Sinfonisches Blasorchester Korbach/Lelbach spielt Jubiläumskonzert

Simulierter Vulkanausbruch

Korbach - Das Sinfonische Blasorchester Korbach/Lelbach hat seine in 20 Jahren erworbene musikalische Vielfalt mit einem Jubiläumskonzert demonstriert.

Ein leichtes Summen hängt in der Luft, als drei Mitglieder des Sinfonischen Blasorchesters über die Ränder von Wassergläsern streichen. Die Eröffnung von „Terra Vulcania“ spielen die Musiker auf den filigransten Instrumenten ihres Jubiläumskonzerts, bald setzt das ganze Ensemble von Klarinette bis Tuba ein und simuliert mit dem Wechsel von donnernden Ausbrüchen und friedlichen Melodien die Erdgeschichte mit ihren Eruptionen und fruchtbaren Ruhephasen.

Schwung- bis gefühlvoll

Seit 20 Jahren besteht das Orchester – in geologischen Begriffen eine nicht wahrnehmbare Zeit. Sie hat den Musikern aber gereicht, verschiedene Genres zu meistern, die sie dem Publikum in der Korbacher Stadthalle am Samstag präsentieren: Neben pompösen und gefühlvollen Stücken steht eine schwungvolle Auswahl aus dem Musical Cats, der „Carneval in Sao Paulo“ und klatschbare Märsche wie der „Abschied der Slawin“ und der „Florentiner Marsch“. Zu Beginn spielt das Samstag-Morgen-Orchester der Musikschule Korbach fünf Stücke, Höhepunkte stammen aus der Filmmusik: das oscarprämierte „La vita è bella“ und Monty Pythons „Always look on the bright side of life“.

Zur Eröffnung spielen die knapp 40 Musiker des großen Orchesters mit Ralph Vaughan Williams „Folk Song Suite“ ein Stück, dass sie laut Moderator Thomas Korte in den vergangenen Monaten viel Schweiß gekostet hat: Mal fröhlich, dann finster, mal ruhig, dann bei seinen Wurzeln als Stück für Militärkapellen deckt das Lied die ganze Breite der Blasmusik ab. Ein Glanzlicht ist rasend schnelles Klarinettenspiel vor dem donnernden Hintergrund der großen Blechblasinstrumente. „Ohne Michael Kuhaupt wären wir nur halb so schnell“, sagt Orchestersprecherin Anja Holz über den Klarinettisten.

Auch ohne Gesang lassen manche Stücke Bilder entstehen: Jacob de Haans „Oregon“ erinnert an die Musik epischer Western und das Zeitalter der Planwagen-Trecks; Johan de Meijs „Aquarium“ ist den Fischen gewidmet – wie solche brechen immer wieder einzelne Instrumente für verspielte Soli aus, bevor sie zum „Schwarm“ zurückkehren.

Blick auf 20 Jahre Blasmusik

Zusammen mit „Terra Vulcania“ ist es eines der beiden Stücke, mit denen das Orchester am 9. Mai an den Wertungsspielen des Hessischen Landesmusikverbands in Frankenberg teilnimmt. Auf Musikfesten sei das Orchester bislang erstaunlich gut bewertet worden, erklärt Thomas Korte. Jeden Freitag zu proben lohne sich also genauso wie die Arbeit des „unerbittlichen“ Dirigenten Rainer Horn.

Das Jubiläumskonzert ist ein Zeitpunkt zum Rückblick auf die Geschichte der als „Orchestergemeinschaft Musikschule Korbach / Musikverein Lelbach“ gegründeten Formation. Das Zusammenschluss der beiden Gruppen habe sich ergeben, erklärt Musikvereinsvorsitzender Ralf Jakob: „In Lelbach war das Holz dünn besetzt, in Korbach mangelte es an Blech.“ Sie sinfonische Blasmusik habe noch in der Entwicklung gesteckt, Publikum habe das Orchester sich hart erarbeiten müssen. Mittlerweile besteht es aus insgesamt 50 Musikern, hat rund 80 Konzerte plus Ständchen gespielt und 224 Stücke einstudiert.

Während das Orchester seine Entwicklung unter Beweis stellt, zeigt sich auch das Publikum lernfähig: Musste es zum Pfeifen bei „Always look on the bright side of life“ und zum Mitklatschen beim „Florentiner Marsch“ noch ermuntert werden, kommt die Forderung nach der zweiten Zugabe nach gut drei Stunden ganz von alleine. (wf)

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