Stadt Korbach präsentiert gemeinnütziges Modell für Investitionen in erneuerbare Energien

Sonnenkraft speist Bürgerstiftung

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Mit Solarmodulen könnte die Stadt künftig Erträge erzielen – und über eine Bürgerstiftung gemeinnützig einsetzen.

Korbach - Über Korbachs alter „Schuttkuhle“ könnten künftig Solarzellen für umweltfreundliche Stromerzeugung sorgen. Zur Debatte steht eine öffentliche Stiftung als Betreiber - zum Wohle aller Bürger.

Seit 2011 fordern SPD und Grüne wiederholt mehr Nachdruck, um der Energiewende auch bei der Stadt Korbach mehr Flügel zu verleihen. Es geht vor allem um Photovoltaik, also Stromerzeugung aus Solarzellen. Über ein genossenschaftliches Modell sollen auch Bewohner investieren - und an den Erträgen teilhaben. So der rot-grüne Vorschlag.

Am Mittwochabend präsentierte die Stadtverwaltung im Finanzausschuss des Parlaments ein alternatives Konzept: „Stiftung Sonne für Korbach“.

Dieter Christoph mit seiner Firma „Stiftungsidee“ (Buckenhof bei Erlangen) stellte den Entwurf vor. Seit über zwölf Jahren hat Christoph zahlreiche Projekte in Deutschland mit Bürgerbeteiligung durch gemeinnützige Stiftungen umgesetzt - ob Kultur, Denkmalschutz oder seit 2009 auch erneuerbare Energien.

Überschuss für guten Zweck

Leitgedanke: Statt öffentliche Flächen an private Solar-Investoren zu verpachten, die an der Stromerzeugung verdienen, wird die Stadt selbst Betreiberin einer Solaranlage. Überschüsse fließen damit in die Stadtkasse und können für gezielte gemeinnützige Zwecke allen Bewohnern zugute kommen - ob Kinderbetreuung, Altenhilfe oder Kultur. „So erkennt jeder Bürger den indirekten Nutzen“, erklärt Christoph: „Akzeptanz durch Verteilungsgerechtigkeit.“

Hintergrund: Fossile Rohstoffe wie Öl, Kohle und Gas gehen zur Neige. Mit der „Energiewende“ will sich Deutschland zugleich langfristig von Atomkraft verabschieden. Alternative Energiequellen werden somit immer bedeutender, ob Windkraft, Wasserkraft, Biogasanlagen oder Photovoltaik.

Bürger als Kapitalgeber

Allerdings steigen auch die Energiepreise seit Jahren kräftig an, weil erneuerbare Energien staatlich subventioniert werden. Wer in erneuerbare Energien investiert, kann im Gegenzug über die subventionierte „Einspeisevergütung“ Gewinne erzielen. Wer aber kein Geld hat, um zu investieren, zahlt nur die höheren Preise.

Anders sieht das aus beim Modell einer Bürgerstiftung in öffentlicher Hand: Von den Überschüssen sollen alle profitieren. Zudem sind gemeinnützige Stiftungen auch noch von der Steuer befreit. Darüber hinaus können sich aber Bürger trotzdem als Kapitalgeber beteiligen - und damit auch private Gewinne erzielen.

Wie das Modell funktionieren kann: Die Stadt gründet eine Stiftung mit gemeinnützigem Zweck, schließt einen Vertrag mit einem Stiftungsverwalter, beruft zugleich einen Stiftungsrat, in dem Parteien und Bürger mitentscheiden können.

Das nötige Kapital für eine Photovoltaikanlage kann die Stadt über einen Kredit bei einer Bank finanzieren - aber auch über Privatleute. Die erhalten dann Zinserträge für ihr Geld.

Der Betrieb für das Sonnenkraftwerk kann in der Praxis auch über eine externe Firma laufen, beispielsweise den heimischen Versorger Energie Waldeck-Frankenberg (EWF).

Fazit von Dieter Christoph: „Ein lebendiges Konstrukt, wenn man es als Bürgerstiftung versteht.“ Zumal auch private Spenden oder Erbschaften in eine Stiftung fließen könnten.

Strom direkt verkaufen

Konkreter Gedanke der Stadt ist dabei, auf der früheren Mülldeponie „Im alten Felde“ eine Photovoltaikanlage zu bauen. Die alte Korbacher „Schuttkuhle“ (2,4 Hektar) im künftigen Gewerbegebiet an der Raiffeisenstraße wird gegenwärtig für knapp zwei Millionen Euro abgedichtet. Das soll Umwelt und Trinkwasser schützen.

Solarzellen auf der abgedichteten Deponie würden danach gleich doppelten Nutzen bringen: Der umweltfreundlich erzeugte Strom könnte an die Betriebe im benachbarten Gewerbegebiet direkt verkauft werden.

Wie das technisch funktioniert, zeigte am Mittwoch Stefan Brüne von der Sachsenhäuser Firma GOTech auf. Brüne präsentierte zwei Varianten mit unterschiedlichen Solarmodulen. Sein Fazit: „Für die Stadt Korbach eine positive umweltpolitische Ausstrahlung in die ganze Region.“ Und als natürliche „Rasenmäher“ für die Deponiefläche könnten sogar Schafe eingesetzt werden.

So möchte Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich „gleich nach den Osterferien“ in die politische Beratung gehen: „Die Fraktionen sollen ihr Know-how einbringen“, appellierte der Rathauschef.

Die Grünen bevorzugen das Modell der Energie-Genossenschaft, weil es sich bereits vielfach in Deutschland bewährt habe, erklärte Fraktionschef Dr. Peter Koswig. Zudem hat die Öko-Partei bislang eine Grasfläche an der alten belgischen Kaserne im Blick für eine Photovoltaikanlage.

„Gleichwohl wollen wir das Stiftungsmodell durchaus gleichwertig mit dem Genossenschaftsmodell untersuchen“, sagte SPD-Fraktionschef Martin Dörflinger. Eine Investition auf der alten Deponie sollte ebenfalls „vorurteilsfrei geprüft werden“. Zumal langfristig auch beide Projekte denkbar seien.

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