Nils Heinrich im Bürgerhaus - Kabarettabend mit Gitarre und Lesungen

Spätzle, Salzkartoffeln, Stuttgart 21

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Korbach - Der Kabarettist Nils Heinrich vermittelte mit seinem Programm „Weiß Bescheid!“ Impressionen aus der Hauptstadt, dem Schwabenland und dem Harz.

Das vhs-Kulturforum lud am Freitag zum Schmunzeln ein: Der Berliner Kabarettist Nils Heinrich trat im Bürgerhaus auf. „Kabarett ist nicht immer so massentauglich wie Comedy, aber wir setzen Schwerpunkte auf Beides“, erklärte Bernd Kramer, der stellvertretende Vorsitzende des Kulturforums, dem kleinen Publikum.

Einen Tag nach dem Tag der Deutschen Einheit gab Nils Heinrich seine Eindrücke aus verschiedenen Regionen Deutschlands wieder. Der im Harz aufgewachsene Kabarettist zeigte sich noch immer traumatisiert von seinen Familienurlauben im Heimatgebirge: „Meine ganze Familie war kurzsichtig, da haben meine Eltern wohl nicht bemerkt, dass wir unseren Ferienort von Zuhause sehen konnten“. Seinen Dialekt hätte ihm nach der Einheit ein Logopäde in Hannover weggespritzt, von 2006 bis 2010 lebte er in Stuttgart.

Weiße Maden

Insbesondere die kulinarischen Angewohnheiten der Schwaben hätten ihn zur Verzweiflung getrieben: „Beim Spätzlehobeln sehe ich nur kleine, weiße Maden fallen, aber wissen Sie, wie schwer es ist in Stuttgart Salzkartoffeln zu bekommen?“, fragte er das Publikum. Auch die Demonstrationen, Gegendemonstrationen und „Gegen-Gegendemonstrationen“ um „Stuttgart 21“ schilderte Heinrich. Bei allen Problemen des Flughafens in seiner neuen Heimat Berlin habe dieser immerhin einen funktionierenden Tiefbahnhof - notgedrungener Weise, da fahrende Züge für die Belüftung nötig seien, auch wenn sie leer sind.

Neben zahlreichen Geschichten aus der Hauptstadt gab der gelernte Konditor auch Einblicke ins gesunde Essen - und in die Ersatzstoffe, die im Osten zum Backen verwendet wurden: „Unser Marzipanersatz Legupan war aus Erbsen, unsere Orangeat-Alternative Kandinat aus Möhren und unser Ersatzcitronat bestand aus grünen Tomaten“. Noch heute schaue er im Supermarkt immer auf die Zutatenlisten, aber im Vergleich sei Legupan oft geradezu Biokost.

„Ich bin Bio“

Nils Heinrich las in seinem fast zweistündigen Auftritt auch aus seinen Büchern „Wir hatten ja nichts - außer Umlaute“ und „Irgendwo muss man ja wohnen“. Höhepunkte des Abends waren seine musikalischen Darbietungen: In „Ich bin Bio“ besang er „Apps aus Holz und Knete“, nahm später verschiedenste sozialrelevante Themen auf die Schippe und beklagte schließlich die Verletzungsgefahr durch auf der Straße „Twitternde Mädchen“. Als Zugabe bot er den „Häuslebau-Rap“ - eine Kunstform, die die überalterte Stadt Stuttgart in Kursen lehre, um wieder „hip“ zu erscheinen.

Probleme mit dem Wandel der Zeit und insbesondere „moderne Zeitgeistverbrechen zwischen Jens Riewa und Günther Jauch“, sprich der „Tatort“, waren weitere Themen in Heinrichs breitem Programm. Manch ein Kollege scheue den ländlichen Raum, aber er selbst sei unbekannt genug, dass ihm bisweilen jemand Karten zu seinen eigenen Auftritten verkaufen wolle. „Da trete ich schon mal im Alten Krematorium in Tuttlingen auf. ‚Bürgerhaus’ klingt doch gleich viel freundlicher“, erklärte er selbstironisch.

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