Schüler reichen nach den Sommerferien nicht für zwei Klassen aus

Für die Schule in Rhena wird es knapp

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Eltern, Lehrer und Vertreter aus der Politik trafen sich in der Astrid-Lindgren-Schule in Rhena, um über die drohende Schließung der Schule zu diskutieren. Im Bild: Klassenraum. Foto: Dennis Schmidt

Korbach - Für die Astrid-Lindgren-Schule in Rhena geht es wieder mal um die Existenz: Die Schülerzahlen reichen wohl nicht aus, um nach den Sommerferien noch zwei Klassen zu bilden. Das aber ist Grundvoraussetzung für den Fortbestand.

Die nackten Zahlen sprechen – auf den ersten Blick – für eine Schließung: Nach den Sommerferien besuchen voraussichtlich nur noch 24 Kinder die Astrid-Lindgren-Schule, in den beiden darauffolgenden Jahren nur noch 23 Kinder.

Landrat Dr. Reinhard Kubat verkündete die neuerliche Hiobsbotschaft für die Schulgemeinde am Montag im Kreistag auf Nachfrage der Freien Wähler. Hinzu kommt laut Kubat, dass bislang in Rhena ein Kind mit erhöhtem Förderbedarf unterrichtet wurde, das mittlerweile umgezogen ist.

Dadurch verändere sich die Lehrerzuweisung für die Schule, erläuterte der Landrat.

Nur noch 24 Schüler

Für die Astrid-Lindgren-Schule hat der Schülerschwund fatale Folgen: Rutsche die Schülerzahl insgesamt unter 26, könne nur noch eine jahrgangsübergreifende Klasse vom 1. bis zum 4. Schuljahr gebildet werden, erklärte Michael Seim, Vertreter der zuständigen Dezernentin beim Staatlichen Schulamt in Fritzlar, auf WLZ-FZ-Nachfrage.

Doch im Schulentwicklungsplan, den der Kreistag im Dezember beschlossen hat und der derzeit in Wiesbaden zur Genehmigung liegt, legt der Landkreis als Grundsatz fest: Eine Grundschule soll mindestens über zwei jahrgangsübergreifende Schulklassen verfügen, um weiter Bestand haben zu können. Schließlich weist das Staatliche Schulamt darauf hin, dass der Personalschlüssel für eine so kleine Schule knapp bemessen ist: „Mehr als 25 bis 26 Lehrerstunden pro Woche können wir insgesamt nicht zuweisen“, sagte Seim. Das sei noch nicht mal eine volle Lehrerstelle.

Prognose korrigiert

Bislang ging der Landkreis im Schulentwicklungsplan noch davon aus, dass die Zahl der Schüler ausreicht, um bis zum Schuljahr 2016/17 zwei jahrgangsübergreifende Klassen zu bilden. Spätestens zum Schuljahr 2017/18 hätte die Schule dann aber zur Disposition gestanden. Die Prognose muss der Kreis jetzt korrigieren. Das Damoklesschwert der drohenden Schließung schwebt bereits seit Herbst über der kleinen Grundschule:

Der Eigenbetrieb Gebäudemanagement hatte im vergangenen Jahr einen „dringenden Sanierungsbedarf“ festgestellt und mit 915 000 Euro beziffert. Wie sich die unter anderem von Elternvertretern und Ortsbeirat in Frage gestellte Summe konkret zusammensetzt, das hat der Kreis allerdings nach wie vor nicht offengelegt. Das Schicksal der Schule schien damit schon fast besiegelt.

In einer Beschlussvorlage für den Kreistag empfahl der Kreisausschuss eine Schließung im Jahr 2014. Eltern protestierten daraufhin. Im Dezember beschloss der Kreistag schließlich, einen Verbund der Rhenaer Grundschule mit der Korbacher Westwallschule zu bilden. So sollte der Fortbestand der Astrid-Lindgren-Schule vorerst gesichert werden. Bringen nun die sinkenden Schülerzahlen das Aus für Rhena schneller als gedacht?

Ohne kreative Lösung sieht es jedenfalls schlecht aus für die kleine Grundschule. Eine solche könnte sich aber im geplanten Verbund mit der Westwallschule verbergen.

Die Verbundschule ist ein Modell, um kleinere Standorte zu erhalten. Schulleitung und Verwaltung sind zentral an der größeren Schule angesiedelt, die kleinere fungiert quasi als Filiale. Vorteil ist auch ein größeres Kollegium, das die Möglichkeiten für Vertretungsunterricht stärkt. Lösung im Verbund? Durch den Verbund verschmelzen aber auch die Schulbezirke der Westwall- und Astrid-Lindgren-Schule.

Zumindest in der Theorie könnten dann auch Schüler beispielsweise aus Lelbach in Rhena beschult werden – wenn die Schulleitung bereit ist, den kleineren Standort zu Lasten der Kernschule zu stärken. So wäre die Schülerzahl wieder groß genug, um zwei Klassen bilden zu können. Das würde der Rhenaer Schule zumindest Zeit verschaffen, um – wie es Elternvertreter bereits im Herbst gefordert hatten – nach langfristigen Lösungen für den Standort zu suchen. Für den 13. März ist ein Elternabend geplant, Vertreter des Schulamtes und des Landkreises berichten über den aktuellen Stand und seine Folgen.

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