Arolser und Wildunger sollen profitieren

Souveräner Jurist mit Augenmaß

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Juristen mit Leib und Seele (v. l.): Dr. Wolfgang Löffler, Wolfgang Damm und Pierre Brandenstein.Foto: Natalie Volkenrath

Korbach - Gerechtigkeit ist das höchste Gut der Justiz – symbolisiert durch Justitia und ihre Waage. Bei der Feier zum Führungswechsel am Amtsgericht Korbach warfen die Gäste für Direktor a. D. Wolfgang Damm als auch für seinen Nachfolger Pierre Brandenstein anerkennende Worte in die Waagschale.

Obwohl die Redner die ausgleichene Gerechtigkeit an diesem Vormittag groß schreiben und beiden Herren das Beste wünschen, ist es für Brandenstein keine Frage, dass diese Feierstunde seinen Vorgänger Wolfgang Damm gebührt. Fast vier Jahrzehnte diente der Bad Arolser der hessischen Justiz, beispielsweise zehn Jahre als Amtsgerichtsdirektor in Wolfhagen und zwölf Jahre als Leiter des Amtsgerichts Korbach.

Er fällte als Strafrichter rund 10?000 Urteile und weitere 5000 Entscheidungen in Betreuungs- und Unterbringungsverfahren (wir berichteten). Bewerbung als Anwalt „Wenn es die Altersgrenze nicht gäbe, hätte er weitergemacht“, ist Dr. Wolfgang Löffler, Präsident des Landgerichts Kassel, überzeugt. Richter müssen zum Ablauf des Monats, in dem sie ihren 65. Geburtstag feiern, in den Ruhestand gehen.

„Ich habe den Chefsessel am 30. November räumen müssen“, denkt Damm wehmütig zurück. „Die Arbeit in meinem Traumberuf fehlt mir, am meisten der Kontakt mit den vielen Menschen“, dankt er seinen langjährigen Weggefährten, allen voran den Mitarbeitern des Amtsgerichts, für die gute Zusammenarbeit. Als „Ausgleich“ will er künftig halbtags als Anwalt arbeiten. „Wenn eine örtliche Kanzlei Interesse hat, freue ich mich“, lächelt der Jurist. Behörde wird Servicestelle Zur Feierstunde hatten zahlreiche Gäste im Saal des Korbacher Finanzamts Platz genommen, weil der Plenarsaal des Kreishauses nicht bereit stand (siehe weiteren Text). „Sie haben eine klasse Mannschaft. Die Leitung des Amtsgerichts wird Ihnen wie mir nicht schwerfallen“, ruft Damm seinem Nachfolger Pierre Brandenstein zu – verbunden mit der Bitte an alle Mitarbeiter: „Stehen Sie weiterhin standhaft für Recht und Gerechtigkeit ein.“ Dass Damm das Amtsgericht Korbach von 1999 bis 2011 vorbildlich geleitet hat, daran lassen die Redner keine Zweifel: „Die Zusammenarbeit war stets von fachlicher Kompetenz und gegenseitigem Respekt geprägt“, bescheinigt Henrik Ludwig, Richterrat des Amtsgerichts.

Darüber hinaus sei es Damm gelungen, die Obrigkeitsbehörde zu einer Servicestelle umzubauen und Bürgern die Schwellenangst zu nehmen. „Viele besuchen das Gericht, ohne vorgeladen zu sein.“ Der Direktor habe stets gemeinsam mit dem Personalrat nach Lösungen gesucht, ergänzt Personalratsvorsitzender Karsten Kalhöfer. Respekt für seine „souveräne Amtsführung“ zollt CDU-Landtagsabgeordneter Armin Schwarz dem Direktor a. D.. „Sie haben in einem hohen Maß dazu beigetragen, dass die Bevölkerung großes Vertrauen in die Justiz hat“, betont Kreisbeigeordnete Monika Svoboda (SPD). Bad Arolsens Bürgermeister Jürgen van der Horst fügt im Nanen seiner Bürgermeisterkollgen hinzu: „Sie haben ihre Funktion mit Leben erfüllt und das Amtsgericht zu einer modernen Dienstleistungsbehörde gemacht.“ Souveränität, excellentes juristisches Fachwissen und Entscheidungen mit Augenmaß nennt Peter Trautmann, Vertreter der Rechtsanwaltschaft im Amtsgerichtsbezirk, als Damms Stärken. „Herausragende Juristen“ „Es ist nicht irgendwer gegangen und nicht irgendwer gekommen“, spannt Löffler den Bogen zwischen Damms Verabschiedung und Brandensteins Begrüßung. Bei beiden handele es sich um „herausragende Repräsentanten der hessischen Justiz“.

Die vorbildliche Amtsführung als Richter und Verwaltungsfachmann, die er Damm bescheinigt, traut er auch Brandenstein bedenkenlos zu. „Für mich war er in den letzten Jahren der wichtigste Berater“, führt der Landgerichtspräsident seinen bisherigen Stellvertreter mit einem lachenden und einem weinenden Auge offiziell in das neue Amt ein, das der 43-jährige Frankenberger seit 1. März ausübt (wir berichteten).

Dass Brandenstein dem um den Bezirk Bad Arolsen vergrößerte Amtsgericht souverän vorstehen wird, daran zweifelt gestern niemand. Mit dem Vorschlag, Gerichtstage in der Residenzstadt einzuführen, hat er bereits gepunktet (siehe weiteren Text). „Sie kennen die kommunalen Sorgen“, verweist Korbachs Stadtrat Günter Schlund auf das politische Engagement des CDU-Fraktionschefs im Frankenberger Parlament. „Ich werde die Wünsche der kommunalen Familie im Blick behalten“, verspricht Brandenstein.(nv)

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