Goldener Hahn dreht sich wieder auf Korbachs Wahrzeichen

Auf die Spitze getrieben

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75 Meter über der Altstadt: Dachdeckermeister Christoph Rohde (l.) und Michael Köhler platzierten den geschmückten Hahn auf der Spitze der Turmzier.Fotos: Kleine

Korbach - Hoch oben über den Dächern der Hansestadt thront er wieder - der Hahn auf der Kilianskirche. Die vergoldete Turmzier zeigt wie geschmiert, woher der Wind weht.

Wind und Wetter erfahren die meisten heutzutage per Knopfdruck übers Smartphone. Zumindest aus dieser Perspektive ließe sich der Hahn auf dem Kirchturm getrost in Pension schicken. Doch was wäre Korbachs über 600 Jahre altes Wahrzeichen ohne Kugel, Kreuz und Hahn auf der Spitze?

Mit dem Hahnenfest ist die Turmzier der Kilianskirche seit Mittwochnachmittag wieder komplett. Ein wenig Schmiere noch in den Stiel, eine Kugel als Lager darunter - schon drehte sich das Schmuckstück am Korbacher Himmel im Wind.

Doch gar so einfach war die Prozedur beileibe nicht. Zunächst hatte Malermeister Michael Köhler noch einen Hauch von 0,1 Gramm Blattgold aufs sonst kupferne Gefieder gelegt (wir berichteten). Gestern ging es mit dem knapp 20 Kilo schweren Zierstück nach alter Väter Sitte im kleinen Festzug durch die Altstadt, damit die Korbacher ihm auch die Ehre erweisen können - auf Stroh gebettet und bunt gefiedert in einem Bollerwagen.

Vorneweg die Dachdecker um Meister Christoph Rohde (Eimelrod) und die Zimmerleute mit Meister Heinz-Arno Wachs (Landau), dahinter Pfarrer Markus Heßler, Kirchenvorstand Fritz Willems, Erste Stadträtin Gudrun Limperg, der bauleitende Ingenieur Jürgen Kepplin und weitere rund 40 Korbacher. Einmal ging es im weiten Bogen um die Kirche, dann zum Segen ins Gemeindehaus.

„Heute stehen wir vor einem besonderen Ereignis“, betonte Willems, Vorsitzender der evangelischen Stadtkirchengemeinde. Denn nicht viele Generationen haben bislang ein Hahnenfest am gotischen Kilian erleben dürfen.

Willems verwies auf Zeitzeugnisse, die in einem stählernen Zylinder in der Kugel der Turmzier für die Nachwelt aufbewahrt werden: aktuelles Münzgeld, Pläne des Ingenieurbüros für die Turmsanierung, eine Ausgabe des Kirchenblatts „Glocke“ und zwei Ausgaben der Waldeckischen Landeszeitung - die Samstagausgabe zu „25 Jahre Mauerfall“ und die aktuelle Mittwochsausgabe.

Mit einem Gebet gab Pfarrer Markus Heßler der Turmzier und den beteiligten Handwerkern das Geleit. Dann nahmen Michael Köhler und Christoph Rohde den Hahn mit auf die Reise auf die Kirchturmspitze.

In luftiger Höhe von 72 Metern stiegen Rohde und Köhler auf dem schmalen Podest des Turmgerüsts auch noch auf eine Leiter, um den Hahn in Positur zu bringen: „Bewahr’ ihn Gott, dass nie ein Sturm ihn biegen mag noch brechen (…), dass kommende Geschlechter hier ihm stets die Ehre bringen.“

Von Jörg Kleine

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