Willingen

Ski-Internat: Geschichte einer Odyssee

- Willingen (bk). Die Einrichtung eines Ski-Internats nördlich des „Weißwurst-Äquators“ – eine Idee, die Ende der 1970er-Jahre nicht überall auf Gegenliebe und Unterstützung stieß.

Der frühere Internatsleiter Josef Nowey erinnert sich gut an die Anfänge. Der 86-Jährige verfolgt die Entwicklung der Einrichtung noch immer aufmerksam. Er freut sich, dass am kommenden Montag mit der offiziellen Einweihung des neuen Ski-Internats des Hessischen Skiverbands ein entscheidender Schritt in die Zukunft getan wird.

Im Gespräch mit der WLZ warf Nowey einen Blick zurück in die Willinger Internatsgeschichte, die er über 20 Jahre lang mitgestaltet und geprägt hat und die stets eng verbunden war mit der Entwicklung der Uplandschule. 1946 wurde die „Höhere Privatschule Willingen“ gegründet, der ab 1950 mehrere Schülerheime angegliedert wurden – Privatpensionen, in denen auswärtige Schüler betreut wurden.

1963 öffnete das Jungeninternat am Treis seine Pforten, in dem Josef Nowey 1965 seinen Dienst antrat. 1970 kam ein Mädchenhaus hinzu. „Die Internatserziehung ist darauf ausgerichtet, Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis 20 Jahren zu verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen“, heißt es in einem alten Prospekt, den Nowey wie viele andere Erinnerungsstücke in Ehren hält.

Schon damals, in den 70er-Jahren, wurde ein besonderes Augenmerk auf den sportlichen Bereich gelegt: „Eine Vielzahl von Sportarbeitsgemeinschaften dient der körperlichen und charakterlichen Erziehung. Nach Möglichkeit sollte jeder Internatsschüler einer Sportgruppe angehören, sei es Geräteturnen oder Leichtathletik, Schwimmen, Fußball oder Handball. Im Winter steht selbstverständlich der Wintersport im Vordergrund.“

120 Schülerinnen und Schüler wohnten damals in den Internaten, deren Träger der Schul- und Förderverein war. Angesichts rückläufiger Belegungszahlen wurde 1978 die Idee geboren, eine Sportfördergruppe und zur wirtschaftlichen Belebung ein Ski-Internat zu gründen. Nowey erinnert sich lebhaft an das erste Gespräch, das der kürzlich verstorbene Oswald Schinze, Renate Schinze (beide als Vertreter des Hessischen Skiverbands) und er als Geschäftsführer des Schul- und Fördervereins im hessischen Kultusministerium führten.

Letztendlich war der Vorstoß erfolgreich. Die Wintersportfördergruppe wurde eingerichtet und am 1. Februar 1980 erfolgte die Eröffnung des Ski-Internats. Es bot damals wie heute die Möglichkeit, Leistungssport und schulische Ausbildung zu verbinden. „Der erste Sportler, der dort untergebracht wurde, war der deutsche Jugendmeister Markus Karger aus Brilon“, berichtet Josef Nowey. Ein Internatsplatz kostete in jener Zeit 815 Mark im Monat. Die Eltern der Leistungssportler mussten jedoch nicht die volle Summe aufbringen, sondern erhielten einen etwa 50-prozentigen Zuschuss von der Sporthilfe. Einige junge Sportler haben mit ihren Leistungen erheblich dazu beigetragen, den Willinger Bekanntheitsgrad zu steigern, allen voran Petra Schaaf (später Behle).

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 5. November.

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