Haupt- und Vertreterversammlung des Waldecker Kreisbauernverbandes

„Spaß an der Landwirtschaft haben“

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Vor der Hauptversammlung des Waldecker Bauernverbandes gestern in Mühlhausen: Referentin Katrin Hess, der Vorsitzende Karsten Schmal und Geschäftsführerin Stephanie Wetekam.Foto: -sg-

Twistetal-Mühlhausen - Eine Reihe aktueller Agrarthemen behandelten die Waldecker Bauern bei ihrer Versammlung.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem, was im Kreisbauernverband gelaufen ist“, sagte der Vorsitzende Karsten Schmal aus Sachsenhausen bei der Haupt- und Vertreterversammlung im Landgasthaus Kiepe. Die Landwirtschaft im Kreis habe sich besser entwickelt als in anderen hessischen Regionen. Gründe: innovative Landwirte, fehlende Einkommensalternativen und ein besonderes Netzwerk, das die Bauern begleite. Er blickte auf ein „ereignisreiches Jahr“ zurück.

Sorge wegen fallender Erlöse

Wegen des „katastrophalen Wetters“ im August sei die Getreideernte zum großen Teil schlecht ausgefallen, die Landwirte hätten erhebliche Verluste erlitten. Allerdings habe es vier Grasschnitte gegeben, auch bei Silomais seien die Erträge gut. Sorgen bereite ihm der Preisverfall, ob bei Milch oder bei Schweinen und Rindern. Bei den Kollegen herrsche „schlechte Stimmung“. Auch weitere Punkte machten ihm Sorgen:

International drohe durch das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP mit den USA eine Marktöffnung. Schmal forderte, die Belange der Landwirtschaft dürften nicht vernachlässigt werden, die verhältnismäßig hohen deutschen Standards müssten bei den Verhandlungen eine Rolle spielen. Deutschland dürfe nicht „mit Billigprodukten unterwandert“ werden.

Die Europäische Union habe einen Bürokratieabbau angekündigt, nach Aussagen von Agrarminister Christian Schmidt scheine die Umsetzung schwierig zu werden. Der deutsche Bauernverband habe einen Plan mit 14 Punkten vorgelegt. Auch die EU-Agrarreform werde umgesetzt, berichtete er, „mal sehen, was da auf uns zukommt“.

In Deutschland stehe wegen der Nitrat- und Phosphatwerte eine neue Düngemittelverordnung an. Schmal forderte: „Auf unsere Meinung muss gehört werden“, auch die Auswirkungen auf die Region seien zu berücksichtigen. Außerdem forderte er einen Bestandsschutz für Altanlagen zur Güllelagerung.

Dass nach der neuen Transparenzrichtlinie die Namen aller Empfänger von Agrarsubventionen ins Internet gestellt würden, „ist eine absolute Sauerei, da wird die Landwirtschaft an den Pranger gestellt“, rief Schmal. Entweder würden die Namen aller EU-Zuschussempfänger veröffentlicht oder gar keine.

Die Arbeitszeiterfassung beim neuen Mindestlohn sei ein „Bürokratiemonster“. Beim Thema Tierwohl müssten die Landwirte selbstbewusst auftreten und sich der Diskussion stellen. Dass Bauern von Organisationen und Teilen der Gesellschaft „an den Pranger gestellt“ würden, „können wir nicht hinnehmen“.

Regional stünden Landwirte in ständiger Diskussion mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Unteren Wasserbehörde des Kreises. Ziel sei, gemeinsam Lösungen zu finden.

„Wir müssen Spaß an der Landwirtschaft haben, nur so hat sie eine Chance“, bilanzierte Schmal. Und nur so lasse sich Nachwuchs gewinnen. In der Gesellschaft müsse die Wertschätzung für gute Lebensmittel wachsen, auch die Tourismusregion sei auf eine Kulturlandschaft angewiesen, die Landwirte in Ordnung hielten. Darauf müsse mit mehr Öffentlichkeitsarbeit hingewiesen werden.

„Die Landwirtschaft im Kreis ist bestens aufgestellt“, sie könne das Jahr „mit Mut und Zuversicht beginnen“, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Der Kreis stehe den Bauern „voll umfänglich zur Seite“ und sei bestrebt, im Dialog Lösungen zu finden.

Auch er sehe mit Sorgen auf den Preisverfall und die Auswirkungen internationaler Krisen. Und es gebe Dörfer im Kreis, in denen bald keine Kuh mehr stehe. Doch die Bauern dürften nicht zu pessimistisch in die Zukunft schauen, „die Landwirtschaft im Kreis hat Zukunft“. Er wünsche „ein gutes Erntejahr und steigende Erzeugerpreise“.

Geschäftsführerin Stephanie Wetekam stellte den Jahresabschluss für 2014 und den ausgeglichenen Haushalt für 2015 vor, beides wurde einstimmig angenommen. Dieses Jahr soll die Korbacher Geschäftsstelle für rund 20000 Euro neue Fenster erhalten. Wetekam stellte auch Aufgaben vor – von den mehr als 1200 Beratungen bis zur Öffentlichkeitsarbeit. Derzeit hat der Verband knapp 1300 Mitglieder, Tendenz leicht steigend.

Die Zusammenarbeit mit dem Frankenberger Verband sei „besser denn je“, lobte Schmal. Dank der beiden Verbände sei Waldeck-Frankenberg „eine Macht im hessischen Bauernverband“. Auch der Vorsitzende Heinrich Heidel und Geschäftsführer Matthias Eckel waren nach Mühlhausen gekommen.

Unter den Gästen waren auch die Bürgermeister Jürgen van der Horst, Elmar Schröder und Hartmut Linnekugel, die Twistetaler Beigeordnete Elke Fortak, Kreislandwirt Fritz Schäfer, Verbands- und Bankenvertreter, Axel Friese und das Ehrenmitglied Wilhelm Dietzel.

Von Dr. Karl Schilling

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