Robert Focken verlegt seinen historischen Roman in die Gegend von Eder und Diemel

Die Sachsen und die „Axt der Hessen“

Korbach - In seinem ersten Roman lässt Robert Focken die Zeit der Sachsenkriege lebendig werden, seine Helden führt er auch zu Schauplätzen in Waldeck-Frankenberg.

„Die Sonne stand tief über dem Horizont, als das Frankenheer endlich den sächsischen Edelhof Curbeki erreichte“, schreibt Robert Focken. Juli 772 an der Kuhbach. König Karl hat seinen Krieg zur Unterwerfung der Sachsen begonnen. Über die wichtige Straße von Köln und Frankfurt sind die Franken und ihre Verbündeten nach Norden gezogen. Gepanzerte Reiter, Fußsoldaten, die schweren Ochsenkarren mit Zelten und Proviant. 25 bis 30 Kilometer schaffen sie am Tag.

Von der Amöneburg sind sie über Mariburg an der Logana und Frankenberg an der Adrana über die Grenze marschiert. Der Edelhof, die Keimzelle der heutigen Hansestadt Korbach, liegt am Ende einer Tagesetappe. „Die Bewohner Curbekis aber hatten sich längst mit ihrer beweglichen Habe und allen Vorräten in Sicherheit gebracht“, schreibt Focken. Ziel der Franken ist die Eresburg, das heutige Ober-Marsberg. Vor den Toren der alten sächsischen Feste soll es die erste große Schlacht des Feldzuges geben. Und der Krieger Arnulf, „die Axt der Hessen“, steckt mittendrin...

Zurück ins frühe Mittelalter

Arnulf ist der Titelheld des historischen Romans von Robert Focken, das Buch erscheint am 2. März. Der Autor will seine Leser mit seinem Erstlingswerk ins frühe Mittelalter entführen, in die Zeit, als die Franken ein Reich von der Atlantikküste bis zur Elbe errichteten. Es war eine Zeit der Umbrüche. Nach den Völkerwanderungen der Spätantike bildeten sich neue Staaten aus, das Christentum breitete sich aus - auch die Sachsen wurden im Zuge von Karls blutigen Kriegen missioniert.

Es ist eine Ära der Armut, des Elends und Schmutzes, der Gewalt und der Strapazen. Doch auf der anderen Seite bemüht sich der Königshof um Gelehrtheit, mit der „karolingischen Renaissance“ will der Frankenkönig antikes Wissen bewahren und römische Rechtskultur aufrechterhalten. Karl lässt sich Latein und das Lesen und Schreiben beibringen. Für die mittelalterliche Geschichtsschreibung geht das Reich der Römer mit der Kaiserkrönung Karls zu Weihnachten 800 in Rom auf die Germanen über. Auch das trägt dazu bei, dass Karl als Herrschergestalt erhöht wird.

Zwei Erzählperspektiven

Die Leser des Romans werden in beide Welten geführt, dafür wechselt Focken zwischen zwei Erzählperspektiven. Er setzt der einfachen Welt des erfundenen Kriegers Arnulf die geistvolle Welt des Hofes gegenüber, dafür macht er den Gelehrten Einhard zur zweiten Hauptfigur - der historisch fassbare Einhard war 794 als Mönch aus Fulda an Karls Hof gekommen, um sich weiterzubilden. Er wurde Leiter der Hofschule. Seine Biographie über den bekannten Kaiser mit dem Beinamen „der Große“ ist mit die wichtigste zeitgenössische Quelle.

Das Buch setzt 752 in Frideslar ein - der Domstadt Fritzlar. Dort wird der Titelheld Arnulf geboren. Die Haupthandlung ereignet sich jedoch 772 - in dem Jahr begann Karl seine Kriegszüge zur Eroberung Sachsens. Der Titelheld Arnulf muss wegen eines Brautstreits aus seiner Heimatstadt fliehen, durch eine Prügelei im Wirtshaus gerät er wider Willen in Karls Heer, das gegen die Sachsen auszieht. Er rettet den König in einer Schlacht und steigt zum Kommandeur der Leibgarde auf. Arnulf sei „ein Graswurzeltyp“, der seine Probleme mit Faust oder Schwert zu lösen gewohnt sei, beschreibt Focken.

Die Figur des Einhard hat Focken als Gegenpart entworfen. Er begegnet Karl auf Augenhöhe und hat dank seines Wissens einen Blick „von oben“, der Gelehrte führt als Berater des Königs Diskussionen über Strategien oder die Missionierung der Sachsen, die noch dem alten Glauben an die germanische Götterwelt anhängen.

Gesellschaftliche Aufsteiger

Beide Figuren sind gesellschaftliche Aufsteiger: Arnulf bringt es vom armen Freien zum Königsoffizier, Einhard vom Mönch zum gelehrten Ratgeber und Diskussionspartner des Regenten. Beide müssen sich bemühen, ihre „Ahta“ zu erhalten - ihre „Achtung“ oder ihren Status. Und beide Figuren haben ihre Schwächen. Bei Einhard sei es der Ehrgeiz, beschreibt Flocken. Und Arnulf drohe die Liebe zur Adeligen Erika zum Verhängnis zu werden.

