Korbach

Schnadezug nach alter Sitte

- Korbach. Beim Schnadezug lieferte sich die Korbacher Schützengilde 1377 mit der Berndorfer Schützengesellschaft ein munteres „Gefecht“. Da konnte auch der Regen die gute Laune nicht verderben.

In Strömen goss es vom Himmel, als wolle der liebe Gott den Edersee und den Diemelsee mit einer Welle neu befüllen. Dann fiel den Korbacher Schützenbrüdern auch noch zwischendurch ein Traktor mangels Sprit aus. Doch mutig kämpfte sich eine Schar von rund 120 Korbachern bis nach Berndorf durch. Vom Streitplatz auf der Helmscheider Höhe, wo mutige Korbacher im Jahre 1413 einen legendären Sieg gegen die Padberger feierten, ging es am Morgen zu Fuß und mit Wagen hinab nach Berndorf und weiter zur Verlobungshütte in der Marke. Es war eine von insgesamt sechs Etappen entlang der früheren Hutegrenzen, die ehedem die Weidegrenzen der Korbacher markierten. Die Schnadezüge, im Turnus von drei Jahren, führen somit teils mitten durch heutige benachbarte Gemarkungen – beispielsweise Berndorf. Doch dort sahen sich die Korbacher wahrhaft tapferen und listigen Verteidigern gegenüber. So flammte mittags Kanonendonner auf vor „Luchten Haus“ (Graf), wo die Berndorfer Barrieren aufgebaut hatten. Der Korbacher Schnadekundige Heinz Merl als Anführer und der Berndorfer Chef der Schnadekommission, Manfred Brandner, lieferten sich ein munteres Rededuell. Vier Wochen sollten Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich und Schützenkönig Uwe Neubert das Berndorfer Ortsschild täglich wienern. Schließlich einigten sich die Streithähne auf 50 Liter Bier. Denn die Berndorfer sahen drohende Gefahr, dass bald „Korbach“ auf ihrem Ortsschild prangt. Nachdem Korbachs Pioniere mit der Axt einen Baumstamm als Barriere beseitigt hatten, feierten Berndorfer und Korbacher im Hof bei deftigem Mittagessen ihre Freundschaft. Von Jörg Kleine

Mehr in der WLZ-Zeitungsausgabe vom 15. August 2011.

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