Viele Gäste beim Dorffest zur Einweihung der Schwalefelder Spinn- und Heimatstube

Auf den Spuren der Vergangenheit

Schwalefeld - Die Schwalefelder haben ihren früheren Kirchsaal grundlegend umgestaltet. Mit einem großen Dorffest weihten sie am Pfingstsonntag die Heimatstube ein, die zu einem Ausflug in die Vergangenheit einlädt.

Ein Hauch von Nostalgie weht durch die Räume, die mit Liebe zum Detail eingerichtet wurden. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer haben eine Vielzahl alter Gerätschaften zusammengetragen: angefangen vom Küchenherd bis zum eisernen Ofen, einem wahren Prachtexemplar, das Familie Engelhard zur Verfügung gestellt hat; Bügeleisen, Nähmaschine, Haspel, Spinnräder und den Webstuhl, ein Geschenk von Familie Weyand-Fink aus Buchenberg; Butterfass, Waage, Pflug, Egge und viele andere landwirtschaftliche Geräte; dazu die passenden Möbel und Accessoires wie Telefon, Schreibmaschine und Radio von anno dazumal. Der Eingangsbereich des alten Kirchsaals ist täglich geöffnet. Hier finden die Gäste Prospekte und Informationen über den Upländer Luftkurort und die touristische Betriebe. In der anschließenden Diele besteht Gelegenheit zur Begegnung. Sie führt zur „Amtsstube“, in der Helmut Kesper, der Geschäftsführer des örtlichen Verkehrsvereins, den Urlaubern mehrmals wöchentlich als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung steht. Herzstück des Gebäudes ist die Spinn- und Heimatstube, wo sich die „Wollläuse“ an jedem ersten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr treffen. Sie spinnen, weben, häkeln, stricken und pflegen die Geselligkeit. Weitere Frauen sind herzlich willkommen, sei es zum Handarbeiten oder auch nur zum Klönen. Die Räume im Obergeschoss des ehemaligen Kirchsaals werden vom Willinger Heimat- und Geschichtsverein, dem sich die „Freunde der Schwalenburg“ als Abteilung angeschlossen haben, und vom Upländer Gebirgsverein als Archiv genutzt. Das Einweihungs- und Dorffest am Sonntag wurde vom Verkehrsverein und den Frauen der Spinnstube veranstaltet. Zum Auftakt fand eine Pfingstandacht mit Pfarrer Ulf Weber statt; die musikalische Begleitung übernahm Werner Lamm. „Die Dorfgemeinschaft hat etwas Wunderbares vollbracht“, betonte Harald Brüne, der zahlreiche Schwalefelder und Gäste zu der Veranstaltung begrüßte. Sein Dank galt den Helfern, allen voran Helmut Kesper und Reinhold Feld, die sich in den Wintermonaten beim Umbau mächtig ins Zeug gelegt haben, sowie Ulrike Schüttler aus Mühlhausen, die den Webstuhl aufgebaut und den Schwalefelder Frauen wichtige Grundkenntnisse vermittelt hat. „Der Webstuhl hat einen besonders hohen Stellenwert für uns“, so Harald Brüne mit Blick auf die Verbindung zwischen alter Webtradition und dem Tourismus. Die Männer, die früher auf den Handel gingen – sie verkauften Eisenwaren wie beispielsweise Ketten und Nägel, aber auch hölzerne Fasskranen –, nahmen auch die „Tuche“ mit, die ihre Frauen gewebt hatten. Daraus entwickelte sich der Leinenhandel, der über Jahrzehnte hinweg von großer Bedeutung war. Die Linnenkerle priesen in der Ferne die Schönheit ihrer Upländer Heimat, öffneten ihre Häuser für Gäste und legten mit ihrer Weltaufgeschlossenheit und Geschäftstüchtigkeit den Grundstock für den Fremdenverkehr. Bürgermeister Thomas Trachte dankte allen Beteiligten für die Umgestaltung des ehemaligen Kirchsaals. Er zeigte sich erfreut, dass es gelungen ist, mit der Verwirklichung des neuen Konzepts Leben in das Gebäude zu bringen und mit der Einrichtung der Heimatstube einen wichtigen Beitrag zur Pflege der Heimatgeschichte zu leisten. Die Schwalefelder verwöhnten ihre Gäste mit herzhaften und süßen Köstlichkeiten. Das Programm wurde gestaltet vom gemischten Chor „TonArt“, der die Besucher unter Leitung von Lydia Hucke mit schwungvollen Liedvorträgen unterhielt; von Hans-Heinrich und Helga Genuit, die bei einem Sketch die Lacher auf ihrer Seite hatten; und vom Linnenkerl Ernst-Wilhelm Gerbracht. Großes Interesse fand zudem ein Vortrag von Harald Brüne, der auf das Leben zur Zeit der Schwalenburg im achten und neunten Jahrhundert einging. Er berichtete, dass die Häuser damals in der Nähe zum Wasser, zu den Getreidefeldern und zu den Hutewäldern gebaut wurden. Es gab eine Arbeitsteilung (Schmied, Zimmermann, Tischler, Schuster). Bekleidung wurde in den Familien gefertigt. Das Spinnen, Weben und Nähen war Sache der Frauen und Mädchen. Die Menschen aßen deutlich mehr Fleisch als heute, zumal Getreide teuer war. Auch die Jagd trug zur Ernährung bei. Von Ulrike Schiefner

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