Korbacher Ortsverband des THW zieht Bilanz des Hochwasser-Einsatzes

Spezialisten im Kampf gegen die Fluten

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Korbach - Einen in jeder Beziehung erfolgreichen Einsatz haben die insgesamt 16 Helfer vom THW Korbach in den Hochwassergebieten an Elbe und Saale absolviert.

„Wir mussten nichts abbrechen, konnten alle Einsatzaufträge abarbeiten“, resümiert THW-Zugführer Dirk Gernand zufrieden. Geräte und Fahrzeuge, vor allem die leistungsstarken Pumpen der in Korbach stationierten Spezialeinheit haben einwandfrei funktioniert und durchgehalten. Und nicht zuletzt sei „das positive Feedback der Bevölkerung“ überall zu spüren gewesen. Mehr als zwei Wochen war die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen in Leisnig in Sachsen sowie Schönebeck und Barby in Sachsen-Anhalt am Kampf gegen das Hochwasser beteiligt.

Gartenhütte hält Helfer auf

Per Fax um 20.23 Uhr kam am 4. Juni nach einem Voralarm die Nachricht: Sammelpunkt für alle Kräfte aus dem Landesverband Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland in Bad Hersfeld, von dort Weiterfahrt in die Hochwassergebiete. In vier Fahrzeugen machten sich zwölf Helfer um den Ortsbeauftragten Hans-Joachim Kegel auf den Weg. „Nach einer Lagebesprechung und ein paar Stunden Schlaf sind wir dann um vier Uhr Richtung Leisnig aufgebrochen“, berichtet Gernand weiter. In der sächsischen Kleinstadt an der Freiberger Mulde hatten die Spezialisten, die bereits bei der Jahrhundertflut 2002, nach dem schweren Wirbelsturm „Katrina“ in den USA oder bei der Hochwasserkatstrophe in Arles (Frankreich) im Einsatz waren, einen überfluteten Trinkwasserbrunnen wieder in Betrieb zu setzen.

Das kleine Gebäude ragte nur wenige Meter aus der riesigen Wasserfläche hinaus. „Fünf Hektar standen ungefähr 1,30 Meter hoch unter Wasser“, schildert es Gernand. Ein klarer Fall für „Hannibal“. Die Großpumpe mit einer Leistung von 5000 Litern pro Minute musste jedoch erst einmal an die richtige Stelle gebracht werden. Genau das entpuppte sich als Problem. Denn die geeignete Zufahrt wurde von einer Schrebergarten-Hütte blockiert, die vom Hochwasser aufgetrieben und dorthin gespült worden war. Hier und später noch bei weiteren Gelegenheiten erwies sich der mitgeführte Radlader als optimales Multifunktionsgerät.

Aber auch die anderen blauen Fahrzeuge aus der Kreisstadt waren überall gern gesehen. Vor allem, wenn Ailina Sude am Steuer saß. Eine Kollegin des Döbelner Anzeigers portraitierte die 21-jährige Korbacherin unter der Überschrift „Verkäuferin mit Hang zum Laster“.

Mit einer Pumpleistung von 17 Kubikmetern in der Minute wurde das THW der Wassermassen langsam, aber sicher Herr. „24 Stunden, in zwei Schichten wurde gepumpt“, erklärt Gernand. Wichtigste Aufgaben der Helfer waren dabei, den Druck zu überwachen und die Geräte mit Kraftstoff zu versorgen.

Als der Brunnen wieder für die Betriebselektriker des Wasserverbands zu erreichen war, rückten die Korbacher zu ihrem nächsten Einsatz in das etwa 180 Kilometer entfernte Schönebeck in Sachsen-Anhalt ab. Dort drohte die Elbe weite Teile der Altstadt zu überfluten. „Sandsackdeiche verstärken“, lautete deshalb der Auftrag. Hinter den Flutwänden haben die Helfer ständig 1,40 Meter unterhalb des Wasserspiegels arbeiten müssen. „Ein unangenehmes Gefühl, wenn man sich dessen bewusst wird und dann auf den breiten Strom schaut, der in nur wenigen Metern Entfernung vorbeifließt“, beschreibt der Korbacher Zugführer die permanente Bedrohung. Über vorher festgelegte und sorgfältig freigehaltene Fluchtwege hätten sich im Notfall die Helfer selbst in Sicherheit bringen müssen. Nur ein paar Straßenzüge weiter passierte es auch, dass ein Deich den enormen Kräften nicht mehr standhielt.

Ausgeklügelte Ableitung

An einer anderen Stelle in Schönebeck halfen die Korbacher mit, einen 600 Meter langen und 15 Meter breiten Sandsackdeich zu bauen. Die 250000 dafür benötigten Sandsäcke kamen palettenweise an. Wieder leistete der Radlader bei der Weiterverteilung gute Dienste.

In Barby, dort mündet die Saale in die Elbe, pumpten die Mitglieder der Korbacher Fachgruppe zuletzt gegen eindringendes Sickerwasser an. Eine Pumpleistung von 27,5 Kubikmetern pro Minute und eine ausgeklügelte Wasserableitung führten schließlich zum Erfolg.

Am vergangenen Freitag traten die Korbacher THWler den Rückweg an. Kaum zuhause, wurden sie zum nächsten Einsatz gerufen: Beim Bahnunfall in Bad Laasphe (wir berichteten) waren sie diesmal als Aufgleis-Spezialisten gefragt. (tk)

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