Lina Gross berichtete im Bürgerhaus über die Kampagne „Make chocolate fair“ · Unterschriften sammeln

Schnucken mit einem guten Gewissen

Felix, Jannik, Laura-Marie und Laura von der Fair-Trade-AG der Alten Landesschule überreichen einen Stapel Unterschriften an Referentin Lina Gross.Foto: Demski

Korbach - Den einen schmeckt‘s, die anderen schuften: Über die Arbeitsbedingungen auf Kakaoplantagen und die Kampagne „Make chocolate fair“ infor-mierte auf Einladung der Fair-Trade-Steuerungsgruppe am Montagabend Lina Gross aus Berlin.

„Heute Abend geht es nicht um Zartbitterschokolade“, schickte Franz Harbecke vorneweg. Schließlich lautete das Thema des Abends „Die dunkle Seite der Schokolade“. Bitter wurde es dann allerdings doch, denn Referentin Lina Gross bot den Zuhörern Ein-blick in Ausbeutung und Skla-verei in der Kakaoproduktion.

Aufmerksam war die Fair-Trade-Steuerungsgruppe in Kor-bach auf die Berlinerin geworden, weil sie den deutschen Zweig der Kampagne „Make chocolate fair“ betreut. Als Mitarbeiterin der Initiative „inkota“ in Berlin gehört sie damit zu Vertretern aus 16 euro-päischen Ländern, die sich im Rahmen der Kampagne für „eine gerechtere Gestaltung der Globalisierung“ einsetzt.

„Die Hälfte des Kakaos, der in Deutschland zu Schokolade verarbeitet wird, kommt von der Elfenbeinküste“, erklärte die Referentin (siehe Grafik). Die Bedingungen, unter denen die vielen Kleinbauern dort arbeiten würden, seien katastrophal. „Sie können ihre Kinder nicht zur Schule schicken, weil sie auf den Plantagen gebraucht werden“, erklärt Lina Gross. Zwei Millionen Kinder arbeiten weltweit auf Kakaoplantagen - viele von ihnen seien Kindersklaven, die aus benachbarten Ländern gekauft würden. Die Arbeit ist schwer, das Leben ist hart. „Allerdings ist Kinderarbeit nur ein Symptom, für Armut und Hunger“, befand die Referentin.

Und die Ursache? „Von dem großen Umsatz, den die Schokoladenhersteller machen, kommt bei den Bauern nicht genug an“, erklärt Lina Gross. Drei Millionen Tonnen Schokolade verdrücken die Menschen weltweit jedes Jahr, jeder Deutsche isst durchschnittlich 100 Tafeln in dieser Zeit. 80 Milliarden Euro Umsatz werden jedes Jahr mit Schokolade gemacht - sechs Prozent kommen dabei bei den 45 Millionen Kakaobauern weltweit an, 70 Prozent bleiben bei den Schokoherstellern. Vier dieser Unternehmen haben mehr als 50 Prozent des Marktanteils. „Wenige profitieren, viele werden ausgebeutet“, fasste Lina Gross zusammen.

Weil die Bauern kein Geld haben, in ihre Pflanzen zu investieren, die Landwirtschaft nicht nachhaltig betrieben wird und immer mehr junge Bauern aus dem Geschäft aus-steigen, droht bis 2020 ein Kakaomangel. „Dann wird die Nachfrage größer sein als das Angebot“, sagt Lina Gross. Auch deswegen reagieren die gro-‘ßen Schokohersteller: Die vier großen Unternehmen Mars, Hersheys, Ferrero und Lindt haben zugesagt bis 2020 hundert Prozent fair gehandelte Schokolade zu verwenden, deutsche Süßwarenhersteller wollen bis dahin 50 Prozent des Kakaos fair einkaufen. „Das ist ein großes Versprechen“, sagt Lina Gross, „ob es eingehalten wird, werden wir sehen“, denn bisher sei der faire Handel bei der Schokolade noch nicht angekommen - nur ein Prozent der Produkte sei zertifiziert.

Die Kampagne „Make Chocolate fair“ setzt sich in 16 euro-päischen Ländern für mehr Gerechtigkeit in der Kakaoproduktion ein. Mehr Infos und die Möglichkeit, die Petition zu unterschreiben, gibt es im Internet unter de.makechocolatefair.org.

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