Korbach

Stadtbücherei besteht 111 Jahre

- Korbach (den). Seit 111 Jahren hat Korbach eine eigene Bücherei, seit 22 Jahren ist sie am heutigen Standort im Lebach’­schen Haus. Am 12./13. September feiern die Mitarbeiter das Bestehen mit einem bunten Fest.

Alles andere als optimal war der erste Raum, den die Bücherei vor 111 Jahren beziehen konnte: In der Entengasse türmten sich unzählige Bücher in einem einzigen, viel zu winzigen Räumchen. Doch der Anfang war gemacht. 1898 nahm das Gestalt an, was aufgeklärte Bildungsbürger bereits 50 Jahre für Korbach gefordert hatten: eine Volksbibliothek. Öffentliche Bildung für jedermann, das war eine Revolution, die im 19. Jahrhundert durch halb Europa gefegt war. Korbach war insofern also etwas spät dran, als Ende des Jahrhunderts die Gemeindevertretung die Richard-Waldeck-Stiftung annahm und die Gründung einer Bibliothek in der Spielschule in Auftrag gab. Der Erfolg dieses Konzeptes ist nichtsdestotrotz bis heute ungebrochen. Während 1928 950 Bücher im Bestand waren und sich diese Zahl während der Nazidiktatur nur unwesentlich nach oben bewegte, ging es nach dem Zweiten Weltkrieg stetig bergauf. 1970 waren mehr als 13 000 Medien vorrätig, heute sind es mehr als 40 000. Aus einem feuchten Kellerraum in der Enser Straße zog die Bücherei mit einer Zwischenstation in der Polizeistube im Rathaus und der Bezugskartenstelle 1968 schließlich ins Bürgerhaus.Vorbei war hier die Zeit, in der der Bibliothekar den Besuchern die Bücher aus den Regalen suchte. Stattdessen konnten sie nun nach Herzenslust schmökern und den ein oder anderen Fang sofort mit nach Hause nehmen. Seit 20 Jahren residieren die Bücher im Haus Lebach, das 1988 aufwendig renoviert wurde und liebevoll gepflegt wird. Sieben Mitarbeiter, die sich auf 3,5 Stellen verteilen, sorgen heutzutage für Ordnung in den Regalen. Maren Heynk ist seit drei Jahren hauptamtliche Leiterin der Bücherei. Sie übernahm die Stelle von der langjährigen Chefin Marie-Luise Lindenlaub.„Viel ändern musste und wollte ich gar nicht“, lobt Heynk. Den Kontakt zu den Schulen hat sie durch Kooperationen intensiviert, eine Krabbelkindergruppe eingerichtet, die Leseförderung ab anderthalb Jahren eingeführt. „Die Herausforderung ist es, den hohen Stand, den ich vorgefunden habe, zu halten“, gibt sie zu.Nicht nur Bücherwürmer kommen inzwischen in den Genuss der Ausleihe, sondern auch Hörspielfans, Musikliebhaber und DVD-Enthusiasten. Doch bei allen Veränderungen durch die digitale Ära: Die klassischen Bücher erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. „Eine Bücherei ohne Karl May geht auch heute nicht“, findet die Bibliothekarin. „Und unsere Pferdebücher sind vor allem bei den Mädchen der absolute Renner.“

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