Anderthalb Jahre Kindersozialarbeit · Informationsveranstaltung für Eltern

„Sehr oft fehlt der Blick für die Kinder“

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Holger Heerhorst, Elke Ehringhausen und Karin Hentschel vor dem Bürgerhaus Korbach.

Korbach - Karin Hentschel ist viel unterwegs. Eltern und Kindergärtnerinnen suchen bei ihr Rat und Hilfe, wenn Kinder auffälliges Verhalten zeigen. Sie will Handreichungen für Eltern geben.

Kindergartensozialarbeit - was zunächst als sperriger Begriff daherkommt, erweist sich in Korbach seit anderthalb Jahren als wichtiger Baustein in der Präventionsarbeit. Karin Hentschel ist bundesweit eine der wenigen Sozialarbeiterinnen, die sich um die Kleinsten kümmern, mit Eltern und Erziehern sprechen und bei Gängen zu Ämtern helfen.

Die ehemalige Erzieherin hat zwei Zielgruppen: Eltern und Pädagoginnen. Um ihnen zu helfen, hat sie inzwischen ein feines Netzwerk zu anderen Hilfsorganisationen gesponnen, sei es die Suchtberatung der Diakonie oder das Frauenhaus. „Hier zahlt sich aus, dass ich 18 Jahre lang bei ‚Frauen für Frauen‘ mitgearbeitet habe“, erklärt die 55-Jährige ihre enge Verzahnung mit anderen.

Die Erzieherinnen in den 14 Kindergärten im Stadtgebiet kennen die Diplom-Soziologin inzwischen und freuen sich über die neue Schnittstelle, die einen „Blick von außen“ ermöglicht. Auf viele Probleme bei Kindern wird sie von den Fachkräften in den Kindergärten hingewiesen. Immer häufiger wenden sich auch Eltern persönlich an Karin Hentschel - auch anonym.

Probleme mit Ämtern

Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten gebe es überall, hat Hentschel erfahren. Die Probleme, vor die sich Eltern häufig gestellt sehen, machten vor keinem Bildungsstand und vor keiner prall gefüllten Geldbörse halt.

Neben Beratungsgesprächen bietet sie auch ungezwungene Hausbesuche oder Beistand bei Behördengängen an. Das eine Mal hilft sie einem Vater beim Termin in der Arbeitsagentur, ein anderes Mal hilft sie, Formulare für die Ausländerbehörde auszufüllen.

„Ich würde mir wünschen, dass die Ämter von Anfang an mehr Wohlwollen zeigen würden. Eltern erzählen mir oft, dass es einen erheblichen Unterschied macht, ob ich beim Amt dabei bin oder nicht. Wenn ich mitkomme, steht automatisch eine Institution hinter den Eltern“, hat sie erfahren. „Die Probleme werden ernster genommen.“

Und zu guter Letzt schaut sie im neuen Einfamilienhaus, was den auffällig gewordenen Nachwuchs so fuchsteufelswild macht. „Sehr oft fehlt der Blick für die Kinder“, hat sie erfahren. Am heutigen Abend, der um 20 Uhr im Bürgerhaus beginnt, sollen vor allem Tipps und Tricks für Eltern im Vordergrund stehen. Als Referent haben die Organisatoren Holger Heerhorst gewonnen, der Privatkurse für Eltern anbietet. Dass sich Spaß und Bildung nicht ausschließen, will Heerhorst mit vielen anschaulichen Beispielen vermitteln.

Der „Lernspaßabend“ findet heute von 20 bis 21.30 Uhr im Bürgerhaus statt. Kurzentschlossene sind willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Hintergrund

Ihre Stelle als Kindergartensozialarbeiterin hat Karin Hentschel im Mai 2011 angetreten. Ihr Job wurde eigens geschaffen. Eine Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe war zunächst angedacht, zerschlug sich aber wegen fehlender Fördermittel. Hentschel bietet Eltern und Erziehern kostenlose Beratung an. 130?000 Euro kostet das Angebot pro Jahr.

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