Die „medlz“ trotzen fröhlich Wirbelsturm und Wolkenbruch

Singin’ in the rain - Video

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Stimmakrobatik und Show: Die „medlz“ aus Dresden gastierten auf der Freilichtbühne – bis ein Wirbelsturm durchfegte.Foto: Hennig

Korbach - Wie ein Wirbelsturm können die Dresdner „medlz“ ihr Publikum erobern. Dann gab’s in Korbach tatsächlich Sturm und Wolkenbruch beim Konzert - und das A-cappella-Quartett nahm’s souverän mit Humor.

Eilig stürzten die Zuschauer kurz nach der Pause aus den Rängen im Schießhagen. Nein, nicht das Programm der „medlz“ war zum Weglaufen - sondern peitschender Regen und die Windhose, die am Sonntagabend eine Schneise durch Korbach zog. Von der Seite krachte gar ein Baumstamm längs gefährlich Richtung Bühne. Die „medlz“ mussten also das Gastspiel beim Altstadt-Kulturfest abbrechen.

Kaum war „Lady Marmelade“ verklungen, suchten die Zuschauer Sicherheit unter den Baldachinen. Auf Facebook setzte das Dresdner Quartett am Montag das Konzert indessen augenzwinkernd fort: In einem Video tanzen sie barfuß und mit durchgeweichten Kleidern im überfluteten Schießhagen, bedanken sich beim Publikum und freuen sich, dass sie noch leben. Als Motto ließe sich vielleicht hinzufügen: I survived Korbach 2015. Vor laufender Handykamera intonieren die „meldz“ spontan das nächste Stück im (ausgefallenen) Programm: „Gangsta’s Paradise“ aus „Dangerous Minds“.

Mit dem ins afrikanische Gewand gehüllten Titelsong zum Weihnachtsfilm „The last Unicorn“ hatten die vier Dresdnerinnen am Sonntag die Zuschauer zum Auftakt der zweiten Konzerthälfte zunächst musikalisch aufs Glatteis geführt. Verführerische Sirenentöne und wohlkalkulierte harmonische Spannungsbögen bestimmten dabei das mit zahlreichen vokalen Reizen und ein wenig Percussion (Cajon Shaker) angereicherte Programm.

Von Sister Act (Oh Happy Day) bis zum fünften Element (Il dolce suone/the diva dance) sollte es reichen und zahlreiche Crossover-Favoriten enthalten - also unterschiedliche Musikstile in einem Stück neu verschmelzen. Das spezielle Arrangement der „medlz“ bietet ein Vergnügen, zumal die vier Stimmen in diesem Pop-Ensemble viele Klangeffekte setzen. Auch welche, die für viele scheinbar ganz ins Reich der Elektronik gehören - wie bei Klaus Doldingers Titelmelodie zu „Das Boot“. Die zahlreichen Szenen mit verschwitzten Männern auf engstem Raum konnten die vier Vokalakrobatinnen bislang aber nicht dazu motivieren, sich den Film in voller Länge anzutun, trotz Herbert Grönemeyer in legendärer Rolle als Schauspieler.

Da gibt es offenbar andere Filme mit attraktiven Hauptdarstellern, die Frauenherzen in jeder Hinsicht höher schlagen lassen. Mit „Hymn to the Sea“ der Titanic-Musik zelebrierten die vier Dresdner Sirenen eine unmittelbare Ansprache ans Gefühl. Monty Normans Bond-Thema eröffnete den Part „Die another Day“. Die Choreografie zum Titelsong des letzten Abenteuers von Agent 007 mit Pierce Brosnan brachte Bine, Silli, Mary und Nelly in zahlreiche Action-Posen bis zum finalen Showdown mit dem Schurken.

Ganz großes Kino für die Augen und opernhafte Töne gab es bei „Who want’s to live forever“ (Freddie Mercury) aus „Highlander“ mit Christopher Lambert und Sean Connery. Mit der als große Solonummer für Silvia Mehnert in Szene gesetzten Rock-Arie klang die erste Hälfte aus. Die zweite sollte sich dann leider nur als Appetithäppchen erweisen. Aber das Sturm-Thema hatten wir ja schon. - Zu sehen sind die „meldz“ hinreißend auch im Video über das Unwetter in Korbach auf wlz-fz.de.

Noch mal „medlz“

Frohe Botschaft der „medlz“ via Facebook: Für Besucher des abgebrochenen Konzerts in Korbach, die sich beim Ensemble (Bine@medlz.de) melden, gibt es ein Happy End, denn die „medlz“ bieten für ein Konzert in Kassel am 29. November Freikarten an – für jedes Besucherpaar eines der beiden Tickets gratis.

Von Armin Hennig und Jörg Kleine

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