Vöhler Politiker und Initiativen beraten gemeinsam über gelebte „Willkommenskultur“

Runder Tisch nimmt Flüchtlinge in den Blick

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ARCHIV - Mädchenaus Mali stehen am 04.07.2012 in einem Lager für Flüchtlinge aus Mali in Dori, Burkina Faso, an einem Wassertankwagen. Das ehemals demokratische Vorzeigeland Westafrikas, Mali, versinkt mittlerweile im Chaos. Foto: Helmut Fohringer/apa/dpa (zu dpa „Zu viele Köche in Mali - Wo bleibt die Hilfe für den Wüstenstaat?“ vom 11.01.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Vöhl - Sieben Asylbewerber leben in Vöhl. In den nächsten Monaten könnten um die 50 Menschen auf der Flucht hinzukommen. Deswegen lud Vöhls Bürgermeister Matthias Stappert Vertreter aus Politik, Kirche und Vereinen zum runden Tisch ein.

Immer mal wieder klingelte im vergangenen Jahr am Freitagnachmittag im Vöhler Rathaus das Telefon: Für den kommenden Mittwoch kündigte der Landkreis die Ankunft von Flüchtlingen in der Großgemeinde an. „Sehr kurzfristig, um Wohnmöglichkeiten zu finden“, befindet Bürgermeister Matthias Stappert, betont aber, dass die Verantwortung dafür nicht beim Landkreis liege. Alle Asylbewerber kamen bisher in Dorfitter unter.

„Die Menschen kommen ohne Deutschkenntnisse, ohne Wissen um Einkaufsmöglichkeiten oder ärztliche Versorgung zu uns“, erklärte Stappert, „und werden weitestgehend sich selbst überlassen.“ Das wollen die Vöhler nun ändern: Und deswegen hatten der Bürgermeister und Karl-Heinz Stadtler als Vorsitzender der Gemeindevertretung zum runden Tisch für Flüchtlingsfragen eingeladen. Neben Vöhler Kommunalpolitikern - unter ihnen fast alle Ortsvorsteher - waren die Schulleiter von Edersee- und Henkelschule, mehrere Pfarrer und andere Kirchenvertreter sowie Vereinsvorsitzende gekommen. Für die ebenfalls eingeladene Stadt Lichtenfels war Stadtrat Karl-Hendrik Oppermann mit dabei. Auch Fachleute des Landkreises kamen zur Veranstaltung.

„Ziel des Treffens ist es, eine Begrüßungs- und Aufnahmekultur zu entwickeln, die den Menschen, die ohne Gepäck aus Ländern in Krieg und Not kommen, ihr Leben erleichtert“, erklärte der Bürgermeister. Es solle heute darum gehen, bei der Suche nach Wohnungen zu helfen und erste Betreuungsmöglichkeiten zu schaffen.

Axel Großmann, Ortsvorsteher in Dorfitter, kritisierte, dass Hilfe für die Menschen, die den neuen Mitbewohnern bei der Integration helfen wollen, fehle. Er habe sich zunächst allein gefühlt und sich eine Liste mit Tipps und Ratschlägen gewünscht. Dieser Bitte schloss sich die Versammlung an: Der Fachdienst Soziale Angelegenheiten wird gebeten, eine solche Liste häufig gestellter Fragen mit den Antworten zu entwickeln und Ortsvorstehern und anderen Ansprechpartnern zur Verfügung zu stellen.

Stappert wies außerdem auf die Wohnraumproblematik hin. Die in Gemeindebesitz befindlichen Wohnungen seien vermietet und stünden daher nicht zur Verfügung. Er bat die Ortsvorsteher, Ansprechpartner vor Ort zu sein. Sie sollen von sich aus die Eigentümer von Wohnungen oder Häusern ansprechen, die aus ihrer Sicht geeignet seien. Umgekehrt könnten Eigentümer, die sich über die Konditionen der Vermietung erkundigen wollen, sich entweder an die Ortsvorsteher oder direkt an die Gemeindeverwaltung wenden. Als Mieter würden in solchen Fällen nicht die Flüchtlinge selbst, die ja möglicherweise nur kurze Zeit hier seien, sondern Gemeinde oder Landkreis einstehen, die auch unter Umständen an einem längeren Vertrag interessiert seien.

Die Gemeinde hat außerdem damit begonnen, Möbel und Geschirr für Flüchtlinge anzunehmen und zu lagern. Die Ortsvorsteher wurden gebeten, in ihrem Dorf nach Lagermöglichkeiten zu suchen, so dass die Neubürger sich rasch mit dem versorgen können, was sie brauchen. Bürger, die solche Lagermöglichkeiten anbieten können oder Möbel und Geschirr zur Verfügung stellen wollen, können sich an ihre Ortsvorsteher wenden.

Gesucht werden auch Integrationslotsen: Wer sich vorstellen kann, Flüchtlingen als erste Anlauf- und Kontaktstelle zu dienen, kann sich an seinen Ortsvorsteher werden. Unterstützung für diesen Einsatz gebe es aus dem Kreishaus.

Einig waren sich alle Anwesenden darüber, dass Flüchtlinge, die aus Kriegsgebieten kommen, dass Menschen, die in ihrem Herkunftsland nicht wissen, wie sie ihre Kinder versorgen können, freundlich aufgenommen werden müssen. (r/resa)

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