Der Autor nimmt sich „dichterische Freiheiten“ heraus. So verlegt er die Lebensdaten Einhards um zwei Jahrzehnte nach vorn, um ihn zu Karls Ratgeber werden zu lassen - der reale Einhard hat Karls Sohn Ludwig beraten. Im Buch überlässt Karl seinem getreuen Einhard den Königshof an der Kuhbach. Focken beschreibt auch „Curbeki“, das vermutlich aus hölzernen Gebäuden bestand. Da archäologische Befunde fehlen, lässt er seine Fantasie spielen.

Er stellt weitere Bezüge zur Gegend an Eder und Diemel her. Am Fuße der Burg Frankenberg lässt es Focken zu einem ersten Zusammentreffen Karls mit dem Sachsenherzog Widukind kommen. Er beschreibt eine „steinerne Burg“ - die für diese Zeit keineswegs gesichert ist.

Bad Arolsen führt er auf das fiktive Dorf Aroldis zurück, belegt ist nur das etwa 350 Jahre später gegründete Kloster Aroldessen. Er verlegt zudem eine nicht ganz freiwillige Massentaufe an die Diemel. Das alles findet sich nicht in den ohnehin eher spärlichen Quellen - aber es hätte ja sein können.

Focken will das pralle Leben schildern, schließlich besteht Geschichte nicht aus Zahlen und trockenen Akten: Menschen haben sie geschrieben, sie haben ihr Leben gelebt, sie haben gehasst und geliebt, gestritten und einander beigestanden. Und: „Ich will Spaß an der eigenen Geschichte und der Heimat vermitteln“, betont er.

„Echte Typen“ schildern

Er strebe „so viel historische Genauigkeit wie möglich“ an, aber sie dürfe nicht „die Spannungskurve beeinträchtigen“, erklärt er. Focken will lebendige Figuren schaffen, „echte Typen, in denen sich die Menschen wiederfinden“. Seinen Karl legt er etwa als großen „Motivierer“ an, als durchsetzungsstarken „Alpha-Mann“, als Manager, der dafür zu sorgen habe, „dass alles funktioniert“. Als weibliche Hauptfigur erfindet Focken Erika, eine Halbschwester des Sachsenherzogs Widukind, die als Geisel an Karls Hof kommt und den Titelhelden Arnulf in erotische Verstrickungen führt.

Viele Monate hat es gedauert, bis das Buch fertig war. „Es ist lange gereift“, sagt Focken. Sein Vorbild ist der britische Schriftsteller Bernard Cornwell, der auch eine erfolgreiche fünfteilige Buchreihe über die britische Geschichte des 9. Jahrhunderts geschrieben hat.

Focken las zahlreiche Bücher über die Zeit. „So entstehen Bilder im Kopf“, die er beschreiben will. Und da er gern Fahrrad fährt, hat er die Gegenden erkundet, in denen sich die Sachsenkriege ereignet haben.

So suchte er mit seiner infanteristischen Schulung bei der Bundeswehr das mögliche Gelände für eine Schlacht um die Eresburg - eine fränkische Belagerung der sächsischen Bergfestung hält er für wenig wahrscheinlich. Und das bedeutende germanische Heiligtum der Irminsul würde er in der Gegend um Scherfede verorten - die historischen Quellen wie die Reichsannalen schweigen sich über den genauen Standort aus.

Der Band endet im Jahr 772. Karls Kriege gegen die Sachsen dauerten bis 804. Das heißt: Fortsetzung folgt. Focken plant auch Lesungen im Kreis, Termine stehen aber noch nicht fest.

Robert Focken, Arnulf. Die Axt der Hessen, ein historischer Roman, 375 Seiten, Abacus-Verlag, Hamburg 2015, ISBN: 978-3-86282-340-6, Preis: 12,90 Euro.

Zur Person

Robert Focken wurde 1963 in Höxter in Ostwestfalen geboren. Er wuchs in Holzminden an der Weser auf. Schon früh interessierte er sich für Geschichte, besonders für die Kriegszüge des Frankenkönigs Karl gegen die Sachsen. Nach dem Abitur diente er von 1884 bis 1988 bei der Bundeswehr – heute ist der Infanterist Leutnant der Reserve. Während seiner Dienstzeit begann er, für Lokalzeitungen zu schreiben. Ein Volontariat bei der „Frankfurter Allgemeinen“ schloss sich an. Längere Reisen führten ihn nach Afrika und Asien. Von 1990 bis 1994 studierte er mittelalterliche und neue Geschichte an der Bonner Universität. Bei der Dresdener Bank wurde er Redakteur für die Wertpapier-Analyse. Dann wechselte er in den Finanzvertrieb. Seit 1996 ist er Verkaufsleiter bei der Hamburger Vermögensberatung Proaktiva. Er lebt mit seiner Familie im Vordertaunus.

Von Dr. Karl Schilling

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