Korbacher Statistik spricht Bände – deutlich weniger Vandalismus und Schlägereien

Sperrzeit: Es bleibt bei 3 Uhr

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Statistische Eckdaten der Polizei: Durch die frühere Sperrstunde in Korbach sind Straftaten zwischen 3 und 6 Uhr morgens im Jahresvergleich deutlich zurückgegangen.

Korbach - Heiße Debatten gab es um die Sperrstunde in Korbach - besonders unter jungen Leuten. Die Bilanz nach knapp einem Jahr ist aber deutlich: Weniger Krawall und Prügeleien, seit die Kneipen um 3 Uhr schließen.

. Um 1 Uhr morgens machen Kneipen und Discos dicht - das war für ältere Semester völlig Usus. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Deshalb änderte auch das Land Hessen 2001 die Regelung und setzte die Sperrstunde auf 5 Uhr hoch. Es sei denn, die Städte und Gemeinden haben eine andere Regelung.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg machte just die Tourismushochburg Willingen den Auftakt. Denn mit ausufernder Nacht nahmen tendenziell auch Lärmbelästigung, Prügeleien und Sachbeschädigungen zu. Nach Willinger Beispiel fixierte dann die Kreisstadt Korbach zum 1. März 2012 die Sperrstunde auf 3 Uhr.

In der Altstadt, aber vor allem auch in der Fußgängerzone hatten sich Vandalismus und Schlägereien deutlich gehäuft. Schaufenster gingen zu Bruch, Dekorationen der Kaufmannsgilde wurden zerstört - „bis hin zur Brandstiftung“, schilderte Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland diese Woche im Finanzausschuss des Parlaments.

Selbst Ordnungshüter der Stadt waren vor tätlichen Angriffen nicht gefeit, wenn sie frühmorgens betrunkenen Streithähnen begegneten. „Nach Einführung der neuen Sperrzeitregel sind diese Extreme fast vollständig verschwunden“, resümierte Vahland.

Polizei: deutliche Zahlen

Ordnungsamt und Polizei präsentierten nach knapp einem Jahr eine Bilanz der neuen Sperrzeitregelung in Korbach. Die Statistik spricht dabei eine deutliche Sprache: Im Vergleich der Jahre 2011 und 2012 waren Anzeigen wegen Sachbeschädigung in ganz Korbach um 7 Prozent rückläufig. In der Sperrzeit zwischen 3 und 6 Uhr gingen sie aber um 50 Prozent zurück. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Körperverletzungen. Insgesamt sank die Zahl in Korbach um 8 Prozent, zwischen 3 und 6 Uhr aber um 42 Prozent. Bei gefährlichen Körperverletzungen waren es sogar 71 Prozent weniger.

In konkreten Zahlen registrierte die Polizei 2011 zwischen 3 und 6 Uhr noch 14 gefährliche Körperverletzungen in Korbach, 2012 aber nur noch 4 Fälle. „Da haben wir also einen ganz wesentlichen Fortschritt erzielt“, betonte Uwe Kümmel, Leiter der Polizeistation Korbach.

Stadt: Regelung bis 2017

Etliche Kritiker hatten im Vorfeld prophezeit, dass sich die Straftaten durch eine frühere Sperrstunde nur verlagern. Dem widerspricht indes eindeutig die Bilanz von Polizei und Ordnungsamt in Korbach.

„Natürlich gibt es weiterhin Kritiker bei den Gastronomen, die einen Umsatzverlust beklage“, erklärte Vahland. Und zur Lebensqualität in Korbach gehöre zweifellos auch Freizeitgestaltung mit Partystimmung, besonders für junge Menschen. „Aber dies darf nicht zu Lasten der Allgemeinheit gehen“, unterstrich Vahland.

Dabei seien die meisten Kneipen in Korbach ohnehin durch die 3-Uhr-Regelung nicht betroffen. Zudem gebe es weiterhin Ausnahmemöglichkeiten für besondere Veranstaltungen, ergänzte Bürgermeister Klaus Friedrich. Auf Antrag dürfen Kneipen und Discos dann auch später schließen.

Unterm Strich stimmten alle Fraktionen der Sperrzeitbilanz zu. Die Stadt Korbach will deshalb die 3-Uhr-Regelung bis Ende 2017 zunächst fortsetzen. Bis dahin läuft auch die Sperrzeitverordnung des Landes.

Zugleich dürften die Erfahrungen in Korbach eine Signalwirkung für andere Städte und Gemeinden im Landkreis haben. Beispielsweise wird die Sperrstunde derzeit auch in Frankenberg heiß diskutiert.

Thema im Korbacher Ausschuss war dabei ebenso der Protest vieler junger Leute gegen die vorgezogene Sperrstunde. Besonders politische Jugendorganisationen hatten ihren Unmut voriges Jahr kundgetan.

Es fehlen in Korbach derzeit tatsächlich Discos oder Clubs, die abseits des Stadtzentrums „auch störungsfrei bis 5 Uhr betrieben werden könnten“, sagte Vahland. Beispiel war die „Kulturfabrik“, die im Sommer 2012 aber endgültig die Pforten geschlossen hat. Doch dies ist Sache der privaten Betreiber.

Dass sich in Internetforen auch 13- und 14-Jährige darüber beschwerten, in Korbach nur zwei Stunden länger Kneipenparty machen zu dürfen als früher ihre erwachsenen Eltern, scheint derweil eher ein privates Erziehungsproblem zu sein.

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