Schüler der Louis-Peter-Schule experimentieren mit dem Foucaultschen Pendel

Auf den Spuren von Jean Léon Foucault

Diether Fix-Hansmann, Lehrer an der Louis-Peter-Schule, wagte gestern gemeinsam mit den Schülern der Klasse 10 ein Experiment in der Kilianskirche. Fotos: Theresa Demski

Korbach - Sie fühlten sich ein bisschen wie Galileo Galilei oder wie Christoph Columbus: Gestern bewiesen die Zehntklässler der Louis-Peter-Schule gemeinsam mit Lehrer Diether Fix-Hansmann in der Kilianskirche, dass sich die Erde dreht.

. „Sind sie aufgeregt, Herr Fix-Hansmann?“, fragt eine Zehntklässlerin ihren Lehrer. Der nickt und sagt: „Und wie.“ Diether Fix-Hansmann und die Zehntklässler der Louis-Peter-Schule haben schließlich große Pläne, und schnell springt der Funke über, und auch die Schüler blicken gespannt auf die goldene Kugel, die von der Decke der Kilianskirche hängt. Es ist ein außergewöhnlicher Lernort, und genau den wünscht sich der Physiklehrer für die besondere Schulstunde. Er will Wissenschaft erlebbar machen, und deswegen hat er mit der Klasse 10d eben jenes Experiment vorbereitet, das er am Dienstagmorgen im Chorraum der Kirche in die Tat umsetzt.

„Galileo Galilei hat sich im 16. Jahrhundert mit der Kirche angelegt, weil er herausgefunden hatte, dass die Welt eine Kugel ist“, erzählt Fix-Hansmann und ergänzt fröhlich, „heute arbeiten Wissenschaftler und Kirche zusammen.“ Und so lassen es sich Dekanin Eva Brinke-Kriebel und Pfarrer Markus Heßler dann auch nicht nehmen, das Experiment mit der goldenen Kugel selbst zu erleben. Im Unterricht hatten die Jugendlichen die Kugel aus Styropor und Beton gefertigt, berichtet ein Schüler. Am Ende sei die goldene Kugel rund 22 Kilogramm schwer gewesen, und an ihrem unteren Ende sei eine Nadel angebracht worden. An einem 17 Meter langen Stahlseil hängt sie schließlich von der Decke des Chorraums.

„Dann haben wir auf einem Holzbrett eine Windrose vorbereitet“, erzählt ein anderer Schüler. Rundherum haben die Jugendlichen kleine Holzstifte aufgestellt. Gebannt blicken sie dann auf ihre Konstruktion. Dass sie damit in berühmte Fußspuren treten, erzählt dann Schüler André Worobiow. 1851 habe Jean Bernard Léon Foucault in seinem Keller eine Kugel zum Pendeln gebracht. Er stellte fest: Im Laufe der Zeit änderte das Pendel seine Richtung. „Die Erde muss sich also drehen“, schloss der französische Physiker damals.

„Die Erde dreht sich“

Und davon überzeugen sich die Schüler der Louis-Peter-Schule dann selbst. Sie befestigen die Kugel mit einem Draht an einem Seil, prüfen mit dem Tachymeter die Lage und brennen dann die dünne Schnur durch. Die Kugel beginnt zu pendeln. Es vergehen einige Minuten, und statt weiter den Weg geradeaus zu suchen, wirft die Nadel an der Kugel den ersten Holzstift um. Diether Fix-Hansmann klatscht begeistert in die Hand, und auch die Schüler betrachten klatschend das Ergebnis. „In 32 Stunden würden alle Holzstifte fallen“, sagt der Lehrer und erklärt dann, warum.Weil auf die Kugel keine äußere Kraft einwirke, müsse der Boden für die Richtungsänderung verantwortlich sein. Daraus habe Foucault schon 1851 geschlossen: Die Erde dreht sich.

Nach dem spannenden Morgen in der Kilianskirche steht dann noch etwas fest: Sollten die Jugendlichen im Laufe ihres Lebens auch manches Schul-wissen wieder vergessen, das Foucaultsche Pendel wird ihnen in Erinnerung bleiben.

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