Breite Mehrheit in Korbach gegen Pläne des Regierungspräsidiums

Schlagabtausch um Windkraft

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Vor allem Bewohner aus den Korbacher Ortsteilen verfolgten die Windkraftdebatte im Parlament mit Spannung.Foto: Kleine

Korbach - Die Hansestadt lehnt die Pläne des Landes für neue Windkraftstandorte weitgehend ab. Zustimmung findet im Korbacher Parlament nur eine Fläche in der „Marke“ zwischen Strothe und Ober-Waroldern.

Bis Ende Mai muss die Stadt Korbach eine Stellungnahme ans Regierungspräsidium (RP) nach Kassel schicken. Die staatliche Behörde soll Vorgaben der Landesregierung umsetzen, um Vorrangflächen für Windkraft festzulegen. Dazu ist eine Änderung des „Teilregionalplans Energie“ erforderlich (wir berichteten).

Im Korbacher Stadtgebiet gibt es bislang nur zwei Windmühlen auf der Helmscheider Höhe. Im RP-Entwurf sind aber fünf neue Standorte mit Raum für mehr als 20 Windmühlen vorgesehen - auf Waldflächen.

In der Stellungnahme lehnt die Stadt vier der fünf potenziellen Vorrangflächen ab. Dabei verweisen die Planer im Bauamt auf seltene Vogelarten wie Schwarzstorch und Rotmilan, massive Eingriffe ins Landschaftsbild, aber auch das Radar des Deutschen Wetterdiensts in Flechtdorf. Solange das Radar stehe, seien die RP-Pläne kaum umzusetzen.

In den Beratungen der Ausschüsse vorige Woche beharkten sich die Fraktionen bereits kräftig. Ähnliche Argumente kamen am Dienstagabend bei der abschließenden Entscheidung im Parlament auf den Tisch.

Massiver Widerstand aus betroffenen Ortsteilen

Michael Köhler (FWG), Henrik Ludwig (SPD), Heinz Merl (CDU) und Arno Wiegand (FDP) unterstützten die kritische Stellungnahme der Stadt. Damit ernteten sie auch Beifall der rund 60 Besucher, die die Debatte im Rathaus verfolgten. Vor allem in den Korbacher Ortsteilen stoßen die RP-Pläne auf Widerstand.

Daniel May (Grüne) und Beate Mehrhoff (Fraktion „Pro Korbach“) wiesen die Stellungnahme der Stadt zurück. Eine große Mehrheit der Bundesbürger befürworte die Energiewende, unterstrich May. In der Konsequenz dürften auch Windkraftstandorte in Wäldern keine Tabuzonen bleiben. Beate Mehrhoff erinnerte zudem daran, dass die SPD in Korbach noch 2013 gemeinsam mit den Grünen die Prüfung neuer Windkraftflächen gefordert habe.

SPD-Fraktionschef Henrik Ludwig betonte hingegen, dass die vom RP geplanten Vorrangflächen im konkreten Genehmigungsverfahren ohnehin „vom Gericht wieder kassiert werden“. Merl, Andreas Ruppert, Carola Krebs (CDU), Wiegand (FDP) und FWG-Fraktionschef Kai Schumacher warfen den Grünen und „Pro Korbach“ überdies vor, Ängste und Kritik der Menschen in den Ortsteilen unter den Tisch kehren zu wollen.

Die Stadt hatte bewusst Stellungnahmen aus den Ortsteilen ins Papier ans Regierungspräsidium aufgenommen.

Doris Jauer („Pro Korbach“) drehte derweil den Spieß herum: Wenn die Stadt Meinungen der Bürger so vehement unterstütze, dann aber künftig ebenso Initiativen auf ganz anderen Feldern. So kündigte Jauer an, auch Unterschriften von Befürwortern der Windkraftflächen zu sammeln.

Von Jörg Kleine

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