Spannender Wettkampf im Schießhagen

Stefan Sude neuer Korbacher Vogelkönig

Korbach - 158 Korbacher waren beim Vogelschießen in einen vierstündigen Wettkampf verwickelt. Ein Pionier machte sich auf, um ihn zu beenden.

473 Schuss sind gefallen, als Stefan Sude auf den Vogel anlegt. „Ich hätte es den Burschen ja gegönnt, aber irgendwann muss es mal zu Ende sein“, wird er später erklären. Der Holzadler widersteht den 158 Schützen aus allen Kompanien sowie Nichtmitgliedern aus der Hansestadt schon seit vier Stunden, die meiste Zeit, ohne sichtbaren Schaden zu nehmen. Ihren Plan, nach alter Tradition zuerst Zepter, Reichsapfel und Krone abzuschießen, geben die Schützen bald auf.Erst knapp eine Stunde bevor Sude das letzte Mal an den Schießstand tritt, scheint der Vogel im freien Fall zu sein – bleibt aber an einer Schraube hängen. Sude denkt schon, er kommt nicht mehr an die Reihe. Schließlich zerbricht er in zwei Teile, hält aber noch. Das Kopfschütteln im Publikum ist groß – umso lauter ist der Jubel, als das Mitglied der Pioniere sich unerwartet mit dem 474. Schuss zu Vogelkönig kürt.

Er ist nicht das einzige Mitglied dieser Abteilung mit stolzgeschwellter Brust: Unter 17 Mädchen und Jungen, die mit Armbrüsten um den Titel des Kinderkönigs gerungen haben, geht Leon Tent als Sieger hervor, Sohn des Pionier-Hauptmanns Holger Tent. So sehr habe der 12-Jährige noch nie draufgehalten, erklärt der stolze Vater. Große Hoffnungen gemacht haben sich die Burschen, schließlich feiern sie Jubiläum: Seit 175 Jahren gibt es eigenständige Burschen- und Männerkompanien. Auf ihre Geschichte blickt Manfred Schatz in einer Feierstunde zurück: Die Ursprünge des Schützenwesen lägen in der Verteidigung der Stadt, Bürger hätten sich dazu ohne Rücksicht auf Herkunft und Stand zusammengeschlossen. Auch in Zeiten, in denen das nicht mehr nötig war, hätten Schützen sich verdient gemacht, sagt Schatz und verweist auf ihre Arbeit an Kiliansturm, Tylenturm, Gildehaus und Enser Tor. An die Zeit bei den Burschen würden sich Schützen gern erinnern, erklärt ihr König Michael Stephan: „Das ist wie mit der ersten Liebe: Egal mit wem man später zusammen ist, die erste bleibt unvergessen.“ Männer zwischen 14 und 30 Jahren, die Lust auf Brauchtum und Kameradschaft haben, seien immer willkommen.Beim Vogelschießen stehen die Burschen im Vordergrund, ihr erster Heger Dennis Schmidt führt den Festzug am Samstag an. Die anderen Abteilungen der Gilde legen sich auch ins Zeug: Erster Dechant Hans-Jürge Jost lobt die Schützenfrauen, die erstmals den Vogel schmücken. St. Regina, St. Barbara, Pioniere, Kinderkompanie sowie die Schützen aus Bömighausen und Bergfreiheit begleiten die Züge durch die Altstadt.

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