Verbandsversammlung der Naturparks Diemelsee nimmt Stellung gegen weitere Windräder

Signal an Landespolitik

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Nach Ansicht der Vertreter des Zweckverbands gibt es mehr als genug Windräder im Naturpark Diemelsee.Archivbild: Schilling

Willingen/Diemelsee - Die Vertreter des Zweckverbands haben sich gegen weitere Windkraftanlagen im Naturpark Diemelsee ausgesprochen.

Die Vertreterversammlung des Zweckverbands Naturpark Diemelsee hat dafür gestimmt, die Resolution über erneuerbare Energien und Windkraftanlagen zu ändern: Vorstand und Versammlung wünschen, dass keine weiteren Anlagen im Naturpark entstehen. „Mehr machen den ganzen Sinn und Zweck des Naturparks hinfällig: Arten- und Biotopvielfalt sowie Tourismusentwicklung erreichen wir nicht, wenn wir zur Konzentrationszone für Windkraft werden“, erklärte Verbandsvorsitzender Thomas Trachte.

Lediglich Rolf Kaufmann, Geschäftsführer der Waldeckischen Domanialverwaltung, votierte gegen den Vorschlag des Vorstandes: „Für Ausschließlichkeit kann ich nicht stehen.“ Volker Becker, Bürgermeister der Gemeinde Diemelsee, hatte sich hingegen schon im vergangen Jahr für die Neuformulierung ausgesprochen und bekräftigte seine Haltung: „Es kann nicht sein, dass wir im Naturpark alles abfedern müssen.“ Es habe seinen Charme, dass der Nationalpark Kellerwald-Edersee in Ruhe gelassen werde - alle Windräder zur Grenze zu schieben, könne aber nicht sein: Auch hier würden Menschen leben, die Einschnitte zu befürchten hätten, wenn keine Touristen mehr kämen. Prof. Eckard Jedicke, als Projektleiter wegen des geplanten Biotopverbunds anwesend, teilte diese Befürchtung: „Ich wage zu prognostizieren, dass Touristen sich nach Landschaften ohne Windräder sehnen werden.“ Bis 2030 würden sich bei der aktuellen Politik zwei Drittel aller Landschaften im Vergleich zur Jahrtausendwende radikal verändern.

Thomas Trachte kritisierte das Regierungspräsidium scharf: Die im Landesentwicklungsplan versprochene Beteiligung der Kommunen an Windkraftplanungen bleibe aus. Die Argumentation, dass Windkraftanlagen auf zwei Prozent der Landschaft diese noch nicht „zerschneiden“ würden, ziehe nicht, wenn sie sich in windreichen Regionen übermäßig konzentrierten. Die konsequente Ablehnung sei als Signal an die hessische und nordrhein-westfälische Politik nötig.

„Jeder gute Wille unsererseits wird ins Gegenteil umgekehrt“, fuhr Trachte fort: Als die Gemeinde Willingen etwa ein Gebiet nahe damals geplanter Anlagen in Medebach für Windräder vorgeschlagen habe, habe das Regierungspräsidium dieses immens vergrößert, unerwünschte Gebiete dennoch im Plan gelassen und das Ganze als Vorschlag aus Willingen verkauft. Volker Becker und Horst Sude, Vertreter des Korbacher Magistrats, kritisierten, dass als Argument gegen Windräder mittlerweile nur noch der Artenschutz wirke.

Vorstand und Versammlung sprachen sich auch für die Möglichkeit zur Übertragung von Infrastruktur des Naturparks auf Kommunen aus: „Bei Schutzhütten ist es etwa sinnvoll, wenn der Naturpark sie anschafft, die Kommunen sie unterhalten und der Naturpark sie nutzen darf“, fasste Thomas Schröder, Vorsitzender der Versammlung, eine lange Diskussion zusammen. Die Versammlung beschloss zudem, dem Vorstand Flächenkauf zum Artenschutz zu erlauben. Dies ist besonders für das Projekt „Biotopverbund Diemelsee“.

Auch die Jahresabschlüsse 2009 bis 2011 waren Thema: Wegen der Verrechnung von Sachleistungen lagen die Zahlen für 2009 und 2010 47000 Euro unter dem Plan - was für 2009 einen Verlust von knapp 160 Euro, für 2010 einen Überschuss von 7200 Euro bedeutete. 2011 lag der Überschuss bei 6100 Euro, die Revision steht noch aus.

Derweil ist der Jugendzeltplatz Heringhausen durch gute Ergebnisse umsatzsteuerpflichtig geworden. Ob er dadurch neue Zuschüsse benötigt, ist abzuwarten.

Von Wilhelm Figge

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