gemarkung Vasbeck sowie östlich von Wirmighausen in der Nähe des ehemaligen Militärgeländes (wir berichteten). Außerdem beschloss die Versammlung, keine Windenergieanlagen im Bereich der Grenzen des Naturparks Diemelsee zuzulassen. Wie sehr die Meinungen zu weiteren Windvorrangflächen in der Gemeinde auseinandergehen, zeigte die Abstimmung. Sowohl Dr. Beate Schultze (CDU) als auch Robert Erlemann (FWG) kündigten vorher an, dass aus ihren Fraktionen nicht mit einem einheitlichen Abstimmungsverhalten zu rechnen sei. Beim Thema Windkraft zeigt sich, dass auch die eigenen Interessen eine wichtige Rolle spielen. „Es gibt hier kein richtig und kein falsch“, sagte Dr. Beate Schultze. Robert Erlemann erklärte, er habe Verständnis für die Interessengemeinschaften, die sich für Windvorrangflächen einsetzen. „Aber ich habe kein Verständnis, wenn die Suchräume noch näher an die Orte heranrücken.“ Bei dem Gebiet östlich von Adorf seien dies weniger als die vorgeschriebenen 1000 Meter. Reinhold Kalhöfer-Köchling (FDP) zeigte kein Verständnis dafür, dass der Gemeindevorstand die Fläche östlich von Adorf aus dem Entwurf nehmen wolle. Schließlich hätten sich die Ortsbeiräte von Adorf und Wirmighausen für die Fläche zum Bau von Windrädern ausgesprochen. „Wenn ich die Windmühlen am Horizont sehe, dann weiß ich, hier wird günstige Energie produziert.“ Dies sei für die Zukunft wichtig. Bürgermeister Volker Becker wies darauf hin, dass die Entscheidung mit der Wirtschaftlichkeit zusammenhänge. So hätten einige Grundstücksbesitzer bereits Vorverträge mit Unternehmen abgeschlossen, die dort nach Möglichkeit Windkraftanlagen bauen wollen. „Wenn wir als Gemeinde Flächen ausweisen, dann wollen wir auch den maximal möglichen Ertrag in Diemelsee behalten“, so Becker. Dies sei nicht möglich, wenn auf einer Fläche mehrere Interessengruppen aufeinander stoßen würden. Während die SPD meist einheitlich abstimmte, gingen die Meinungen in den anderen Fraktionen auseinander. Letztendlich stimmten 16 bis 18 von 26 Parlamentariern – über jede Fläche wurde einzeln abgestimmt – für eine Streichung aus dem Regionalplan. Die Abstimmung beinhaltete auch eine Verkleinerung der bestehenden Windvorrangfläche auf der Vasbecker Höhe.Dass in Diemelsee keine weiteren Windräder auf neuen Flächen entstehen, ist noch nicht gesagt. Wie sich in der Sitzung zeigte, haben zum Beispiel Interessengemeinschaften aus Wirmighausen und Stormbruch ihre Vorschläge für mögliche Windvorrangflächen der Regionalversammlung zukommen lassen. Diese werden dann auch geprüft, im Spätsommer könnte der neue Entwurf des Regionalplans offengelegt werden. Dennoch hofft Becker, dass mit der Entscheidung ein wenig Ruhe in die Diskussion einkehrt.

Von Tobias Treude

Kommentare