Adwoua Hackman bot bei ihrem Café Castaneda-Debüt das Beste aus mehr als einer Welt

Spagat zwischen Stilen und Traditionen

Selbstbewusster Umgang mit den Traditionen schwarzer Musik: Adwoua Hackmann begeisterte das Publikum bei ihrem Café-Castaneda-Debüt.Foto: Armin Hennig

Vöhl-Harbshausen - Mit selbstbewusstem Auftritt, souveränem Umgang mit den Traditionen der Black Music und gefühlvollen bis heiteren deutschen Texten begeisterte Adwoua Hackman das Publikum bei ihrem Café Castaneda-Debüt.

Die Musikerin bot dabei gewissermaßen das Beste aus mehr als einer Welt. Denn bei ihren Kompositionen ging sie nicht nur zurück zu den Wurzeln, sondern spielte mit sämtlichen großen Traditionen schwarzer Musik, während die inhaltliche Seite ihrer Lieder wohl zur Kategorie Singer-Songwriter zählen dürfte.

Mitreißender Blitzstart

Auf jeden Fall erweist sich die stimmstarke Musikerin vom ersten Ton als fordernde Künstlerin, die den Zuhörern keine Laidback-Attitüden durchgehen lässt, sondern im Gospelton den Beginn ihres Konzertes ankündigt und damit ihre Gemeinde zum Main Event zusammenruft, ehe es mit den funkigen Grooves von „Wie viele Tage?“ gleich voll tanzflächentauglich losgeht. Ohne dabei die inhaltliche Seite zu vernachlässigen.

Über Sätze wie „Wenn dein Herz nicht da ist, wo du gerade bist, warum bist du dann dort?“, lässt sich auch hinterher noch trefflich nachdenken. Im Café Castaneda gibt es schon beim mitreißenden Blitzstart niemand mehr, der lieber irgendwo anders wäre. Auch wenn sie beim anschließenden Titel „Gehn wir zu Dir“ mit der Zeile „Lass uns diesen Ort verlassen, ich will lieben oder hassen“, zum Aufbruch in die Südsee auffordert, lässt die starke Bühnenpräsenz der in Berlin ansässigen Sängerin mit ghanaischen Wurzeln kaum Spielraum für Abschweifungen an andere Orte, während sie zum Sprung in die nächste Stilrichtung ansetzt.

Auch bei „Du“, dem zärtlichen Liebeslied in Pop and Soul, das sanft mit einem letzten Beckenschlag verklingt, ein etwas gemäßigteres Tempo einschlägt, fordert sie volle Aufmerksamkeit. Fetzige Disco-Grooves bestimmen „Dieser Tag“, bei der Hymne an einen Boxer bekommen die beiden Sideman endlich auch einmal so richtig Auslauf: Denn während Adwoua Hackman mit der Gitarre den Rhythmus vorgibt, übernimmt Bassist Sebastian Vogel den melodischen Part und wandelt beim Solo auf den Spuren von Al Johnson (Weather Report, Santana) und Stanley Clarke, ehe Drummer John Farr ins Zentrum des musikalischen Geschehens rückt.

Nach Gospel, Soul und Funk folgt der Blues. Mit der Eigenkomposition „Gefangene im Exil“, die Adwoua mit sanft perlenden Läufen eröffnet, um ihre Gitarre im weiteren Verlauf das volle Glockenvolumen à la Johnny B. Goode zu entlocken. Chuck Berry steht nicht auf der Setlist, dafür zwei Kompositionen, bei denen sich Adwoua Hackman mit zwei Gitarrengöttern misst: T-Bone Walkers „Call it Stormy Monday“, von dem Eric Clapton gleich ein Dutzend Einspielungen auf den Markt gebracht hat und „Purple Haze“ von Jimi Hendrix, Pionier bei der Verschmelzung unterschiedlicher Stile und immer noch eine Messlatte in dieser Disziplin.

Verkaterte Morgenstimmung

Das Arrangement des Hendrix-Covers gerät eher zum Tribute ohne eigene Akzente, dafür verweigert Adwuoa Hackman das Duell auf der Kriechspur mit Old Slowhand und legt mit einem Tempo los, das kaum Spielraum für Assoziationen an verkaterte Morgenstimmungen lässt. Bei „Lass mich rein“, mit dem die erste Hälfte ausklingt, gelingt auch noch ein Ausflug auf die Reggae-Insel, die einzige Stilrichtung, die im Verlauf der zweiten Hälfte nicht mehr auftauchen wird.

Die intensive Soulnummer „Eleonore“ und der weltschmerzhaltige „Morgens um vier Blues“ zählen zu den Höhepunkten nach der Pause. Als finale Zugabe stimmt Adwoua Hackman den letzten Blues des Abends an, der mit einem Alptraum und Dieter Bohlen im Bett beginnt.

Der Schöpfer unzähliger Einwegkarrieren ist aber nicht der einzige, dem die selbstbewusste Sängerin einen Korb gibt, auch Heidi Klum oder Stefan Raab bekommen beim „Bye, Bye“ und ihrem Abgesang aufs Fernsehen ihr Fett weg.

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