Programm für die 65. Korbacher Theaterwoche im Mai gestern im Kuratorium vorgestellt

Spielleute stellen sich dem Thema Krieg

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Korbach - „100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg – szenische Antikriegserklärungen“ lautet der Leitgedanke der Theaterwerkstätten.

Zerfetzte Leiber in den Schützengräben, Giftgas-Nebel, zerschossene Städte und Dörfer – vor 100 Jahren ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen, für Historiker die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ mit Millionen Toten und Versehrten. Lassen sich die Schrecken der vier Kriegsjahre auf der Bühne darstellen? Damit sollen sich die Teilnehmer der fünf Werkstätten befassen, die parallel zur 65. Theaterwoche vom 26. bis 31. Mai geplant sind. „Wie lässt sich das uninszenierbare Grauen als Mahnung inszenieren?“ Diese Frage formulierte Michael Schwarzwald vom Leitungsteam der Theaterwoche gestern bei einer Sitzung des Kuratoriums im Kreishaus. Mit der Umsetzung beschäfti-
gen sich die Werkstätten im Mai. Diesmal 17 Bewerbungen Bei dem Treffen besprachen die Mitglieder auch die Auswahl der Gruppen, die bei der Theaterwoche ihre Inszenierungen zeigen sollen. Am Wochenende hatte das vierköpfige Leitungsteam die 17 Bewerbungen ausgewertet, Eckhard Debour aus Roetgen stellte gestern das vorläufige Programm vor: Am Montag, 26. Mai, wird die 65. Theaterwoche um 19 Uhr in der Stadthalle eröffnet. Nach dem Auftritt des Unterstufenchores an der Alten Landesschule in Korbach und der Ansprache von Landrat Dr. Reinhard Kubat zeigt die Gruppe „pocomania“ der Käthe Kollwitz-Schule in Grevenbroich eine Performance zum Ersten Weltkrieg. Am Dienstag folgt der „Theatertag der Region“. Die Theater-AG der Oberstufe an der Alten Landesschule führt das Beziehungsdrama „Der Gott des Gemetzels“ auf. Die Gruppe von Ulrike Kucharczk aus Anraff präsentiert die Eigenproduktion „Klirrende Scheiben“ über das Pogrom 1938 in Bad Wildungen, die inklusive Theatergruppe der Korbacher Lebenshilfe das selbst geschriebene Stück „Ich bin wer ich bin“. Abends folgt die Tanz-Performance des Projekts „Edersee 100“ – möglicherweise wird sie in der Turbinenhalle von Eon aufgeführt. Am Mittwoch ist die Gruppe „TEGS“ aus Höchst im Odenwald mit dem Stück „Käthchen“ frei nach Heinrich von Kleist zu Gast. Abends folgt das Universitätstheater „Philolalia“ aus Sankt Petersburg mit der „Kleinbürgerhochzeit“ von Bert Brecht – möglicherweise kommt stattdessen ein Tanztheater aus Wrocław /Breslau in Polen. Den Donnerstag gestaltet das „rohestheater“ der Mies-van-der-Rohe-Schule in Aachen mit der Eigenproduktion „1914-2014 – Hurra!“. Die Schüler des Berufskollegs stellen Soldatenbriefe, Gedichte und Romanauszüge aus dem Ersten Weltkrieg Texten über den Krieg in Afghanistan gegenüber. Dafür wird die Bühne in die Turnhalle der Humboldt-Schule gesetzt. Am Freitag führen sehbehinderte oder blinde Schüler des Landesförderzentrums Sehen in Schleswig das Stück „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ auf. Abends folgt das Hamburger „Kellertheater“ mit Jean Paul Sartres Klassiker „Geschlossene Gesellschaft“. Möglicherweise tauschen das „rohestheater“ und 
das „Kellertheater“ die Termine. Die Mischung aus verschiedenen Theaterformen und Altersschichten von Erwachsenen bis Jugendlichen sei außergewöhnlich, „das gibt es nur hier“, sagte Dr. Hartmut Wecker vom Leitungsteam. „Und das bei einem guten theatralischen Niveau.“ Vertreten seien halbprofessionelle und generationsübergreifende Gruppen, es gebe ambitioniertes Schultheater und die Aufführungen Behinderter – „Inklusion“ sei bei der Theaterwoche deutlich besser zu leisten als etwa in der Schule. 200 Aktive auf der Bühne Diesmal spielten rund 200 Aktive auf der Bühne, das seien vergleichsweise viele, sagte Debour. In der Jugendherberge stünden 120 Plätze für auswärtige Gruppen zur Verfügung. Hinzu kommen die Gruppen aus dem Kreis. „So viele Bewerbungen aus der Region hatten wir noch nie“, betonte Debour – für Dr. Wecker der Beleg, dass der „Theatertag der Region“ angenommen werde. Er habe sich als „Plattform bewährt“, erklärte auch Debour. Erstmals sei die Frankenberger Edertalschule nicht dabei. Generell hätten Gymnasien als Folge des „G8“ Zeitprobleme, sagte er. Inszenierungen würden deshalb schwieriger für die Theater-AGs. Die Arbeit der Werkstätten sei eine besondere Qualität der Theaterwoche, sagte Dr. Wecker. Sie bekommen als Material Kriegsbilder von Adolf Erbslöh, Henri Rousseau und Picasso sowie Texte über den Krieg vorgelegt. Daraus sollen sie mit unterschiedlichen Arbeitsweisen und theatralen Techniken „Korbacher Mahnungen“ entwickeln. Auch die Paul-Zimmermann-Schule und die Lebenshilfe planen wieder zwei Werkstätten. Die Ergebnisse werden am Samstag, 31. Mai, ab voraussichtlich 10 Uhr vorgestellt.Da der Förderverein einen Hauptsponsor gefunden habe, stehe die Finanzierung der Theaterwoche für dieses Jahr „auf jeden Fall“, betonte der Vorsitzende Schwarzwald. „Und wir dürfen beruhigt ins nächste Jahr gehen.“ Träger der Woche ist der Kreis, der Fachdienst Kultur von Dr. Wecker organisiert sie.

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