Mädchenchor „Scala“ begeistert mit Kolacny-Brüdern in Korbacher Stadthalle

Stehende Ovationen und großer Jubel

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Korbach - Jeder dürfte sie schon mal gehört haben - in der Werbung, im Kino oder im Radio. Sie live auf der Bühne zu sehen, ist ein Erlebnis. Die Erfahrung machten rund 600 Zuhörer am Dienstagabend beim Konzert von "Scala & Kolacny Brothers" in der Korbacher Stadthalle.

Am Ende fordern die Besucher mit stehenden Ovationen Zugaben und wollen die 25 jungen Frauen, ihre gut aufgelegten Chorleiter Steven und Stijn Kolacny und die Scala-Band gar nicht gehen lassen. Ehrliche Begeisterung klingt aus dem Publikum zur Bühne.

Das hatte sich mehr als zwei Stunden zuvor noch gar nicht abzeichnen wollen. Zwar hatten rund 600 Musikfreunde Tickets für das Konzert gekauft, so dass sogar im Foyer der Korbacher Stadthalle Stühle standen. Aber als die 25 Sängerinnen, die in den vergangenen Jahren erst verhalten und dann an immer präsenterer Stelle mit engelhaften Stimmen Fans ums sich scharrten, die Bühne betraten, schien der Funke erst nicht so recht überspringen zu wollen. Während viele Besucher die schönen Melodien aus der Raiffeisenbank-Werbung im Ohr hatten - bezeichnender Weise wurde das Konzert auch von der Waldecker Bank präsentiert - klangen zum Auftakt vor allem düstere Metalmelodien als helle Chorstimmen getarnt durch den Saal. Aber von Anfang an bestand kein Zweifel: "Scala & Kolacny Brothers" lassen alle Klischees üblicher Chormusik verblassen.

Doch erst nach einer kleinen Aufwärmphase wendete der Chor das Blatt. Stijn Kolacny dirigierte die Mädchen leichtfüßiger, begann mit dem Publikum und Bruder Steven Kolacny am Klavier zu scherzen. "Fünf Bier bitte", bestellte der Pianist, der durch fantastische Melodien begeisterte, schmunzelnd im Publikum. Und bald fand sich ein wahrer Fan, der sich auf den Weg zur Bar machte. Auch den trockenen Weißwein für Bruder Stijn servierte eine Zuhörerin gut gelaunt - der Lohn für einen begeisternden Abend.

Mal präsentierte der belgische Chor Eigenkompositionen von Steven Kolacny, dann wieder ließ er wie aus einem Mund Melodien von Metallica, Marilyn Manson oder "Engel" von Ramstein erklingen.

Techno, Metal und Gefühl

Und dann, es ist als hätte das Publikum heimlich darauf gewartet, stimmten sie "Hungriges Herz" an - jene Melodie, mit der sich der Chor und seine talentierten Musiker in Deutschland bereits unvergessen gemacht haben. Es folgte ein Feuerwerk der Melodien, der Sprachen und Stimmungen: Ein fantastisches Gitarrensolo bei "Eskimo" von Damien Rice, spanische Rhythmen, die Schwung auf die Bühne und ins Publikum brachten, Sängerinnen, die plötzlich inmitten der Sitzreihen auftauchten und für Dolby-Surround-Akustik sorgten und Ausdruckstanz inmitten bekannter Melodien.

Mit einer "Techno-Chor-Nummer", die zum Mittanzen einlud, wollten sich die belgischen Sängerinnen nach rund zwei Stunden verabschieden, hatten aber nicht mit dem Korbacher Publikum gerechnet. Das forderte jubelnd Zugaben - und wurde nicht enttäuscht. So sangen am Ende 25 zarte Frauenstimmen fröhlich "Schrei nach Liebe" von den Ärzten, nicht ohne auch die derben Worte zu genießen. Das Publikum schmunzelte und war begeistert.

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