Kriegerverein wurde 1896 in Münden gegründet - letzter öffentlicher Auftritt 1938

Schmiedelager birgt alte Kriegerfahne

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Der Fund der alten Fahne lässt Mündener erforschen, was es mit dem Kriegerverein auf sich hatte: (v.l.) Ortsvorsteherin Angela Scheuermann, Thomas Vesper, Vorsitzender des Schützenvereins, Finder Marco Kuhnhenn, Peter Iske mit historischer Mütze des Krieg

Lichtenfels-Münden - Die Jahre sind ihr anzusehen - umso mehr Aufmerksamkeit wird ihr geschenkt: In Münden wurde bei Aufräumarbeiten eine Fahne des Kriegervereins gefunden, den es längst nicht mehr gibt.

Als Marco Kuhnhenn unlängst das Schmiedelager Grebe aufräumte, machte er eine Entdeckung, die ihn zurück in die Geschichte seines Dorfes führt: Er fand die Fahne des Kriegervereins, der seit 74 Jahren nicht mehr besteht. Auf ihr vermerkt sind die Jahreszahl 1902 und der Spruch: „Das Reich errungen mit dem Schwert. Im Frieden haltet‘s hoch und werth!“

Die Zeit hat an der Fahne genagt: Der Stoff ist teils brüchig, an manchen Stellen auch löchrig, doch die Stickerei ist noch gut erhalten. „Die Fahne ist wohl bei uns geblieben, weil mein Opa, Schmiedemeister Friedrich Grebe, der letzte Vorsitzende des Vereins wahr“, schätzt Herbert Grebe, der sogleich versucht hat, mehr über die Fahne und den Kriegerverein in Erfahrung zu bringen. Er durchforstete Bücher und Vereinshefte, suchte vor allem aber Gespräche mit älteren Bürgern aus Münden.

Am Samstagnachmittag trafen sie sich bei Grebes in Garten, um ihr Wissen über den Verein zusammenzutragen. Friedrich Brand, Heimathistoriker und einer der ältesten Bürger Mündens, zitierte aus der alten Schulchronik, in der Lehrer Georg Heinrich Brand auch über den Kriegerverein und die Fahne berichtete: Im Sommer 1902 erwähnt er, dass „unter zahlreicher Beteiligung der umliegenden Gemeinden ein Kriegerfest verbunden mit einer Fahnenweihe gefeiert“ worden sei. „Die Fahne kostete über 300 Mark“ - ähnlich ist es auch in dem Buch „Münden zwischen Orke und Aar“ nachzulesen. Im Sommer 1906 schreibt der Lehrer: „Der Kriegerverein feiert sein zehnjähriges Stiftungsfest“ - und damit ist klar, dass sich die Gruppierung 1896 gegründet hatte. In der Chronik erwähnt der Lehrer schließlich auch, dass 1910 ein Kriegerfest und 1911 ein Schützenfest gefeiert wurde. „Leider rivalisierten die Vereine, so dass sich der Lehrer, der außerdem Friedensrichter im Dorf war, aus beiden Vereinen zurück zog“, erklärt Friedrich Brand.

„Im Kriegerverein durfte nur Mitglied werden, wer gedient hatte oder aktiver Soldat war,“ erklären Peter Iske und Ortsvorsteherin Angela Scheuermann. In den Schützenverein, der 1907 gegründet wurde, durfte hingegen jeder Mann eintreten, weiß Thomas Vesper, der dem Schützenverein in Münden vorsteht. „Nach 1870/71 wurden viele Kriegervereine ins Leben gerufen, um Hinterbliebene oder Versehrte zu unterstützen, aber auch, um das Militärische hochzuhalten,“ weiß zudem Fritz Vesper: Der Kriegerverein hatte schicke Uniformen, blaue Hosen mit einem roten Streifen, und strenge Regeln.“ Auch die Mützen waren blau, bewies am Samstag Thomas Schmidt, der noch eine Uniform-Mütze seines Urgroßvaters Wilhelm Brand besitzt.

Aus der Chronik des Schützenvereins ist zu ersehen, dass der Kriegerverein vermutlich 1938 seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte, letzter Vorsitzender war Friedrich Grebe. Als sein Sohn 1980 die alte Schmiede aufräumte, bevor sie abgerissen wurde, fiel ihm die Fahne in die Hände und er gab ihr offensichtlich im neuen Schmiedelager einen Platz, den niemand entdeckte - bis sie vor kurzem wieder ans Tageslicht kam.

Wie die Dorfgemeinschaft mit der Fahne verfahren will, ist noch nicht klar - eine Restaurierung kostet bis zu 7000 Euro, erklärt Angela Scheuermann. So wird sie zunächst geschützt aufbewahrt, bis sich ein geeigneter Platz für sie findet.

Wer mehr über den Kriegerverein weiß, kann sich gern an Ortsvorsteherin Scheuermann wenden, Telefon 06454-1658.

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