Korbach

Der Stadtgeschichte auf der Spur

- Korbach (den). Kennen Sie das größte Fachwerkhaus Korbachs? Oder das älteste? 16 ALS-Schüler sind wahre Korbach-Experten. In ihrer „Geschichtswerkstatt“ haben sie Fakten zur Historie zusammengetragen und im Internet veröffentlicht.

Zum Gähnen langweilig halten die einen Geschichte – sei es nun die der großen Welt oder die kleine direkt vor der eigenen Tür. Florian Mitze, Sebastian Hessel und Jakob Gleumes widersprechen da vehement. „Wenn man allmählich mehr über die Häuser Korbachs und ihre Geschichte weiß, dann sieht man das alles mit ganz anderen Augen“, sind sich die Siebenklässler sicher. Zusammen mit 14 weiteren Altersgenossen haben sie sich die bedeutenden historischen Plätze in Alt- und Neustadt angeschaut und recherchiert – begonnen beim ältesten nachweisbaren Flecken, dem Mönchehof, über das Schwalenstöckersche Haus bis zur Kilians- und Nikolaikirche. Am Dienstag präsentierten die Schüler ihr Projekt im Bonhage-Museum der Öffentlichkeit. Warum Korbach zwei große Kirchen hat oder das Enser Tor ohne Tor daherkommt, klärten die Geschichtsexperten in ihren Doppelstunden am Dienstag. Unter Leitung von Marion Möller werkelten sie mit großem Eifer an einem Geschichtskompendium, das 27 historische Stationen enthält. „Wussten: Das wird gut.“ Unter der Internetadresse www.geschichtswerkstatt-als.de können Korbacher, Gäste und Interessierte das recherchierte Wissen abrufen. ALS-Schüler Florian hat zum Beispiel den Text zur alten Alten Landesschule beigesteuert. „Mein Vater hat noch die Klosterschule besucht, bis sie 1971 umgezogen ist“, beeindruckt er wie die weiteren freiwilligen „Mitarbeiter“ mit Detailwissen. Im Geschichtsunterricht von Marion Möller hatten die drei Schüler bereits Witterung aufgenommen und waren sich sicher: „Wir wussten, das wird gut.“ Ausgangspunkt für die Werkstattarbeit war ein Flyer der Stadt, dessen historische Karte nun auch die Startseite im Internet ziert und einen schnellen Überblick über die eingetragenen Punkte gibt. Bereits erschienene Bücher zur Stadtgeschichte von Hans Osterhold, Ursula Wolkers oder Wilhelm Hellwig kamen hinzu. „Außerdem haben wir mit älteren Korbacher Bürgern gesprochen“, blicken die drei auf ihre Arbeitsweise zurück. „Wir waren fast den ganzen Sommer über im Freien und haben uns die verschiedenen Punkte vor Ort angeschaut“, berichtet Lehrerin Möller. Neben den ersten Textentwürfen kümmerte sie sich auch um die Fotos. Für die technische Umsetzung zeichnete Dejan Danz verantwortlich. Der gelernte IT-Fachmann betreut die Schulbibliothek und die Arbeitsplätze und fand so zu der engagierten Truppe rund um Geschichtsexpertin Möller. Hilfe der Korbacher gefragt In der Werkstatt stehen die Räder noch lange nicht still. „Internetseiten sind nie fertig“, weiß Betreuer Danz und verweist auf weitere Texte und gar Videos, die nach und nach folgen sollen. Dabei sind die Geschichtsdetektive auch auf die Hilfe der Korbacher angewiesen. Wer Anregungen liefern kann oder weitere Beispiele parat hat, nimmt über die Internetseite Kontakt mit der Historikergruppe auf. „Das wird noch wachsen“, ist sich Marion Möller sicher. An ihre Schüler richtete sie großes Lob; die Unterstützer aus dem schulischen und öffentlichen Umfeld schlossen sich unisono an. „Ihr seid wegweisend in Erforschung und Verbreitung“, würdigte die Lehrerin die Arbeit des vergangenen Schuljahres. Florian, Sebastian und Jakob nahmen das Lob gelassen entgegen. „Es war schön, dass wir mehr über Korbach erfahren konnten.“ Die Fortsetzung der Werkstatt ist schon beschlossene Sache, es existiert bereits eine Warteliste. Die Internetseite ist unter der Adresse www.geschichtswerkstatt-als.de abrufbar.

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