Hausbesitzer können seit dem 1. Januar ihren Schornsteinfeger selbst auswählen

Wer steigt mir künftig aufs Dach?

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Das Ende des Kehrmonopols bringt für Hausbesitzer mehr Freiheiten, aber auch mehr Pflichten mit sich. Welcher Feger den Schornstein reinigt, bleibt jedem selbst überlassen.

Korbach. - Mit dem Ende des Kehrmonopols verlieren die Schornsteinfeger ein jahrzehntelang geltendes Sonderrecht. Hausbesitzer haben jetzt freie Handhabe bei der Wahl ihres Kaminfegers - müssen ihn aber auch rechtzeitig bestellen.

Vorschriften für das regelmäßige Kehren des Schornsteins gibt es seit dem Mittelalter. So sollte auch früher schon Bränden vorgebeugt werden. Später wurden zum Beispiel im Norddeutschen Bund - zu dem auch das Fürstentum Waldeck-Pyrmont gehörte - Kehrbezirke eingeführt. Schornsteinfeger bekamen also fest zugeschriebene Arbeitsbereiche, wenn es die Gemeinden denn wollten.

Freiheit und Verpflichtung

1935 war dann Schluss mit Selbstbestimmung, die Einrichtung von Kehrbezirken wurde für ganz Deutschland vorgeschrieben. Diese Monopolregelung blieb auch im 1969 erlassenen „Gesetz über das Schornsteinfegerwesen“ erhalten. Am 31. Dezember 2012 trat das Gesetz nun - auch auf Drängen der Europäischen Union - außer Kraft.

Das hat Folgen: Hausbesitzer können ihren Schornsteinfeger jetzt frei wählen. Die EU will damit für mehr Gewerbefreiheit sorgen, und die Verbraucherzentrale Hessen sieht darin auch einen Vorteil: „Während der Bezirksschornsteinfeger einen festen Preis gemäß der Gebührenordnung verlangt, kalkulieren die freien Schornsteinfeger ihre Preise selbst. Angesichts von Angebot und Nachfrage sind daher künftig niedrigere Preise zu erwarten.“

Mehr Freiheit bedeutet in diesem Fall aber auch mehr Pflichten für die Bürger. Bislang meldete sich der Schornsteinfeger in regelmäßigen Abständen bei den Hausbesitzern zwecks Kontrolle der Feuerstätten. Ab sofort müssen die Besitzer selbst darauf achten, wann der Schornstein gereinigt werden muss. Daher erhielten die Haushalte im Landkreis den „Feuerstättenbescheid“, in dem aufgeführt ist, wann die nächste Wartung des Kamins ansteht. Wer die Fristen nicht einhält, der erhält nach einer Ermahnung ein Schreiben des Landkreises, mit dem dann auch Gebühren verbunden sind.

Verbundenheit der Kunden

Holger Figge glaubt trotz neuer Regelungen nicht an große Veränderungen. Der 45-Jährige ist Bezirksschornsteinfegermeister und auf den Dächern Korbachs zu Hause. Derzeit würden bei ihm zahlreiche Kunden mit dem Wunsch anrufen, dass er weiterhin die Schornsteine säubert. „Zu 98 Prozent wird hier in der Region alles so bleiben, wie es war“, vermutet Figge. Das habe auch viel mit Vertrauen zu tun. Häufig komme ein und derselbe Schornsteinfeger seit Jahren in die Häuser. „Viele sagen: Der, der immer kommt, soll auch weiterhin kommen.“ Entscheiden sich die Hausbesitzer für ihren bisherigen Schlotfeger, dann übernimmt dieser auch wieder die terminliche Planung.

Bezirke bleiben bestehen

Die 22 Kehrbezirke im Landkreis fallen zudem nicht weg. Ein Großteil der Aufgaben, wie die Einrichtung neuer Feuerstätten oder Baumaßnahmen am Schornstein, dürfen weiterhin nur von den zuständen Bezirksschornsteinfegern abgenommen werden. Auch die Feuerstättenschau - quasi der TÜV für den Schornstein - wird vom Bezirksschornsteinfeger durchgeführt. Hausbesitzer können also vor allem für die Reinigung des Kamins oder die Messung von zum Beispiel Emissionswerten freie Schornsteinfeger wählen.

Von neuer Konkurrenz merkt Holger Figge nichts. Auch dass die Kunden mit freien Schornsteinfegern viel sparen können, glaubt er nicht. Dem würden auf dem Land zum Beispiel die häufig langen Anfahrten im Wege stehen. Diese hätten die Bezirksschornsteinfeger nicht.

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