Korbach:

"Singen wie noch nie in meinem Leben"

- Korbach. Er sprüht vor Energie und Lebensfreude, ist frisch verheiratet, ein Grenzgänger von künstlerischen und politischen Welten, Pendler zwischen Musik und Schauspielerei: der Berliner Tenorsänger Björn Casapietra. Das Korbacher Publikum darf sich beim Altstadt-Kulturfest am 30. Juni auf ein Freiluftkonzert voller Leidenschaft freuen. WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine sprach mit dem Sänger:

l Zunächst herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit mit Ihrer Frau Anne-Sophie. Wie war denn die Feier am 28. Mai? Vielen Dank für die Glückwünsche. Die Feier war viel schöner, als wir es uns erträumt haben. Meine Frau hat mir das größte Kompliment gemacht: Sie hätte nie gedacht, dass es so schön würde. Es hat einfach alles gestimmt – das Wetter, die Menschen, der Ort, unsere Kleidung. Meine Frau sah aus wie ein Engel, und ich hatte mich Gott sei Dank für den richtigen Smoking entschieden, nachdem ich gefühlte 250 Stück anprobiert hatte. Am Ende habe ich sogar noch gesungen und bin wahrscheinlich der einzige Depp (herzhaft lachend), der bei seiner eigenen Hochzeit auch noch arbeitet.

l Wo haben Sie denn gefeiert? Auf Schloss Steinhöfel, das liegt in der Nähe von Fürstenwalde in Brandenburg.

l Im Waldecker Land gibt es auch sehr schöne Schlösser … Ja, aber ich wollte natürlich in meiner Heimat heiraten. Das war mir sehr wichtig.

l Wie viele Gäste waren da? Um die 60 Personen. Es war also überschaubar. Wir wollten gerne im engeren Familien- und Freundeskreis feiern.

l Fans waren also erst mal nicht dabei? Doch, doch. Es waren sechs Gäste dabei, die ich zu meinem ganz engen Kreis zähle. Das sind inzwischen Freunde, die mich teils schon seit zehn Jahren begleiten und viel mehr sind als Fans. Da ich nach jedem Konzert mit meinen Fans essen gehe, lernt man sich natürlich über die Jahre sehr gut kennen. Sie sind inzwischen wichtige Ratgeber geworden. Die eine unterstützt mich bei der Pressearbeit, die andere schreibt Pressetexte, die dritte ist inzwischen sogar Veranstalterin meiner Konzerte. Das muss man sich einmal vorstellen: Sie arbeitet in einer Apotheke und veranstaltet inzwischen große Konzerte ganz nebenbei. Da sind unglaubliche Energien aus meinem Fanclub gewachsen.

l Wie haben Sie denn Ihre Frau kennengelernt? Auch aus dem Fanclub oder aus dem Künstlerkreis? Nein, um Gottes Willen. Es reicht, wenn einer so egozentrisch und durchgeknallt ist in der Familie wie ich (lachend). Meine Frau hat ihren ganz eigenen Kopf, ist eine selbstbewusste, starke Persönlichkeit – die mir auch mal den Vogel zeigt. Aber das ist mir auch bei meinen Fans sehr wichtig: Ich brauche Kritik, ich will permanent an mir arbeiten, immer besser werden. Und das ist auch einer der Gründe, weshalb wir alle gemeinsam in den letzten zwei Jahren so erfolgreich sind. Ich will mich da nicht selber loben, aber in den letzten zwei Jahre singe ich so gut wie nie zuvor, mit viel Selbstbewusstsein und Kraft in der Stimme.

l Ihr Vater, Professor Herbert Kegel, war zu DDR-Zeiten ein weltbekannter Dirigent, ihre italienische Mutter die Opern-Diva in Ost-Berlin. Ist die künstlerische Egomanie also in die Wiege gelegt? Ja, ja. Das ist wirklich so. Was ich als Kind erlebt habe, das geht auf keine Kuhhaut. Aber wenn ich genau in die Fußstapfen meiner Eltern getreten wäre, dann wäre ich ein reiner Operntenor. Das bin ich jedoch nicht und möchte es auch nicht sein. Ich singe auch klassisch, bin aber eher ein Liedersänger. Und für einen typischen Opernsänger bin ich auch viel zu frech auf der Bühne. Ich nehme mein Publikum gerne mal auf den Arm, bringe die Menschen viel zu gerne zum Lachen. Ich habe diese Woche beispielsweise eine große Operngala in Fürth moderiert. Da war so ein typischer brasilianischer Tenor – klein, rundlich, sang wie ein Gott diese ganzen schweren Hämmer: ob „La donna e mobile“ aus Verdis Rigoletto oder „Nessum dorma“ aus Puccinis Turandot. Da habe ich noch mal begriffen, dass ich so nie sein will. Ich möchte, dass die Leute auch bei mir lachen, dass sie Wärme und Persönlichkeit spüren. Deswegen gibt es in meinen Konzerten auch ein Lied für meine Tochter Stella, ein Lied an meinen Vater. Ich möchte preisgeben, was in mir vorgeht – und möchte ein guter Entertainer sein.

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