Förderverein der Nikolaikirche plant weitere Aktionen · Jeder Euro ist willkommen

Spenden für den schiefen Turm

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Der Nikolaiturm leuchtet in der untergehenden Sonne: Sabine Neuhaus (l.), Vorsitzende des Fördervereins, Pfarrer Günter Engemann und Hiltrud Imig machen sich stark für die umfangreiche Kirchensanierung. Jede Spende wird gebraucht.

Korbach - Über eine Million Euro wird die weitere Sanierung der Nikolaikirche voraussichtlich kosten. Nur mit Spenden lässt sich diese Herkulesaufgabe stemmen, die sich der Förderverein vorgenommen hat.

„Kirchengemeinden müssen wieder lernen, in längeren Zeiträumen zu planen“, sagt Pfarrer Günter Engemann nachdenklich. Rund 100 Jahre, von 1359 bis 1460, haben die Bürger der Korbacher Neustadt gebraucht, die Nikolaikirche fertig zu stellen - mit langen Unterbrechungen. Das rund 75 Meter hohe stolze Bauwerk zu unterhalten beschäftigt seither jede Generation.

Auf rund zehn Jahre sind die Pläne des Fördervereins angelegt. Auch in den vergangenen zehn Jahren ist bereits viel passiert: 2005 wurde das Dach des schiefen Turms von Korbach komplett erneuert. 2008 folgte die Dachsanierung des Kirchenschiffs für fast eine halbe Million Euro. Dazwischen gab es weitere Kraftanstrengungen - ob Generalinspektion der Orgel 2006 oder Sicherung der Wandgemälde und des Christopherus-Bildes 2008. Und mittendrin musste auch die Turmzier nach einem Sturm in akrobatischer Manier wieder auf die Spitze befördert werden.

Nunmehr geht es sozusagen ans Eingemachte. Heizung, Interieur, Außenfassade, so heißt der Dreiklang auf der Partitur des Fördervereins. Die Heizungsrohre sind teils 100 Jahre alt, Innenraum und Besucher leiden, dass die Kirche nicht gleichmäßiger beheizbar ist. „Schlimm sieht es außen am Chorraum und auf der Südseite aus“, schildert Ingenieur Jürgen Kepplin, der die Bauprojekte der evangelischen Kirche in Korbach betreut.

Wasser und Frost setzen den Fugen im Mauerwerk zu. Bei den großen gotischen Fenstern zeigen die Windeisen zwischen der Verglasung starken Rost, die Verankerung im Mauerwerk ist brüchig.

Genaue Kalkulationen gibt es für Heizung, Fassade und Einrichtung der Kirche noch nicht. Die Landeskirche muss zunächst die Mittel freigeben für entsprechende Gutachten, erläutert Kepplin. Aber eine Million Euro sind wohl mindestens nötig, um die Vorhaben zu realisieren.

Bilanz im Förderverein

Ohne ein hohes Maß an Spenden wird dies indes nicht gelingen, bekräftigen Pfarrer Engemann und Sabine Neuhaus. Die Korbacherin ist Vorsitzende des Ende 2012 gegründeten Fördervereins. Der Verkauf von Weihnachtskarten und gebrauchter Kleidung, Benefizkonzerte vom Dresdner Kreuzchor bis zum Sinfonischen Blasorchester Korbach/Lelbach, Kuchenverkauf beim Altstadt-Kulturfest und weitere Spenden brachten bis Ende 2013 rund 20 000 Euro ein, zieht Sabine Neuhaus Zwischenbilanz. Dazu gehören gleichermaßen Vorträge von Dr. Peter Witzel über Kunst und Geschichte der Kirche oder von Professor Franz Irsigler (Trier) über die Hanse und die bedeutende Korbacher Kaufmannsfamilie Rinck, die im 15. Jahrhundert in Köln einen sagenhaften Aufstieg erlebte. 6000 Euro stiftete Johann Rinck damals in seine Heimatstadt Korbach, um die Nikolaikirche als Gotteshaus der Kaufleute in der Neustadt zu vollenden.

Noch stärker ins Gedächtnis bringen möchte der Förderverein deshalb einen besonderen Bastelbogen, der kostenlos in der Kirche und im Gemeindehaus an der Friedrichstraße zu haben ist: Aus Pappe lässt sich die Nikolaikirche als Spendenbox falten - um bei Geburtstagen oder Jubiläen für ein überregional bedeutendes Kulturdenkmal zu sammeln.

Weitere Aktionen des Fördervereins, ob Konzerte, kulinarischer Abend oder Lesungen, sind für 2014 geplant. Informationen zum Förderverein und für Spender gibt es bei Sabine Neuhaus (Tel. 05631/62395).

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