Diemelseer Naturschutzbund und Touristikgemeinschaft sind gegen weitere Vorrangflächen

„Soll ist mit 71 Windrädern erfüllt“

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Rhenegger Feld Foto: pr

Diemelsee - Auch der Diemelseer Naturschutzbund und die Touristikgemeinschaft lehnen Windräder im Naturpark ab.

Beide Vereine weisen in Stellungnahmen auf die vielen bereits vorhandenen Windräder hin. „Wegen der schon übermäßigen Belastung der Naturräume im nördlichen Waldeck-Frankenberg können wir einem solchen Vorhaben nicht zustimmen“, schreibt die NABU-Ortsgruppe.

Sie stört sich an der rund 280 Hektar großen Fläche zwischen Benkhausen, Schweinsbühl, Rhena und Lelbach, die das Kasseler Regierungspräsidium im zweiten Entwurf des Teilregionalplans „Energie“ vorschlägt - dazu müsste das Wetterradar bei Flechtdorf versetzt werden. Wie gestern berichtet, sind die Vorbereitungen zur Umsetzung schon weit gediehen, ein neuer geeigneter Standort nahe des Kellerwaldturms ist gefunden.

Seltene Vogelarten brüten

Besondere das Gebiet bei Flechtdorf sei aus Sicht der Vogelkundler kaum realisierbar, erklärt der NABU. Durch die Kompostierungsanlage bestehe eine weit überdurchschnittliche Dichte an Rotmilanen, die dort Nahrung finden. Es gebe es Gerichtsurteile, die eine solche Sachlage anerkennen. In diesem abwechslungsreich gegliedertem Gebiet gebe es eine außergewöhnlich hohe Zahl an Rotmilan-Brutplätzen, die der NABU beobachte. Auch der Schwarzstorch habe dort seit vielen Jahren einen gesicherten, den Behörden bekannten Brutplatz.

Am Martenberg seien schon in den vorigen beiden Jahren vier von Windrädern erschlagene Rotmilane gefunden worden - was ungewöhnlich viele seien und die hohe Dichte der Vögel in dieser Region bestätige. Und die Dunkelziffer der erschlagenen Tiere potenziere sich.

Das Diemelseer Parlament habe die Bedeutung des Naturparks für die Region längst erkannt und mit großer Mehrheit den Bau weiterer Windräder abgelehnt. Auch in der Bevölkerung gebe es keine Akzeptanz mehr: „Es schickt,“ sei weit und breit zu hören. Der NABU ruft alle auf, Vogelbeobachtungen der Ortsgruppe oder unter www.ornitho.de im Internet zu melden, um das Bild der Populationen zu vervollständigen.

Die Diemelseer Touristikgemeinschaft wendet sich gegen das Windenergiekonzept für Südwestfalen und den Naturpark Diemelsee/ Marsberg. Derzeit werde in Deutschland zu 50 Prozent erneuerbare Energie genutzte. Bis 2050 sollten es 80 Prozent sein. In diesen 35 Jahren solle es laut Bundesregierung eine langsame Umstellung geben, da es auch weiterhin Zeiten ohne Sonneneinstrahlung und genügend Wind gebe.

Die Gemeinde Diemelsee habe ihr Soll mit derzeit 71 Windrädern für mindestens die nächsten 30 Jahre erfüllt, auch im Kreis-, Landes- oder Bundesvergleich. 1965 sei der Naturpark Diemelsee gegründet worden - den gelte es auch weiterhin zu schützen.

Hinzu komme der Tourismus. Über viele Jahrzehnte und vor allem in den vorigen Jahren sei viel Geld investiert worden, um Gästen und Bewohnern die Ferienregion Diemelsee im Naturpark als „unvergessliche Erlebnis in traumhafter Natur“ zu präsentieren. Doch offenbar sei der Tourismus bei den „Planungsspielen“ komplett ignoriert worden, er sei kein Ausschluss-Kriterium für Windräder geworden. Der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung habe im März den Tourismus nicht differenziert nach Zahlen und Fakten behandelt, sondern pauschal als Kriterium ausgeschlossen. Das halte die Touristikgemeinschaft nicht für sinnvoll, denn die Möglichkeiten des Tourismus wie die Sicherung von Arbeitsplätzen oder den Nachwuchs durch gute Jobs in der Region zu halten seien überlebenswichtig.

Tourismus sichert Existenzen

Die Unternehmer in Einzelhandel und Gewerbe, Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Gastronomie und Campingplätze bräuchten den Tourismus zur Existenzsicherung. Auch für die Einwohner steigere sich die Lebensqualität durch Windräder in ihrem Umfeld nicht.

Das Diemelseer Parlament habe sich im April ebenso klar gegen eine Erweiterung der Flächen ausgesprochen. Die Touristikgemeinschaft sei der Meinung, dass gemessen an der Größe der Gemeinde genügend Windräder stünden, „wir müssen die Existenz vieler Unternehmen sowie den 2015 fünfzig Jahre alt werdenden Naturpark Diemelsee schützen.“(r)

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