Philipp Tassius und Schweißhund Maxl sind als Nachsuchengespann in Waldeck Frankenberg unterwegs

Mit den Spezialisten auf Spurensuche

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Nachsuchenführer Philipp Tassius mit seinem Bayerischen Gebirgsschweißhund Maxl vom Jägersgrund. Unten links: Mit dem Fährtenschuh tritt Tassius eine Spur zum Üben.

Waldeck-Frankenberg - Wenn ein verletztes Tier im Wald herumläuft, dann werden Philipp Tassius oder seine Kollegen gerufen. Er ist Nachsuchenführer, und zusammen mit seinem Schweißhund Maxl begibt er sich auf Fährtensuche im Wald.

Maxl ist voller Vorfreude, denn er weiß genau, was gleich passiert. Wenn sein Herrchen Philipp Tassius ihm und sich die Schutzkleidung überzieht, das GPS aktiviert und seine Ausrüstung zur Hand nimmt, dann ist sein Spürsinn gefragt. Tassius führt ihn zum Anschuss, der Stelle, an der sich das Wild beim Unfall oder der Schussabgabe aufgehalten hat. Maxl nimmt die Wundfährte auf, und von da an geht es hinein in den Wald, kreuz und quer und über Stock und Stein.

Absolutes Vertrauen

Maxl vom Jägersgrund ist ein Schweißhund. Schweiß, das bedeutet Blut in der Jägersprache. Er und sein Führer Philipp Tassius bilden ein Nachsuchengespann, sie sind dafür zuständig, krankes, also verletztes, Wild, zu suchen und dann zu erlösen. Die zwei sind ein eingespieltes Team. „Das Wichtigste ist das absolute Vertrauen zum Hund“, erklärt Tassius. Einmal hat ihn sein Hund bei der Suche nach einem kranken Tier durch den Garten einer Familie geführt. „Hier ist nie im Leben eine Sau durchgelaufen“, lautete die verdutzte Reaktion der Hausbesitzer. Am Ende behielt Maxl Recht, das Gespann fand das kranke Wild in unmittelbarer Nähe. „Es ist erstaunlich, wie aufgeschmis- sen wir Menschen trotz all der Technik ohne die Hunde wären“, sagt Tassius und streichelt Maxl über den Kopf.

Der angehende Förster ist seit 2003 im Besitz eines Jagdscheins, so wie sein Vater. „Mein Großonkel war auch Nachsuchenführer, und was er erzählt hat, hat mich schon als Kind fasziniert“, erzählt Tas- sius. Als er bei einer Jagd das verletzte Tier nicht finden konnte, rief er ein Nachsuchengespann zu Hilfe. Der Schweißhundeführer bot Philipp Tassius an, in den Klub Bayerischer Gebirgsschweißhunde zu kommen, denn nur wer Mitglied in so einem Klub ist, kann einen der speziellen Hunde bekommen. Das war im Jahr 2009. Als Maxl gerade neun Wochen alt war, kam er zu Philipp Tassius nach Vöhl. Schon im Herbst des folgenden Jahres legte Maxl die Schweißhundeprüfung ab. Nun ist das Gespann eines von zehn im gesamten Landkreis.

In der Nachsuchengruppe Waldeck-Frankenberg haben sie sich zusammengeschlossen, um ihre Einsätze besser zu koordinieren. Vier von ihnen haben bis jetzt vom Regierungs- präsidium Kassel eine Urkunde erhalten, die den Spezialisten die Nachsuche über Reviergrenzen hinweg in ganz Hessen ermöglicht. Bei Nachsuchen gehe es darum, bei Wind und Wetter und zu oft unpassenden Zeiten und nach kilometerlangem Suchen ein Tier zu erlösen. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um das mitzumachen“, gibt Tassius zu. 60 bis 80 Einsätze hat er im Jahr, wenn nicht viel zu tun ist, trainiert er auf selbst gelegten Übungsfährten. Die Arbeit verrichtet er ehrenamtlich, meist erhält er nur Kilometergeld. Die Hegegemeinschaften, also Jagdgruppen, fördern die Nachsuchengruppe. Von dem Geld zahlen die Hundeführer die Unfallversicherung ihrer Hunde.

Der richtige Riecher

„Wenn Maxl und ich es geschafft haben, dann ist es schon ein Erfolg“, erklärt der 26-Jährige. Natürlich brauche es Überwindung, ein verletztes Tier zu töten. Täte er es nicht, würde das Wild unnötig lange lei- den. Deshalb ist auch im Bundesjagd- und im Hessischen Jagd- und Tierschutzgesetzt vorgeschrieben, dass nachgesucht werden muss. „Dass ein Jäger nicht exakt trifft, kann immer passieren“, erklärt Tassius. Dabei gehe es um Zehntelsekunden. Oft gehen die Nachsuchengespanne erst Stunden später auf Suche. Gerade dann brau- che es viel Ausdauer und Hartnäckigkeit. Nicht jede Suche endet mit Erfolg. Schließlich haben in der Zeit schon andere Tiere die Spur gekreuzt. „Das ist das Erstaunliche an diesen wunderbaren Tieren“, erklärt Tassius. Trotz solch schwieriger Umstände hätten die Hunde meistens doch den richtigen Riecher.

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