Marburger Amtsgericht verurteilt Mann zu einer Bewährungsstrafe

Schmugglerbande vertreibt Zigaretten

- Marburg/Korbach (sk). Von einem Lager in Korbach aus hatte eine Schmugglerbande 2008 und 2009 Zigaretten gehandelt. Es entstand ein Schaden von mehr als 87 000 Euro. In Marburg wurde am Mittwoch einer der Männer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Wegen Steuerhehlerei verurteilte das Marburger Amtsgericht einen 57-Jährigen zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Der Angeklagte wurde in sechs von sieben Punkten für schuldig befunden. In der dreijährigen Bewährungszeit soll er eine Schadenswiedergutmachung „nach besten Kräften“ ableisten, erklärte Richterin Ina-Nadine Bernshausen. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung und eine Strafzahlung gefordert.

Der in Aachen lebende 57-jährige Vater von drei Kindern soll ab Sommer 2008 bis zum Frühjahr 2009 mit unversteuerten Zigaretten Handel betrieben haben. Dabei habe er die Ware transportiert und Kontakte zu Abnehmern hergestellt, warf ihm die Staatsanwaltschaft vor. Es entstand ein Steuerschaden von mehr als 87 000 Euro. Der Aachener war Teil einer mehrköpfigen Schmugglerbande, die im Jahre 2008 in Korbach ein Lager hatte. Dort wurden regelmäßig Transporter be- und entladen, um mit den Zigaretten zu handeln. Zu einem späteren Zeitpunkt gab es weitere Lager in Gießen und Alzenau in Bayern.

Die Kasseler Zollfahndung soll Gespräche abgehört haben, in die der Angeklagte involviert war. Bei den Gesprächen ging es um Übergaben, Preise und Mengen von Zigaretten. Zudem belastete ihn ein schon vorher verurteilter Mittäter. Gehandelt wurde mit der osteuropäischen Zigarettenmarke „Jin Ling“, die von der baltischen Tabakindustrie hergestellt wird. In der Europäischen Union ist diese Marke lediglich auf dem Schwarzmarkt zu erwerben.

„Die Rolle des Angeklagten ging aber wohl nicht über die eines Helfers hinaus“, befand die Richterin und ließ sich auf die Strafe zur Bewährung ein. „Dieser Handel hat meine Familie kaputt gemacht“, erklärte der arbeitslose Kraftfahrer auf der Verteidigungsbank, „nun will ich einen Neuanfang.“ Er bedaure seine Taten sehr. Die Mittäter kommen aus dem engeren Umfeld des Angeklagten, mit denen er zum Teil schon seine Kindheit in Kasachstan verbracht habe. Durch ihr persönliches Verhältnis sei er in die kriminellen Geschäfte hineingeraten, erklärte der Familienvater.

Bei der Urteilsverkündung in Marburg wurde dem Angeklagten schließlich zugute gehalten, dass er zu Beginn der Verhandlung zu einem Teilgeständnis bereit gewesen sei. Weil er außerdem keine Vorstrafen hat und ihm während des Prozesses lediglich eine Mittäterschaft nachgewiesen werden konnte, muss der Aachener nicht ins Gefängnis.

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