750 Jahre Stadtrechte Sachsenberg: Auch Stiftendrescher und Flügelmäher kommen zum Einsatz

Samstag beginnt historisches Dreschefest

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Ludwig Artzt bedient einen Stiftendrescher, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Ernte mechanisierte. Die Maschine ist heute beim Dreschefest zu bewundern.

Lichtenfels - Sachsenberg - Lenker geradeaus, Bremsen los, Gaspedal treten: Am Samstag um 12 Uhr zieht ein großer Festzug durch Sachsenberg hoch zum Gries, wo das Dreschefest am Nachmittag ein Glanzpunkt des Sachsenberger Festwochenendes ist.

Seit Wochen haben die Oberlenker sich auf den heutigen Tag vorbereitet: Die rund zwei Dutzend Mitglieder des Sachsenberger Freundeskreises für historische und moderne Landtechnik haben das Dreschefest, das heute um 13 Uhr auf dem Reiterhof Mees beginnt, von A bis Z organisiert. Am Freitag mobilisierten sie noch mal alle Kräfte, um sämtliche Maschinen in Position zu bringen, die dem Publikum am Samstag vorgestellt werden sollen. Gezeigt werden im Laufe des Nachmittags die unterschiedlichen Erntetechniken - und die verschiedenen Geräte und Maschinen, die den Menschen die Arbeit auf dem Felde einst erleichtern sollten.

Das Dreschefest bietet die seltene Gelegenheit, eine Stiftenmaschine aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu sehen: Sie stellt die erste Technisierung nach dem Flegeldrusch dar, erklären die Oberlenker: Das Getreidegebund wurde mit den Ähren voraus in die mit Stiften besetzte Dreschtrommel eingeschoben, um das Getreide auszudreschen, erklären sie; das Stroh blieb unbeschädigt und das ausgedroschene Getreide wurde anschließend mit der Windfege gereinigt. Betrieben wurde die Maschine entweder von Menschenhand oder mit einem Göpel, auch Rossmühle genannt - da erzielten Pferde oder Kühe die Antriebskraft. Der historische Stiftendrescher befindet sich neu im Besitz der Oberlenker; sie haben ihn gemeinsam aufgearbeitet und zeigen ihn heute erstmals vor großem Publikum.

Ebenfalls eine Besonderheit, die sich früher nur große landwirtschaftliche Betriebe oder mehrere Bauern zusammen leisten konnten, ist der Flügelmäher, der Samstagnachmittag zum Einsatz kommt. Mit den von Pferden gezogenen Flügelmähern wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts die Ablage des Getreides mechanisiert, erklären die Oberlenker Walter Heinemann und Ludwig Artzt: Hinter dem Mähwerk ist eine Platte angebracht, über den große Flügel mit Zinken das gemähte Stroh so weit hinter die Maschine bringen, dass die Bahn frei wird und sofort weitergemäht werden kann. Die Helfer nahmen das Korn dann mit der Handsichel auf und banden es.

Nachfolger des Flügelmähers war der Binder, der das Getreide sogar mechanisch binden konnte - und auch der ist am Samstagim Einsatz. (md)

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