Stadt Lichtenfels reagiert auf hohe Verbissschäden im Stadtwald · Kosten nicht tragbar

Runder Tisch gegen Wildverbiss

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Rehe sind Schmeckefüchse: Sie lieben junge Fichtenspitzen und verbeißen damit Neukulturen, die die Stadt Lichtenfels für viel Geld anlegen lässt. Rotwild hinterlässt zudem Schälschäden an den Bäumen.

Lichtenfels - Neukulturen im Lichtenfelser Stadtwald haben kaum eine Chance zu wachsen: Der Wildbestand ist zu hoch. Wie den Wildschäden Einhalt geboten werden kann, soll eine Arbeitsgruppe klären.

Nachdem Sturm Kyrill große Flächen im Lichtenfelser Stadtwald zerstört hat, müht sich die Kommune mit großem finanziellen Einsatz, die Schäden zu beheben. Sie lässt Neukulturen anpflanzen - die allerdings kaum eine Chance haben, ins Geld zu schießen, wenn sie nicht konsequent vor Verbiss geschützt werden. Doch das schluckt Finanzen, die an anderer Stelle für weitere Neuanpflanzungen fehlen.

„Allein 2014 gibt die Stadt 68 000 Euro für Verbissschutz in neuen Kulturen aus“, erinnerte Eckhard Schnatz, Vorsitzender der CDU-Fraktion, am Dienstagabend in der Sitzung der Lichtenfelser Stadtverordneten. „Die Situation ist nicht hinnehmbar“, hatten die Christdemokraten im Januar auch mit Blick auf die leeren Kassen der Stadt moniert und beantragt, vom Vöhler Forstamt ein Ranking darüber erstellen zu lassen, wo im Stadtwald die meisten Schäden auftreten, und damit die Verantwortlichen an einen Tisch zu zwingen.

Kleinere Jagdbezirke

Das Forstamt reagierte schnell. Forstamtsleiter Dr. Gero Hütte-von Essen ließ der Stadt eine Liste mit Vorschlägen zukommen, wie Wildschäden verringert werden könnten -Vorschläge, die etwa in Waldeck schon erfolgreich erprobt werden. Außerdem kam der Vorschlag, einen Arbeitskreis einzuberufen, dem neben dem Bürgermeister auch zwei fachlich versierte Mitglieder des Magistrats, drei Mitglieder des zuständigen Ausschusses, der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Lichtenfels, die Geschäftsführerin des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Kreisgruppe Waldeck-Frankenberg, sowie ein Vertreter von Hessen-Forst angehören sollten.

Die Vorschlagsliste des Forstamtes und der runde Tisch fanden einhellige Zustimmung unter den Stadtverordneten. Einstimmig beschlossen sie, den Arbeitskreis bis zum 1. Juni einzuberufen. Als Grundlage dient dem runden Tisch die Liste aus dem Forstamt.

Darin wird etwa vorgeschlagen, die Größe und Zuschnitte der Jagdbezirke zu verkleinern. „Je kleiner ein Jagdbezirk, desto effektiver wird gejagt“, heißt es in dem Papier. Die Größe gemeinschaftlicher Jagdbezirke ist in Hessen auf mindestens 250 Hektar festgelegt, die von Eigenjagdbezirken auf mindestens 75 Hektar.

Auch sollten vertragliche Regelungen im Jagdpachtvertrag geändert werden - so könnte der Jagdpächter an Schutzmaßnahmen gegen Wildschäden finanziell beteiligt werden, auch finanzielle Sanktionen seien denkbar, wenn der Pächter den Abschussplan nicht erfülle.

In der Wildhege sei es zudem sinnvoll, das Verbot der Fütterung zu kontrollieren und stattdessen die natürliche Lebensweise der Tiere zu unterstützen, indem geeignete Wiesen in Talauen entwickelt würden. Schließlich könnten außerdem die Abschusspläne erhöht werden. Am runden Tisch soll der Arbeitskreis nun darüber beraten, welche der Vorschläge wie in Lichtenfels umgesetzt werden können, um Schäl- und Verbissschäden durch Wild im Stadtwald deutlich zu verringern.

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